Rotmilan in OÖ mit Pflanzenschutzmittel vergiftet

(11.08.2017) Anfang Mai 2017 kam es in Stroheim im Bezirk Eferding zu einem Vergiftungsanschlag auf Wildtiere. Mehrere vergiftete Köpfe von Feldhasen und vergiftete Hühnereier wurden am Rande einer Kiesgrube ausgelegt.

Ein Rotmilan starb. Wie die nun vorliegenden Untersuchungen zeigen, wurde das Pflanzenschutzmittel Carbofuran eingesetzt.

„Wir haben nun den traurigen Befund des Vergiftungsfalles in Stroheim vorliegen“, berichtet Matthias Schmidt, Experte für Greifvogelverfolgung bei BirdLife Österreich.


Vergifteter Rotmilan

Das Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie und das Toxikologische Institut der Ludwigs-Maximillians Universität fanden in präparierten Hasenköpfen und Hühnereiern das Pflanzenschutzmittel Carbofuran, wodurch zumindest ein Rotmilan und eine Rabenkrähe vergiftet wurden. Schmidt: „Weitere unentdeckte Opfer sind wahrscheinlich, da Carbofuran zwar hoch giftig ist, aber die Tiere - in Abhängigkeit der Dosis - durchaus noch weitere Strecken zurücklegen können.

Die Tiere erleiden einen qualvollen Tod, der sich über mehrere Stunden ziehen kann.“ Mittlerweile wurde das Umweltkriminalamt eingeschaltet.

Kooperation mit Behörden und Jägern

Ein Gutes bleibt jedoch zu erwähnen, wie Matthias Schmidt von BirdLife Österreich und Christian Pichler vom WWF betonen: „Die zuständigen Stellen nehmen diese Sache ernst. Wir hoffen auf eine entsprechend intensive Bearbeitung.

Wichtig ist nun auch, dass seitens der Behörden und des Landesjagdverbandes weitere Schritte präventiv gesetzt werden, die Greifvogelverfolgungen stoppen.“

Dazu meint Landesjägermeister Sepp Brandmayr: „Gift hat in der Jagd nichts verloren, ist strengstens verboten und wird vom Landesjagdverband mit allen Mitteln abgelehnt.

Jetzt muss geklärt werden, wer diese Giftköder ausgelegt hat. Sollte es ein Jäger gewesen sein, hätte dieser mit allen Konsequenzen zu rechnen. Es gibt für solche Fälle keinerlei Entschuldigung!"

Erschwerte Rückkehr des bereits ausgerotteten Greifvogels

Bei dem tot aufgefunden Rotmilan handelt es sich um eine der meist bedrohten Greifvogelarten Österreichs. Der Rotmilan ist Ende des 19. Jahrhunderts in OÖ als Brutvogel ausgestorben und kehrt mit einzelnen Paaren seit 2010 wieder zurück.

Mit maximal zehn Brutpaaren ist der Bestand in Oberösterreich aber noch höchst empfindlich. Daher führt BirdLife Österreich mit Unterstützung der Abteilung Naturschutz des Landes Oberösterreich eine Bestanderhebung und ein Artenschutzprojekt durch.

Zudem engagieren sich WWF und BirdLife Österreich auch international im Rahmen des PannonEagle LIFE Projekts (LIFE15/NAT/HU/000902) für die Bekämpfung der illegalen Greifvogelverfolgung durch den Menschen.

Sie ist nach wie vor in Mitteleuropa die Hauptgefährdungsursache für seltene Greife wie etwa den Kaiseradler. Finanziell unterstützt wird das EU-geförderte Projekt vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft.

Mithilfe der Bevölkerung unerlässlich

„Wie auch der Vergiftungsfall Stroheim zeigt, sind wir bei der Bekämpfung der illegalen Greifvogelverfolgung auf die Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen,“ betont Christian Pichler vom WWF: „Neben der Möglichkeit, uns Hinweise über die Homepage www.kaiseradler.at und die Gifthotline 0676-444 66 12 zu melden, haben wir eine APP unter dem Namen „Birdcrime“ eingerichtet.“ (Verfügbar auf Android-Geräten).

Matthias Schmidt und Christian Pichler appellieren an eine aufmerksame Bevölkerung: „Falls Sie tote Tiere, Fleischköder, verdächtige Hühnereier abseits der Bauerhöfe oder ähnliches finden, melden Sie uns diese bitte!

Denn nur gemeinsam können wir es schaffen, dass die illegale menschliche Verfolgung nicht mehr die Hauptbedrohung der Greifvögel darstellt.“



Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Vergifteter Steinmarder; Bildquelle: Vier Pfoten

Tier-Vergiftung in Zistersdorf: EGS und Vier Pfoten schlagen Alarm

Der wissenschaftliche Leiter der von Vier Pfoten geführten Eulen- und Greifvogelstation Haringsee (EGS), Dr. Hans Frey, war in die Suche nach Opfern des Giftköders in und um Gösting in Zistersdorf involviert
Weiterlesen

Vergifteter Rotmilan; Bildquelle: Birdlife

Vergiftungsfall Zistersdorf: Höchst gefährdete Greifvögel unter den Opfern

BirdLife verurteilt die Vergiftung in dem wichtigsten Greifvogelgebiet Österreichs aufs Schärfste und fordert ein hartes Durchgreifen des Landesjagdverbandes
Weiterlesen

Deutsche Wildtier Stiftung

Rotmilan-Schutzprojekt geht in die zweite Runde

Gute Nachrichten für Deutschlands heimlichen Wappenvogel: Das Verbundprojekt „Land zum Leben“ zum Schutz des Rotmilans wird offiziell bis September 2019 verlängert
Weiterlesen

Deutsche Wildtier Stiftung

Rotmilane kehren mit Flugdaten aus ihren Winterquartieren zurück

Sie heißen Logger, sind federleicht, solarbetrieben, zeichnen regelmäßig Flugdaten auf und werden wie ein Rucksack getragen: Die GPS-Daten der Logger verraten die Reiseroute der Rotmilane
Weiterlesen

Bundesprogramm Biologische Vielfalt

Rotmilan-Schutzprojekt soll Lebensräume sichern

Mehr als die Hälfte aller weltweit vorkommenden Rotmilane brüten in Deutschland. Der Bestand geht jedoch seit Jahren zurück. Ein neues Projekt im Bundesprogramm Biologische Vielfalt soll durch praktische Maßnahmen und Beratung der Landwirtschaft die Brut- und Lebensbedingungen für die Greifvogelart verbessern
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen





[X]
Hinweis zur Nutzung von Cookies

Diese Website nutzt Cookies zur Bereitstellung von personalisierten Inhalten, Anzeigen, Inhalten von sozialen Medien und zur Analyse des Benutzerverhaltens. Die mit Hilfe von Cookies gewonnenen Daten werden von uns selbst sowie von uns beauftragten Partnern in den Bereichen soziale Medien, Online-Werbung und Website-Analyse genutzt. Durch den Besuch unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.

Mit der weiteren Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Mehr erfahren...