Wie löst man durch Mykotoxine verursachte Probleme bei Milchkühen?

(15.08.2008) Von Inês Rodrigues, Produktexpertin bei BIOMIN

Editorial

Aufgrund ungünstiger Wetterbedingungen während der Futterproduktion und des wachsenden globalen  Handels, hat sich das Risiko einer Kontamination mit Mykotoxinen im Futter verschärft.

Es ist  weitgehend bekannt, dass Milchkühe weniger empfindlich gegenüber Mykotoxinen sind als z.B. Schweine. Trotzdem verursachen Mykotoxine großen wirtschaftlichen Schaden in Milchviehbetrieben.

Diese wirtschaftlichen Verluste sind meist durch die Zunahme der herkömmlich verbreiteten Probleme in der Milchviehwirtschaft bedingt, weniger durch eindeutige klinische Symptome.

Verringerte Milchproduktion, erhöhter somatischer Zellgehalt, vermehrtes Auftreten von Mastitis, erhöhte stoffwechselbedingte Probleme (Ketose, Fettleber-Syndrom), Fortpflanzungsstörungen (Plazentaretention, Metritis, unregelmäßige Brunst, Embryonaltod) und reduzierte Futteraufnahme sind die häufigsten Auswirkungen.

Daher bleiben die durch Mykotoxinen verursachten wirtschaftlichen Verluste oft unbemerkt.

Im Allgemeinen sind Transit-Kühe (Kühe in der Vorbereitungszeit und in der maximalen Laktationsleistung - ca. 60 - 80 Tage nach der Abkalbung), gestresste und kranke Tiere verstärkt von Mykotoxinen betroffen.

Fütterungsversuche unter realen Produktionsbedingungen werden durchgeführt, um die Auswirkungen von Mykotoxinen auf die Leistung und Gesundheit von Milchkühen zu evaluieren. Für Feldversuche werden Herden eingesetzt, die schon Mykotoxinkontaminiertes Futter verzehrt haben.

Dadurch bietet sich die Möglichkeit reale Situationen darzustellen und zuverlässige Ergebnisse zu liefern. Für diese Studien wird nur natürlich kontaminiertes Futter verwendet, welches üblicherweise eine Mischung an unterschiedlichen Mykotoxinen enthält.

Dadurch zeigen sich meist stärkere Effekte (additiv oder synergistisch) als bei den Studien an einzelnen Mykotoxinen. Abhängig von der Zielsetzung, werden Feldversuche meist über einen längeren Zeitraum durchgeführt. Dies ist sehr wichtig, da sich viele Effekte erst Wochen bis Monate nach dem Einsatz von mit Mykotoxinen kontaminiertem Futter zeigen und messen lassen.

Der folgende Feldversuch wurde in Frankreich über einen Zeitraum von fast einem Jahr durchgeführt. Die Futterrationen waren durchschnittlich mit 1025 ppb Typ B Trichothecene sowie 120 ppb Zearalenon kontaminiert. Das Ziel des Versuches war, den Einfluss von Mycofix® Plus auf die Leistung sowie Gesundheit der Milchkühe, die mit natürlich Mykotoxin-kontaminiertem Futter gefüttert wurden, zu überprüfen.

Die Ergebnisse zeigen, dass durch den Einsatz von Mycofix® Plus in der Mischration der Milchkühe, die Gesundheit und Leistung, insbesondere die Fortpflanzung deutlich verbessert wurden.

Einleitung

Die Annahme, dass Wiederkäuer weniger empfindlich als Monogastrier gegenüber Mykotoxinen sind, ist weit verbreitet. Dennoch weisen viele wissenschaftliche Publikationen auf den negativen Einfluss dieser gefährlichen Substanzen auf Gesundheit, Fortpflanzung und Produktionsparameter von Milchkühen hin.

Einige Mykotoxine (hauptsächlich Trichothecene) können bis zu einem gewissen Grad von Pansenmikroorganismen abgebaut werden. Hochleistungsmilchkühe bekommen meist hochkonzentriertes Kraftfutter und haben eine hohe Aufnahme an Trockenmasse.

Dies reduziert den pH-Wert im Pansen und erhöht die Passagerate durch den Verdauungstrakt. Dadurch wird die Zeit, die den Pansenmikroben zur Mykotoxinentgiftung zur Verfügung steht, verkürzt.

Fortpflanzungsleistung und Milchertrag stehen in Beziehung zu einander. Daher sind ein normaler Laktationszyklus sowie eine stabile Milchproduktion wichtig für den wirtschaftlichen Erfolg von Milchbetrieben.

Zearalenon wirkt sich negativ auf die Fortpflanzungseffektivität aus und Trichothecene beeinflussen nachhaltig Pansenmikroorganismen, reduzieren die Futteraufnahme und –effektivität sowie die Milchproduktion.

Wie die Ergebnisse des folgenden Versuches zeigen, gibt es effektive Methoden um Mykotoxine und deren gesundheitliche und leistungsdepressive Schadwirkungen im Stoffwechsel zu bekämpfen.

Wie löst man durch Mykotoxine verursachte Probleme bei Milchkühen?

Das Ziel dieses Versuches war es, den Effekt von Mycofix® Plus auf Leistungs- und Gesundheitsparameter von Milchkühen, die mit natürlich Mykotoxin-kontaminiertem Futter gefüttert wurden, zu bewerten.

In einer Milchkuhherde in Frankreich wurden unterschiedliche Probleme wie reduzierte Fortpflanzungsleistung und schlechter gesundheitlicher Zustand festgestellt.

Dies führte zu einer Mykotoxinanalyse im Futter. Die Probleme in der Herde vor Versuchsbeginn bestanden in häufigem Auftreten von Durchfall bei Kälbern, verminderter Futteraufnahme, schlechter Fruchtbarkeit und erhöhtem Embryonaltod, vermehrtem Vorkommen von Mastitis, erhöhtem somatischem Zellgehalt der Milch und reduzierter Milchproduktion.

Die Mykotoxinanalysen wurden in einem zertifizierten Labor durchgeführt und zeigte folgende Ergebnisse (Tabelle 1):


Tabelle 1: Ergebnisse der Mykotoxinanalysen


Versuchsaufbau

Der Versuch wurde mit 50 Holsteiner Milchkühen durchgeführt mit einer durchschnittlichen Produktion von 9000 kg Milch/Tier/Jahr. Die Kühe wurden mit einer gemischten Ration (TMR) mit einem Anteil von 50% Mais in der TMR gefüttert.

Mycofix® Plus wurde mit 25 g/Kuh/Tag zur Unterstützung des TMR an die ganze Herde gefüttert. Der Versuch wurde am 1. Mai 2006 gestartet und dauerte 10 Monate.

Ergebnisse

Die erzielten Ergebnisse nach der Einmischung von Mycofix® Plus in das Futter wurden mit den Resultaten der vorherigen Monate verglichen.

Folgende Parameter wurden gemessen:

1. Auftreten von Mastitis (Abbildung 1)
2. Somatischer Zellgehalt in der Milch (Abbildung 2)
3. Futteraufnahme (Tabelle 2)
4. Fortpflanzungsleistung (Tabellen 3 und 4)

Einige Monate vor der Verwendung von Mycofix® Plus waren ungefähr 20 Kühe von Mastitis betroffen. Mit dem Beginn des Einsatzes von Mycofix® Plus im Mai 2006, war die Häufigkeit von Mastitis umgehend reduziert.


Abbildung 1: Auftreten von Mastitis aufgelistet pro Monat



Abbildung 2: Somatischer Zellgehalt in der Milch

Der somatische Zellgehalt (Abbildung 2) war vor dem Zusatz von Mycofix® Plus sehr hoch und spiegelte das verstärkte Problem von Mastitis bei den Kühen wieder. Der Anstieg im Januar 2007 ist auf ein Problem mit dem geschützten Eiweiß im Futter zurückzuführen.



Tabelle 2:Ddurchschnittliche Futteraufnahme je Tier und Tag




Tabelle 3: Fortpflanzungsparameter (Anzahl von künstlichen Befruchtungen (KB))


Durch die Verwendung vom Mycofix® Plus konnte die Anzahl an künstlichen Befruchtungen je erfolgreicher Trächtigkeit von durchschnittlich 3,4 auf 1,9 reduziert werden (Tabelle 3). Die hohe Prozentzahl an 3. künstlichen Befruchtungen wies auf eine verminderte Konzeptionsrate hin. Die erfolgreichen 1. Befruchtungen erhöhten sich von 9% vor dem Beginn der Anwendung von Mycofix® Plus, auf 43% im Herbst – Winter 2006. Dies zeigte eine deutliche Verbesserung der Fortpflanzungsfähigkeit. Parallel dazu haben sich die Anzahl der Zysten vermindert und die Brunst wurde regelmäßiger.

Die Anzahl der Tiere die nach der Besamung nicht wieder in die Brunst kamen, stieg von 29 auf 49% und wies somit auf einen erhöhten Erfolg der Befruchtung und folglich eine verbesserte Konzeptionsrate hin (Information nicht in der Tabelle dargestellt).



Tabelle 4: Kostenentwicklung bei der Tiergesundheit



Vor der Verwendung von Mycofix® Plus beliefen sich die Behandlungskosten auf 3,605 €, wobei die Hauptkosten durch die antibiotische Behandlung von Mastitis entstanden. Aufgrund des Rückganges von Mastitis durch die Zugabe von Mycofix® Plus konnten insgesamt 1.892,79 € eingespart werden (Tabelle 4).


Abbildung 3: Jährliche Milchverluste verursacht durch Mastitis

Die Abbildung 3 zeigt den Profitverlust verursacht durch verworfene Milch aufgrund eines überaus hohen somatischen Zellgehalts. Ein Fall von Mastitis verursacht insgesamt 6 Tage unbrauchbare Milch. Ohne die Verwendung von Mycofix® Plus verlor diese Farm aufgrund eines verstärkten Aufkommens an Mastitis 5.376 €/Jahr. Mit dem Einsatz von Mycofix® Plus und der daraus resultierenden reduzierten Fälle an Mastitis sowie unbrauchbarer Milch konnte der Profit um 4.840 € erhöht werden.


Tabelle 5: Wirtschaftliche Kalkulationen pro Jahr

Tabelle 5 weist darauf hin, dass eine Investition von ungefähr 500 kg Mycofix® Plus pro Jahr die Mehreinnahmen um fast 9.000 € steigern konnte.

Schlussfolgerungen

Wie die Ergebnisse zeigen, konnte durch den Zusatz von Mycofix® Plus zum Mykotoxin-kontaminiertem Futter der Gesundheitszustand sowie Fortpflanzungs- und Leistungsparameter der Kühe verbessert werden. Der Zusatz von 25 g/Kuh/Tag von Mycofix® Plus zu der Ration wirkte gegen die negativen Effekte von 1025 ppb Typ B Trichothecene und 120 ppb Zearalenon.

Die häufigen Mastitiden, der erhöhte somatische Zellgehalt, verminderte Futteraufnahme, schlechte Fruchtbarkeitsrate und teure Behandlungskosten wurden verbessert. Folglich konnte festgestellt werden, dass die Fütterung von Mycofix® Plus wirksam und gewinnbringend ist.

Durch die wirtschaftliche Kalkulation konnte sehr einfach bestimmt werden, dass sich die jährliche Investition von Mycofix® Plus durch die erzielten Mehreinnahmen definitiv auszahlt.

www.biomin.net


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