Vogelgrippe – eine Gefahr für unsere Heimvögel?

(24.02.2005) In den vergangenen Monaten erhielten wir gehäuft Anfragen bezüglich eventueller Gefahren, die von der "Vogelgrippe" ausgehen könnten. Wir baten Frau Mag. Claudia und Herrn Dr. Manfred Hochleithner um eine Stellungnahme:

Auch wir werden an unserer Klinik mit Fragen bezüglich der Gefahr der Vogelgrippe für unsere Ziervögel immer wieder konfrontiert. Der Erreger, welcher mit dem Grippevirus verwandt ist, ist nicht neu in Süd-Ost-Asien. Bis jetzt galt das Wassergeflügel als Reservoir und Ausbrüche bei Wirtschaftsgeflügel waren selten. Neu an der jetzigen Situation ist die Anpassung des Erregers an Hühner und damit verbunden die rasche Ausbreitung in Hühnerbeständen, was sehr drastisch durchgeführte Bekämpfungsmaßnahmen zur Folge hat.

Inwieweit der Mensch durch eine Mutation des Erregers oder eine Verbindung mit dem menschlichen Grippevirus gefährdet sein kann, wird derzeit in verschiedensten Aspekten in den Medien diskutiert. Für unsere Papageien, Sittiche und Finkenvögel (Kanarienvogel, Beo ...) besteht derzeit keine Gefahr, da ein Kontakt mit dem Erreger unter normalen Umständen nicht gegeben ist. Inwieweit eine Gefahr für Psittaciden in diesen Ländern besteht, beziehungsweise für Tiere, die aus den Ländern, welche Probleme mit Vogelgrippe haben (SO-Asien, Indonesien), importiert werden, ist derzeit nicht sicher zu sagen, da ohne weiteres eine Anpassung des Erregers auch an eben diese Spezies erfolgen könnte. Da aber zumindest offiziell derzeit nichts aus diesen Ländern importiert wird, können wir davon ausgehen, dass auch in dieser Hinsicht keine Gefahr droht.

Pflanzliche Futtermittel, die als Bestandteil von Körnermischungen für Papageien und Sittiche aus diesen Ländern importiert werden, sollten auch keine Infektionsquelle für unsere Ziervögel darstellen. Abschließend bleibt nur zu hoffen, dass die seuchenpolizeilichen Schritte in Asien greifen und es zu keiner Übertragung der Erkrankung an europäisches Geflügel kommt. Inwieweit in einem solchen Fall auch unsere Ziervögel durch insbesondere seuchenpolizeiliche Maßnahmen gefährdet sein könnten, bleibt abzuwarten.

Mag. Claudia Hochleithner
Dr. Manfred Hochleithner
Tierklinik Strebersdorf

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