Schutzhauben für Weißstörche

(12.06.2017) BirdLife Österreich und die Netz Oberösterreich GmbH setzen effektive Schutzmaßnahmen gegen den Stromtod bei großen Vögeln

Ganze fünf Weißstorchpaare sind heuer zur Brut auf ihren Horsten in Oberösterreich gelandet. Das sind zwei Paare weniger als im Vorjahr. Die Gefahren für Leib und Leben der Störche sind vielfältig.

Sie reichen von Kollisionen mit Glasscheiben, dem Straßenverkehr bis hin zur Verschlechterung des Lebensraumes oder tödlichen Stromschlägen. Das Projekt zum Schutz der Vögel wird im Rahmen von vielfaltleben, der größten heimischen Biodiversitäts-Initiative des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW) umgesetzt.


Nieder- und Mittelspannungsschutz für Störche

BirdLife Österreich setzt gemeinsam mit der Netz Oberösterreich GmbH, einem Unternehmen der Energie AG Oberösterreich, effektive Schutzmaßnahmen, um den Stromtod seltener Großvogelarten wie der Störche an Freileitungen zu verhindern und damit einen wesentlichen Beitrag zu ihrem Überleben zu leisten: Schutzhauben für Weißstörche. Finanziell unterstützt wird dieses Projekt von Bund und Europäischer Union.

„Der Stromtod an Freileitungen war lange Zeit eine wenig beachtete Todesursache bei Vögeln. Aber gerade bei Großvögeln, die nur wenige Jungvögel aufziehen, sind die negativen Auswirkungen besonders nachhaltig,“ erklärt Remo Probst, Projektleiter bei BirdLife Österreich den Ausgangspunkt seiner Maßnahmen.

Wie oft es zu Stromunfällen kommt, ist stark von der Größe des Vogels und der Bauart der Strommasten abhängig. Betroffene Vögel sind vor allem die großen Offenlandbewohner. Das sind jene großen Arten, die in der Landschaftsstruktur nur wenige natürliche Ansitzplätze vorfinden und auf Strommaste ausweichen.

Probst: „So passiert es, dass sich ein Weißstorch auf den Querträger eines Mastes setzt und zeitgleich bei An- oder Abflug eine Leitung mit seinem Flügel streift. So überwindet er die für seine Körpergröße viel zu kurze Isolatorstrecke, die die stromführenden Teile einer Leitung trennt. Das führt zum Tod!“

Freiwillige Zusammenarbeit mit Netzbetreibern

Um möglichst effizient Abhilfe zu schaffen, setzt die Vogelschutzorganisation BirdLife daher auf regionale Kooperationen mit den Netzbetreibern. Nachdem es in Österreich keine verbindliche Rechtslage für entsprechende Schutzmaßnahmen gibt, beruhen die einzelnen Maßnahmen auf freiwilligen Leistungen der Netzbetreiber, wie jene der Netz Oberösterreich GmbH.

„Als regionales Unternehmen, dem die Nachhaltigkeit ein großes Anliegen ist, haben wir gerne an dem Projekt teilgenommen, die Maste für Vögel sicher zu gestalten. Dafür haben wir spezielle Abdeckhauben aus Plastik im Einsatz, die wie Isolatoren wirken und so den Vogel nicht verletzen“, sagt DI Stefan Stallinger, Technischer Vorstand der Energie AG Oberösterreich.

Oberösterreich im Fokus

In den Bezirken Rohrbach, Urfahr-Umgebung und Braunau (Oberösterreich) sind insgesamt 20 Holztragmaste mit horizontaler Anordnung der Leiterseile betroffen, die eine potenzielle Gefahr für Störche und andere Großvögel werden können. Ihre Standorte sind im Umkreis von drei Kilometern rund um Weißstorchhorste anzutreffen.

In einem ersten Schritt statteten die Netze OÖ bereits acht Maste mit je drei Vogelschutzhauben für Stützisolatoren aus. „Im Rahmen unserer Zusammenarbeit decken wir auch noch die restlichen Maste ab, von denen eine Gefährdung für die Weißstörche ausgeht, zwei davon bereits im Juni,“ erklärt DI Manfred Hofer, Geschäftsführer von der Netz Oberösterreich GmbH: „Die Kosten hierfür belaufen sich auf mehrere tausend Euro.“

Blick auf Österreich

Der Experte Probst sammelt alle hier gewonnen Daten in einer österreichweiten Datenbank, um „ein genaues Bild über das Ausmaß der Stromtod-Problematik und der besonders betroffenen Gebiete zu erlangen. Gemeinsam mit jenen Netzbetreibern, die sich freiwillig zum Schutz der Großvögel bekennen, setzen wir Maßnahmen zielgenau in den Gebieten mit den größten Aufkommen der gefährdeten Vogelarten und dem Auftreten gefährlicher Leitungsabschnitte um“, fasst Probst zusammen.

BirdLife Österreich bittet um Meldungen von durch Stromschlag getöteten Vögeln an: remo.probst@birdlife.at.


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