Chips in der Pferdezucht: weniger Erbkrankheiten durch clevere Strategie

(31.03.2014) Die sogenannten "Chips" sind bei Pferdezüchtern und -händlern eine gefürchtete Erscheinung. Spätestens bei der Ankaufsuntersuchung junger oder älterer Pferde kann die Entdeckung von frei beweglichen Knorpelteilen, beispielsweise in Gelenken, fatale Folgen haben: Entweder mindern sie den Verkaufspreis erheblich oder der Verkauf platzt gleich ganz.

Lahmheiten oder sogar gänzliche Unbrauchbarkeit können die Folgen sein. Ein Zusammenschluss europäischer Forschergruppen hat sich deshalb im Rahmen des HORSEGENE-Projektes zum Ziel gesetzt, genetische Marker zu finden, um die Zuchtstrategien im Hinblick auf die Verbesserung der Pferdegesundheit zu optimieren.

Denn selbst wenn die Teilchen häufig operativ entfernbar sind, bedeutet dies zumindest Kosten, welche die Verkaufsmarge mindert und die Gefahr von Komplikationen birgt. 

Die dazugehörige vererbliche Störung heißt Osteochondrose. Die Umwandlung von Knorpel zu Knochen erfolgt in der Wachstumsphase nicht rasch genug, sodass sich beispielsweise im Gelenkbereich statt Knochen eine dicke Knorpelschicht bildet.

Durch dieses Phänomen werden die tiefer liegenden Knorpelschichten ungenügend ernährt und können degenerieren. Knorpelstücke können sich lösen, frei im Gelenk schwimmen und im ungünstigsten Fall Lahmheiten durch Schmerzen auslösen. 

Neben dieser Ursache für eine mögliche dauernde Unbrauchbarkeit von Pferden für den Sport sind noch weitere verbreitete Krankheitserscheinungen im Fokus der Wissenschaftler: die Überempfindlichkeit gegen Insektenstiche sowie das chronisch fortschreitende Lymphödem, bei dem betroffene Pferde unter einer Schwellung der unteren Gliedmaßen, häufig bis hin zu schweren Bewegungsbehinderungen, leiden. Die Art der Vererbung dieser Erkrankungen ist sehr komplex. 

Der züchterische Fortschritt konventioneller Zuchtmethoden ist aber häufig begrenzt. Die Forschungsergebnisse könnten deshalb in Zukunft helfen, mithilfe der gesuchten Markergene die Zucht zu unterstützen, um bereits bei der Wahl der Zuchtstrategie solche erblichen Erkrankungen zu vermeiden und damit den wirtschaftlichen Schaden zu minimieren.

Züchter und Pferdebesitzer könnten von solchen Strategien in Zukunft profitieren, indem sie Behandlungskosten einsparen und Wertminderungen sowie die Unbrauchbarkeit  von Freizeit- oder Sportpferden zu verhindern helfen.

Friederike Heidenhof, aid.de



Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Przewalskipferd; Bildquelle: A. Ludwig / Leibniz-IZW

Die männliche Seite der Pferdedomestikation

Weltweit gibt es gegenwärtig etwa 60 Millionen Pferde – 12 Millionen Hengste und 48 Millionen Stuten. Nahezu alle heute lebenden Hengste stammen von einem Hengst ab
Weiterlesen

Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V. (FN)

Wie geht es weiter mit dem Landgestüt Dillenburg?

Die Diskussion über die drohende Schließung des Landgestüts Dillenburg hat in dieser Tage neue Fahrt aufgenommen. Am 18. Juli 2017 traf die hessische Umweltministerin Priska Hinz mit Dillenburgs Bürgermeister Michael Lotz
Weiterlesen

Erkrankungen der neugeborenen Fohlens rechtzeitig erkennen

Erkrankungen der neugeborenen Fohlens rechtzeitig erkennen

Fohlen sind in den ersten Stunden und Tagen nach der Geburt recht anfällig für Infektionen. Daher ist es besonders wichtig, dass das neugeborene Fohlen optimal versorgt wird
Weiterlesen

Fast alle modernen, europäischen Hengste haben einen orientalischen Stammvater; Bildquelle: Spanische Hofreitschule

Orientalische Vorfahren:Genetischer Stammbaum europäischer Zuchthengste entschlüsselt

Männliche Tiere vererben ihr Y-Chromosom beinahe unverändert an ihre Söhne weiter. Das ermöglicht die Rekonstruktion der männlichen Abstammungslinie
Weiterlesen

Live-Webinar für Pferdezüchter

Live-Webinar: Erkrankungen der neugeborenen Fohlens rechtzeitig erkennen

Fohlen sind in den ersten Stunden und Tagen nach der Geburt recht anfällig für Infektionen. Daher ist es besonders wichtig, dass das neugeborene Fohlen optimal versorgt wird
Weiterlesen

Live-Webinar für Pferdezüchter

Live-Webinar für Pferdezüchter mit dem Reproduktionsexperten Prof. Dr. Axel Wehrend

Fohlen sind in den ersten Stunden und Tagen nach der Geburt recht anfällig für Infektionen. Daher ist es besonders wichtig, dass das neugeborene Fohlen optimal versorgt wird
Weiterlesen

Die vier Reiter der Apokalypse. Werk: Beato de Fernando I Doña Sancha, datiert auf 1047 n. Chr. (Apoc. VI, 1–8f. 135; shelf 14-2 National Bibliothek, Madrid; Bildquelle: By Français : Facundus, pour Ferdinand Ier de Castille et Leon et la reine Sancha (Real Biblioteca de San Lorenzo) [Public domain], via Wikimedia Commons

Vom Pferd der Könige zum Überbringer der Pest: die Fellfarben unserer Pferde im historischen Kontext

Menschliche Vorlieben hinsichtlich der Fellfärbung bei Pferden haben sich über die Zeit und die Kulturen sehr verändert. Gefleckte und helle Pferde waren vom Beginn der Domestikation bis zur Römerzeit häufig, wohingegen einfarbige, nichtgescheckte Pferde im Mittelalter dominierten
Weiterlesen

agroscope

Passt die Stute, gibt der Hengst mehr Spermien ab

Manchmal können Tiere andere gut riechen, manchmal aber auch nicht. Hierfür können die sogenannten „MHC-Gene“ eine Rolle spielen
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen