Wo leben und wie geht es Eichhörnchen in Berlin und Umgebung?

(18.05.2020) Nahezu jede oder jeder hat in Berlin und Umgebung schon Eichhörnchen gesehen, dennoch ist unser Wissen über die flinken Nager recht begrenzt.

Um mehr darüber zu lernen, wo genau sie sich gerne aufhalten, welche Variationen in der Fellfarbe anzutreffen sind oder wie häufig äußerliche Auffälligkeiten sind, die auf Ernährungsprobleme oder Krankheiten hindeuten, startet das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) am 18. Mai 2020 ein fünfmonatiges Citizen Science-Projekt. Interessierte Bürgerinnen und Bürger von Berlin und den Umlandgemeinden können Sichtungen melden, Fotos hochladen und Fragen zu Aufenthaltsort und Gesundheitszustand der gesichteten Tiere beantworten.


Eurasisches Eichhörnchen (Sciurus vulgaris)

Diese Erkenntnisse werden die Grundlage für weitere Forschungsprojekte zum Eichhörnchen am Leibniz-IZW bilden.

Gemeinsam mit den „citizen scientists“ wollen die Forscherinnen und Forscher des Leibniz-IZW erste Hinweise zur Beantwortung unterschiedlicher Fragestellungen zu Vorkommen, Merkmalen, Verhalten und zum Gesundheitszustand des in Deutschland beheimateten Eurasisches Eichhörnchens (Sciurus vulgaris) bekommen:

Wo werden vermehrt Eichhörnchen gesichtet? Gibt es Eichhörnchen-Hotspots? Wie oft werden Eichhörnchen am selben Ort gesichtet?

Werden sie eher auf Bäumen oder auf dem Boden gesichtet? Werden sie oft beim Überqueren von Straßen beobachtet? In welcher Umgebung werden sie gesichtet: in Wohnanlagen, in Grünanlagen oder auf öffentlichem Gelände?

Welche Farbe hat das Fell? Das Eurasische Eichhörnchen kann verschiedene Fellvarianten haben. Das ist spannend für die Wildtierforschung, weil diese Fellvarianten vielleicht Anpassungen an die jeweilige Umgebung sind.

Sind äußerliche Auffälligkeiten erkennbar wie z.B. ein struppiges Fell oder Verletzungen (z.B. Risse im Ohr)? Ist ein Eichhörnchen auffällig mager?

Jede oder jeder Interessierte kann zwischen 18. Mai und 15. Oktober 2020 mitmachen und Beobachtungen auf der Webseite des Projekts „Berliner Stadtwildtiere“ ohne vorherige Registrierung eintragen. Die Beantwortung der Fragen ist in dem Formular schnell und unkompliziert möglich.

Besonders hilfreich sind Eingaben mit „Beweisfoto“ – dafür ist eine Registrierung auf der Website notwendig. Die Teilnehmenden können anschließend die eigenen Meldungen sowie die Meldungen anderer auf einer interaktiven Karte sehen, weitere Informationen zu Eichhörnchen und anderen Wildtieren in der Stadt erhalten – und nicht zuletzt Teil eines echten Forschungsprojektes sein.

Unter allen Teilnehmenden, die mit E-Mail-Adresse registriert sind und mindestens drei Eichhörnchen-Beobachtungen mit Foto gemeldet haben, werden am Ende des Projekts im Oktober 2020 eine Wildtierkamera und fünf Bücher verlost.

In geplanten Folgeprojekten sollen Eichhörnchen an ausgewählten Standorten gefangen, markiert und mit GPS-Sendern ausgestattet werden. So können Abschätzungen zur heutigen Populationsgröße gemacht werden, die in Zukunft helfen, die Populationsentwicklung unter dem Einfluss des Klimawandels zu verfolgen.

Mithilfe der Sender kann man dann genau untersuchen, welche besonderen Ansprüche sie an ihren städtischen Lebensraum haben. „Die Meldungen der Berlinerinnen und Berliner liefern uns sehr wichtige Informationen zu aussichtsreichen Untersuchungsstandorten und erste Einschätzungen zu bevorzugten Aufenthaltsorten, auf die wir unsere Studien aufbauen können“, sagt Stephanie Kramer-Schadt, Leiterin der Abteilung für Ökologische Dynamiken am Leibniz-IZW.

Gudrun Wibbelt, Pathologin am Leibniz-IZW, untersucht seit mehreren Jahren Krankheiten von Eichhörnchen. „Ich bin besonders interessiert an der Meldung von äußerlichen Auffälligkeiten bei Eichhörnchen. Anhand dieser lassen sich Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand der Tiere ziehen.“

Das Eichhörnchen-Projekt ist Teil einer breiten Palette von bürgerwissenschaftlichen Forschungs- und Wissenstransferprojekten, die das Berlin-Brandenburgische Institut für Biodiversitätsforschung (BBIB) in der Hauptstadtregion koordiniert und durchführt. Das Leibniz-IZW ist Mitglied des BBIB-Konsortiums und betreut im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „Bridging in Biodiversity Research“ (BIBS) der BBIB-Mitgliedseinrichtungen das Onlineportal „Berliner Stadtwildtiere“. Die Plattform bietet Informationen zu Berliner Wildtieren.

Interessierte können Tiersichtungen, Spuren oder Nester melden, Fotos hochladen und sich ihre und die Meldungen anderer anzeigen lassen. Bürgerinnen und Bürger können sich über Forschung zur Stadtökologie informieren und Forschungsprojekte zum Mitmachen finden. In diesen „Citizen Science“-Projekten bereichern Bürgerwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler mit ihrem persönlichen Wissen die Forschung, sammeln Daten, übernehmen Aufgaben oder helfen bei der Entwicklung von neuen Fragestellungen. So bekommen sie auch einen Eindruck, wie Forschung funktioniert.

„Berliner Stadtwildtiere“ ist zudem Teil eines internationalen Verbundprojektes zu Stadtnatur, das vom Züricher Verein „StadtNatur“ ins Leben gerufen wurde. Projekte zu Stadtwildtieren gibt es aktuell neben Berlin in vielen Städten in Österreich und in der Schweiz. In Baden-Württemberg startete zudem das Projekt „Wilde Nachbarn Baden-Württemberg“ mit dem Fokus auf den ländlichen Raum.



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