Wenn der Schnabel heil bleibt: Legehennen mit Maissilage beschäftigen

(10.12.2014) In der konventionellen Haltung von Legehennen werden routinemäßig die Schnabelspitzen der Küken gekürzt, um die Verletzungsgefahr zu verringern. Das Land Niedersachsen will auf das Schnabelstutzen ab Januar 2017 verzichten.

Die Facharbeitsgruppe Legehennen des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums hat Empfehlungen zur Verhinderung des Auftretens von Federpicken und Kannibalismus erarbeitet, die in elf Pilotbetrieben in Niedersachen an Herden mit intakten Schnäbeln getestet werden.  

Beim Federpicken zerstören Hennen Gefiederpartien anderer Tiere durch Bepicken. Wenn die Schnabelspitze fehlt, ist es für die Tiere weniger leicht, die Artgenossen zu verletzen und an ihnen zu fressen.

Wenn der Schnabel heil bleibt, müssen die Haltungsbedingungen optimal und stressfrei sein. Die Aufzucht der Junghennen, die Futterzusammensetzung, klimatische Bedingungen im Stall, Lichtverhältnisse und die angebotenen Beschäftigungsmaterialien sind nur einige Faktoren, die das Verhalten der Herde beeinflussen können.  

Vor allem in großen Betrieben ist die ausreichende Beschäftigung der Tiere nicht einfach. Ideen kommen aus dem Ausland: In einem Bio-Betrieb in Dänemark verstreuen an Schienen geführte Einstreuautomaten im überdachten Auslauf Maissilage.

Ein Landwirt aus dem Emsland bringt Silage, Weizen und Strohgranulat über ein Rohrsystem in den Scharrbereich.

Weitere Möglichkeiten wären das Einbringen der Silage über eine Futterverteilschaufel oder kleine handliche Wickelballen, die über Seilzugsysteme platziert werden.

Nicht nur Maissilage, sondern auch andere rohfaserreiche Beschäftigungsmaterialien können verwendet werden: Ganzpflanzensilage, kurzes Weidegras, Möhren oder Kartoffeln.  

Die Hennen laufen zügig dahin und beschäftigen sich damit. Vermutlich werden zunächst die hochverdaulichen Körner herausgepickt, gleichzeitig scharren die Tiere und bewegen das Einstreumaterial.

Das minimiert das Risiko für Verhaltensstörungen. Es ist sinnvoll, die Tiere bereits im Junghennenalter an diese Art der Fütterung zu gewöhnen.  

Skeptiker befürchten, dass die Maissilage Mischfutter verdrängt und die Tiere mit essentiellen Aminosäuren und Energie unterversorgt wären.

Dieser Effekt sei aber vergleichsweise gering, vermuten die Fachleute der Arbeitsgruppe. Sie betonen weiterhin, dass sich der Säureeffekt des Maises positiv auf die Darmflora der Tiere auswirkt.

Heike Kreutz, aid.de



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