Neues Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie

(07.05.2019) Schwerpunkt des neuen Instituts ist die Erforschung kollektiven Verhaltens und Bewegungen von Tieren

Für die Max-Planck-Gesellschaft ist die Verhaltensforschung in Zeiten rasanten technologischen Fortschritts ein zukunftsträchtiges Forschungsfeld. Der Standort des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Radolfzell und Konstanz wird deshalb ein eigenständiges Institut.

Schwerpunkte des neuen Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie werden die Erforschung von kollektivem Tierverhalten und -bewegungen sein. Das Institut wird von international renommierten Verhaltensforschern geführt: Zu den beiden bereits bestehenden Abteilungen von Martin Wikelski und Iain Couzin kommt Margaret Crofoot von der University of California in Davis als dritte Direktorin hinzu.


Die Erforschung von kollektivem Verhalten ist der Schwerpunkt des neuen Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie.

Das neue Institut ist Teil eines weltweit führenden fächerübergreifenden Forschungsverbundes in Konstanz, der das Gruppenverhalten unterschiedlicher Tierarten mithilfe modernster Technologien erforscht.

Im November 2018 stimmte der Senat der Max-Planck-Gesellschaft der Verselbständigung des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Radolfzell und Konstanz zu. Nun hat auch die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz grünes Licht dafür gegeben, das Institut in die gemeinsame Förderung aufzunehmen. Das neue Institut wird in Konstanz angesiedelt sein.

Die wissenschaftliche Arbeit am neuen Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie wird so unterschiedliche Tiergruppen wie Heuschrecken, Fische, Flughunde, Paviane und Vögel umfassen. Martin Wikelski, bislang Direktor am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell, erforscht Tierwanderungen rund um den Globus. Sein Kollege Iain Couzin analysiert das Schwarmverhalten von Tieren.

Margaret Crofoot wird neue Direktorin

Das neue Institut wird seinen Fokus mit der Berufung von Margaret Crofoot zur Direktorin weiter ausbauen. Die US-amerikanische Wissenschaftlerin hat von 2008 bis 2013 als Postdoktorandin am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell gearbeitet und das Gruppenverhalten von Affen untersucht.

Anschließend hat sie am Smithsonian Tropical Research Institute, Panama geforscht und ist heute Professorin an der Universität von Kalifornien. Auch nach ihrer Zeit in Radolfzell hat sie mit den beiden Direktoren in verschiedenen Forschungsprojekten zusammengearbeitet und ist zudem Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Icarus-Projekts von Martin Wikelski.

Margaret Crofoot untersucht die Entstehung komplexer Gesellschaften am Beispiel des Gruppenverhaltens von Affen. Sie interessiert sich besonders dafür, wie aus den Kontakten und Beziehungen zwischen Individuen das Kollektivverhalten einer Gruppe hervorgeht.

So hat die Forscherin zusammen mit Iain Couzin untersucht, wie Paviangruppen die Entscheidung darüber treffen, welchen Weg sie einschlagen sollen. „Unsere wissenschaftlichen Schwerpunkte ergänzen sich gut und wir werden sehr voneinander profitieren. Die künftige Zusammenarbeit verspricht somit faszinierende neue Einblicke in das Gruppenverhalten von Tieren“, sagt Couzin.

Fachübergreifender Forschungsverbund

Alle drei Direktoren haben eine Professur an der Universität Konstanz inne und sind maßgeblich am Forschungskolleg Kollektives Verhalten beteiligt, dem neuen Exzellenzcluster der Universität. Herzstück des Clusters ist das Centre for Visual Computing of Collectives, eine fächerübergreifende Forschungseinrichtung zur Analyse von Verhaltensdaten.

„Die Erforschung von Tierverhalten und -bewegungen kann nur gelingen, wenn Wissenschaftler unterschiedlichster Fachrichtungen miteinander zusammenarbeiten. Der Standort Konstanz bietet dafür mit der Universität und ihrem interdisziplinären Exzellenzcluster ideale Voraussetzungen“, sagt Martin Wikelski.

Die Erforschung von kollektiven Verhaltens- und Bewegungsmustern von Tieren gilt als besonders zukunftsträchtiges Forschungsgebiet. Modernste Technologien helfen Forschern und Forscherinnen dabei, das Verhalten von Tieren in der freien Natur oder im Labor zu untersuchen.

So können sie dank miniaturisierter Messgeräte am Körper der Tiere und Empfangsantennen im Weltraum mittlerweile selbst die Bewegungen kleiner Tierarten nahezu rund um die Uhr und an jedem Ort der Erde verfolgen.

Die komplexen Bewegungsmuster in Tierschwärmen wiederum lassen sich nur mit modernen Computerprogrammen zur Bild- und Bewegungserkennung analysieren.

Das Max-Planck-Institut für Ornithologie ist 1997 aus dem früheren Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie in Seewiesen und der dazugehörigen Vogelwarte Radolfzell hervorgegangen. Zunächst als Max-Planck-Forschungsstelle gegründet erhielt diese 2004 den Status eines aus zwei Teilinstituten bestehenden Max-Planck-Instituts mit Standorten in Seewiesen bei Starnberg und Radolfzell.




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