Neues Microarray zur Diagnostik von Ornithose

(22.08.2006) Klinische Diagnostik mit Mikrotechnologie weltweit erstmals praxistauglich im Einsatz - FLI entwickelte zusammen mit der Firma CLONDIAG (Jena) einen Microarray zur Erregerdiagnostik

Anlass für die Entwicklung war der Ausbruch der Ornithose ("Papageienkrankheit") im Mai und Juni 2005 bei Nutzgeflügel in Nordthüringen und Sachsen-Anhalt. Bei Ornithose handelt es sich um eine Zoonose.

Das bedeutet, dass der Erreger Chlamydophila psittaci vom Tier auch auf den Menschen übertragbar ist. Es infizierten sich 2005 in den betroffenen Tierbeständen zahlreiche Personen, davon 7 so schwer, dass sie stationär behandelt werden mussten. Um diese Erkrankung schnell und effektiv zu bekämpfen, ist eine rasche und sehr exakte Diagnosestellung unverzichtbar.

Im Friedrich-Loeffler-Institut ist es gelungen, zusammen mit der Firma CLONDIAG chip technologies einen diagnostischen Test zu entwickeln, der deutlich schneller und wesentlich genauer ist, als die bisherigen konventionellen Methoden.

Bei dem Test handelt es sich um einen so genannten Microarray, das ist ein Microchip von ca. 3x3mm Größe. Auf diesem Microchip sind alle Informationen zur Identifizierung verschiedener Chlamydienstämme als kurze Nukleinsäurestränge, sogenannte Sonden, vorhanden. Benötigte man mit konventionellen Methoden (ELISA, Anzüchtung des Erregers) ca. 2-5 Tage für die Diagnostik, liegt heute das Ergebnis innerhalb von etwa 8 Stunden vor und ist außerdem wesentlich genauer.

"Jetzt ist es sehr viel schneller möglich, den Ausgangspunkt der Infektion aufzuspüren, eine Ausbreitung der Krankheit zu verhindern und die Erkrankung bei Mensch und Tier rasch zu bekämpfen", sagte Dr. Konrad Sachse, verantwortlicher Wissenschaftler für dieses Projekt und Leiter des nationalen Referenzlabors für Chlamydien im Friedrich-Loeffler-Institut.

Für den Einsatz des Microarray wird die DNA aus der klinischen Probe gewonnen, vervielfältigt und markiert. Wenn die Probe im Microarray mit einer Sonde reagiert, kommt es zu einer messbaren Farbreaktion, die eine sofortige Aussage erlaubt, um welchen Erreger es sich handelt. Damit wird diese Technologie weltweit erstmals praxistauglich eingesetzt. Es zeichnet sich schon jetzt ab, dass aus der Humanmedizin großes Interesse besteht, diese Technologie auch für andere Erkrankungen einzusetzen, z.B. bei chronischen Atemwegserkrankungen.

CLONDIAG ist ein Technologieunternehmen aus Jena, das neuartige diagnostische Tests und Verfahren auf der Grundlage unternehmenseigener Technologien entwickelt. Das Unternehmen beschäftigt 60 Mitarbeiter und wurde 1998 gegründet.

Seit März 2006 ist es Teil von Inverness Medical Innovations (Waltham, Mass, USA), des weltweit führenden Anbieters von diagnostischen Schnelltests. Das Friedrich-Loeffler-Institut als Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit konnte zusammen mit diesem Partner seine Forschungsergebnisse unmittelbar und zeitnah in die Praxis überführen.

www.clondiag.com