Was den Rotmilan bewegt

(21.12.2017) Wie wirkt sich die Landnutzung auf einen heimischen Greifvogel aus? Dieser Frage geht ein neues Forschungsprojekt nach, das Lebensräume und Flugbewegungen der Gabelweihe studiert.

Für das mehrjährige Vorhaben erhält die Biologiedoktorandin Theresa Spatz finanzielle Unterstützung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU).

Sein gegabelter Schwanz ist unverkennbar: Der Rotmilan, den man auch unter dem Namen Gabelweihe kennt, ist ein typischer Greifvogel in offenen, strukturreichen Landschaften.


Der gegabelte Schwanz ist sein Kennzeichen: Ein Rotmilan im Flug.

Mehr als die Hälfte des weltweiten Bestandes brütet in Deutschland – Fachleute gehen von bis zu 18.000 Brutpaaren hierzulande aus.

„Auch Hessen steht mit mehr als tausend Brutpaaren besonders in der Verantwortung, für den Schutz dieser bedrohten Art zu sorgen“, erklärt der Biologe Sascha Rösner, der an dem Forschungsprojekt in der Arbeitsgruppe Naturschutz von Professorin Dr. Nina Farwig mitarbeitet.

Vogelkundliche Studien belegen seit vielen Jahren, dass die Bestände in vielen Teilpopulationen schwinden: Sowohl die Anzahl der Brutpaare als auch der Bruterfolg sind rückläufig, unter anderem aufgrund veränderter Landnutzung, aber auch durch den Bau von Windrädern.

„Bewegungen bilden für die Vögel die Grundlage, um geeignete Bruthabitate zu erreichen und Nahrung zu finden“, erläutert Arbeitsgruppenleiterin Nina Farwig. Wenn man verstehe, wie sich die Gabelweihe bewegt, könne man besser als bisher einschätzen, wie sich verschiedene Landnutzungsformen und auch der Bau von Windrädern auf den Rotmilan auswirken.

„Daraus lassen sich beispielsweise naturschutzfachliche Empfehlungen für geeignete Anlagenstandorte ableiten oder Maßnahmen, die Rotmilane aus dem Gefahrenbereich der Windenergieanlagen fernhalten, evaluieren und weiterentwickeln.“

In dem laufenden Projekt zur Bewegungsökologie der Gabelweihe untersuchen die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wie sich die Beschaffenheit der Lebensräume – etwa die Wald-, Feld- und Wiesenanteile, aber auch der Abstand zu Windrädern – auf die Territoriengröße, den Bruterfolg und die Bewegungsräume der Tiere auswirken.

Hierzu stattete das Team 20 Altvögel aus ganz Hessen mit Satellitensendern im Miniaturformat aus, die über Jahre hinweg Daten sammeln: zum Beispiel Informationen darüber, wo sich die Vögel aufhalten, wie hoch und wie schnell sie fliegen.

Welche lokalen Strukturen nutzt der Rotmilan vorrangig? Ändert sich deren Nutzung durch den Einfluss von Windenergieanlagen? Wie beeinflussen Landnutzungsformen und Landschaftsstrukturen die Bewegungsentscheidungen von Rotmilanen?

Solchen und verwandten Fragestellungen geht Projektmitarbeiterin Theresa Spatz nach, deren Promotion von der DBU durch ein Stipendium und zusätzliche Sachmittel gefördert wird.

Das Kernteam wird durch die Biologin Dr. Dana Schabo komplettiert. Zudem fertigen derzeit fünf Bachelor- und Masterstudierende ihre Qualifikationsschriften mit den erhobenen Daten an.

„Mittlerweile sind alle Vögel in ihren Winterquartieren angekommen“, berichtet Theresa Spatz. „Die meisten unserer Tiere überwintern in Spanien. Nur einzelne verbringen den Winter in Portugal oder Frankreich.“

Wer den Vogelzug nachverfolgen möchte, kann dies auf der Homepage tun, die den Projektverlauf dokumentiert: www.rotmilane.de



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