Hunde sind mögliche Quelle für Strongyloidose beim Menschen

(21.08.2017) Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Entwicklungsbiologie in Tübingen verglichen mittels molekularbiologischer Analysen ob Menschen und Hunde in Kambodscha mit der selben Spezies des Zwergfadenwurms Strongyloides stercoralis infiziert sind oder ob es sich um getrennte wirtsspezifische Populationen handelt.

Die von den Fadenwürmern ausgelöste Infektion steht auf der WHO-Liste der vernachlässigten tropischen Krankheiten. Die Ergebnisse der Untersuchung werden nun in der Zeitschrift „PLOS Neglected Diseases“ veröffentlicht.


Vorderende einer infektiösen Strongyloides-Larve (Raster-EM-Aufnahme))
Es ist ein altbekanntes Klischee, dass sich Hunde und ihre Besitzer verblüffend häufig ähneln. Abgesehen von Äußerlichkeiten - ganz sicher teilen sich Menschen und Hunde ihre Parasiten. Und auch diese sind sich mitunter so ähnlich, dass sie nur durch genetische Analysen unterschieden werden können.

Diese genetische Unterscheidung nahm nun eine Forschergruppe des Max-Planck-Instituts für Entwicklungsbiologie für einen Menschen und Hunde befallenden Zwerfadenwurm vor.

Strongyloidose – eine vernachlässigte Krankheit

Der Zwerfadenwurm Strongyloides stercoralis befällt sowohl Menschen als auch Tiere. Er kommt vor allem in feuchtwarmen Regionen der Erde vor, wobei davon ausgegangen wird, dass etwa 300 Mio Menschen mit Zwergfadenwürmern infiziert sind.

Die von dem Zwerfadenwurm ausgelöste Strongyloidasis zählt, als über den Boden übertragene Wurminfektionen (soil-transmitted helminths, STH), gemäß WHO zu den vernachlässigten Tropenkrankheiten (Neglected Tropical Diseases/NTDs).

Vor allem für Menschen mit einem geschwächten Abwehrsystem, beispielsweise nach einer Organtransplantation oder an Immunsystemerkrankungen leidenden Patienten, ist ein Befall durch Strongyloides gefährlich. Ihre Bekämpfung darf daher nicht vernachlässigt werden

Menschen und ihre Hunde – eine Partnerschaft mit Nebenwirkungen

Das enge Zusammenleben von Menschen und Hunden in den ländlichen Gegenden von Kambodia in Kombination mit dem hohen Strongyloides-Vorkommen eignet sich sehr gut, um herauszufinden, ob die in den Hunden vorkommenden Zwergfadenwürmer genetisch identisch sind mit denen ihrer Besitzer.

Siyu Zhou und Tegen G. Jaleta aus der Abteilung für Evolutionsbiologie am MPI für Entwicklungsbiologie isolierten in Zusammenarbeit mit Kollegen vom Schweizerischen Tropen- und Public Health Institut in Basel und vom kambodschanischen Gesundheitsministerium Würmer aus Hundekot und menschlichen Stuhlproben und verglichen die gefundenen Exemplare anhand nuklearer und mitochondrialer DNA auf Sequenz-Polymorphismen.

Sie fanden in den Hunden zwei Wurm-Populationen, die genetisch klar voneinander getrennt sind. Die größere der beiden Populationen kommt ausschließlich in Hunden vor. Die zweite gefundene Strongyloides-Population war genetisch identisch zu den in Menschen gefundenen Exemplaren.

Ohne Wissen keine effektive Bekämpfung

Hintergrund ihrer Arbeit ist die bisher offen Frage ob die Infektion mit Strongyloides spec. als Zoonose einzustufen ist oder ob die Infektion von Menschen und Hunden getrennt voneinander betrachtet werden muss.

Die Ergebnisse der aktuellen StudiBildschirmfoto 2017-07-18 um 09.20.07e zeigen, dass aufgrund der überlappenden Populationen Hunde als Reservoir und somit Ansteckungsherd für menschliche Strongyloides-Infektionen in Betracht gezogen werden müssen. Dieses Wissen ist für die Bekämpfung der Strongyloides-Infektionen bei Menschen wichtig.

Publikation

Jaleta TG, Zhou S, Bemm FM, Schär F, Khieu V, Muth S, et al. (2017) Different but overlapping populations of Strongyloides stercoralis in dogs and humans—Dogs as a possible source for zoonotic strongyloidiasis. PLoS Negl Trop Dis 11(8): e0005752



Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Die Erstautorin Dr. Carola Petersen sammelte die Schnecken unter anderem in diesem riesigen Komposthaufen; Bildquelle: Carola Petersen, Hinrich Schulenburg

Fadenwürmer reisen in Schnecken

Winzige Fadenwürmer zum Beispiel der Art Caenorhabditis elegans nutzen bei der Nahrungssuche Nacktschnecken und andere Wirbellose als Transportmittel
Weiterlesen

Das Pilzgift dockt an spezifische Zuckerstrukturen auf der Oberfläche von Darmzellen des Fadenwurms C. elegans an. Dort, wo sich das Gift anreichert, leuchten die Oberflächenstrukturen hell rot; Bildquelle: Alex Butschi / Universität Zürich)

Pilzgift könnte Basis für eine Impfung von Nutz- oder Haustieren gegen parasitische Fadenwürmer werden

Forscher der ETH Zürich isolierten aus einem Wurzelpilz der Fichte ein Protein, das Fadenwürmer bekämpft. Die Wissenschaftler hoffen, dass solche Gifte die Basis für eine Impfung von Nutz- oder Haustieren gegen parasitische Fadenwürmer werden
Weiterlesen

Fischleber mit Anisakis-Befall; Bildquelle: H. Möller

Erstes Verbreitungsmodell von Fadenwürmern der Großgruppe Anisakidae

Jährlich werden rund 20.000 Menschen von Fadenwürmern der Großgruppe Anisakidae befallen und leiden infolgedessen unter Magen-Darm-Erkrankungen bis hin zu schweren allergischen Reaktionen
Weiterlesen

Genes & Development

Krebsforschung lernt von Fadenwürmern

Forscher der Universität Zürich (UZH) konnten am Beispiel eines Fadenwurms aufzeigen, wie ein menschliches Tumor-Suppressorgen funktioniert. Die Beschreibung dieses Gens ist in der Online-Ausgabe der Wissenschaftszeitschrift Genes & Development publiziert und erscheint in der Juni-Printausgabe
Weiterlesen

Aktiv im Fadenwurm-Embryo

Dresdner Zellbiologen charakterisieren die Gene, die für die ersten Zellteilungen bei C. elegans verantwortlich sind. Die Gene, die beim Embryo des Fadenwurms C. elegans die ersten Zyklen der Zellteilung steuern, hat jetzt ein Team des Max-Planck-Instituts für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden und der Biotech-Firma Cenix BioScience GmbH, einer Ausgründung des Instituts, charakterisiert. Insgesamt konnten die Zellbiologen 661 der etwas mehr als 19.000 Gene identifizieren, die für die ersten Zellteilungen des Modellorganismus verantwortlich sind
Weiterlesen

Aktiv im Fadenwurm-Embryo

Dresdner Zellbiologen charakterisieren die Gene, die für die ersten Zellteilungen bei C. elegans verantwortlich sind. Die Gene, die beim Embryo des Fadenwurms C. elegans die ersten Zyklen der Zellteilung steuern, hat jetzt ein Team des Max-Planck-Instituts für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden und der Biotech-Firma Cenix BioScience GmbH, einer Ausgründung des Instituts, charakterisiert. Insgesamt konnten die Zellbiologen 661 der etwas mehr als 19.000 Gene identifizieren, die für die ersten Zellteilungen des Modellorganismus verantwortlich sind
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen