Der Star ist der Vogel des Jahres 2018

(15.10.2017) BirdLife Österreich präsentiert den Star (Sturnus vulgaris) als „Vogel des Jahres 2018“. Obwohl als „Allerweltsvogel“ betitelt, ist er eigentlich der „Star“ unter den Vögeln: Einzigartig sind seine Schwarmflüge im Herbst.

Prachtvoll das metallisch glänzende Gefieder des Starenmännchens im Frühling, prächtig das Federkleid des Weibchens. Das Talent der Imitation von Umgebungsgeräuschen beherrscht der Star wie kein anderer. Doch seine europaweite Präsenz im Alltag täuscht.


Star

Bestandsabnahmen im Norden Europas

Wer die Vielfalt einer Vogelart erklären möchte, kann das sehr gut am Beispiel des Stars tun. Seine Lebensräume, das Verhalten am Brutplatz und auf dem Wegzug, die eindrucksvolle Schwarmbildung, die Nahrungsansprüche und Brutplätze – abwechslungsreicher geht es kaum.

Außerdem kommt der Star fast überall vor, in Dörfern genauso wie in Städten. Er ist uns Menschen vertraut und weit verbreitet. Ein so genannter „Allerweltsvogel“.

Doch seine Präsenz in unserem Alltag täuscht, denn der Staren-Bestand nimmt in Teilen Europas ab, vor allem die großen Populationen in Deutschland, England und Schweden haben sich in den letzten Jahren fast halbiert.

Es fehle an geeigneten Lebensräumen mit Brutmöglichkeiten und Nahrung – insbesondere verursacht durch die industrielle Landwirtschaft, vermelden die BirdLife Österreich-Partnerorganisationen Naturschutzbund Deutschland (NABU) und sein bayerischer Partner LBV.

Stare in Österreich

Abhängig von seinem Lebensort ist der Star Kurzstreckenzieher, Teilzieher oder Standvogel. Unsere Vögel ziehen zum Großteil bis in den südlichen Mittelmeerraum und nach Nordafrika.

Die Schwarmbildung von Staren ist ein einzigartiges Naturschauspiel, mit dem kaum eine andere Vogelart aufwarten kann. Wenn sie abends an ihren Schlafplätzen einfallen, vor allem in großen Schilfgebieten, sind etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang imposante Wolken aus vielen tausenden Staren am Himmel zu sehen, bevor sie schlagartig nach unten sinken.

„Auch heuer war dieses unvergleichliche Phänomen wie alljährlich am Neusiedler See zu beobachten“, erklärt Gábor Wichmann, Geschäftsführer von BirdLife Österreich. „Wir schätzen den Starenbestand hier auf weit über 100.000 Individuen.

Dennoch müssen wir den negativen Trend in den Nachbarländern ernst nehmen. Denn: Leider ist der schillernde Geselle europaweit gesehen ein typisches Beispiel für den stillen Rückgang häufiger Vogelarten!“

Nützling und Schädling gleichzeitig

Die Nahrung des Stars ist abhängig von den Jahreszeiten. Im Frühjahr stehen Kleintiere aus dem Boden ‒ Würmer und Insekten ‒ auf dem Speiseplan. Im Sommer und Herbst schätzen Stare zusätzlich Früchte und Beeren.

„Während der Star Anfang des 20. Jahrhunderts noch als wichtiger Vertilger landwirtschaftlicher Schädlinge betrachtet wurde“, erörtert der Ornithologe, „wird sein Vorkommen heute vor allem in Weinbaugebieten eher negativ wahrgenommen, da es durch die schiere Anzahl der Vögel sicherlich punktuell zu Problemen kommen kann.“

Dabei lohnt sich dennoch ein zweiter Blick auf diesen Vogel, denn er besitzt Star-Qualitäten.

Glanzvoller Auftritt

Wer den Star einmal im Frühjahr und dann wieder im Herbst betrachtet, könnte denken, zwei verschiedene Vögel gesehen zu haben. Im Frühling zeigt sich der Vogel des Jahres in einem schwarzen Gefieder, das je nach Lichteinfall metallisch grün, blau oder violett glänzt.

Vor allem auf der Oberseite der Weibchen verzieren kleine helle Punkte das Prachtkleid. Jungvögel sind im Gefieder einheitlich graubraun. Im Spätsommer mausern sich die Stare.

Ihr so genanntes Schlichtkleid ist jedoch gar nicht langweilig, sondern mit einem regelrechten Perlmuster überzogen. Es stammt von den weißen Spitzen der sonst dunkelbraunen Federn. Im Laufe des Herbstes und Winters nutzen sich die Federn ab, werden dunkler und die weißen Punkte verschwinden.

Pünktlich zur neuen Brutsaison schillern die Vögel wieder in elegantem Schwarz mit prächtigen Glanzeffekten.

Begnadeter Imitator

Wenn der Star versucht, einem Weibchen zu imponieren, erkennen wir seinen Gesang nicht unbedingt sofort. Statt einer melodischen Abfolge von Tönen gibt der Starenmann eine Reihe von pfeifenden, zischenden, gepressten und schnalzenden Geräuschen von sich.

Die Töne sind unterschiedlich laut und sehr variationsreich. „Das gipfelt in seiner Fähigkeit, andere Vogelstimmen oder Umgebungsgeräusche perfekt zu imitieren und in seinen Gesang einzubauen“, weiß Wichmann.

„So blickt sich mancher in der Stadt nach einer Kohlmeise, einer Alarmanlage oder sogar einem Handyklingeln um und kann nichts dergleichen entdecken – bis auf einen Star im Baum.“




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