v.l. sitzend: Susan Müller, Pro Juventute, Mag. Roswitha Zink, Tiergarten Schönbrunn und Verena Bittmann, Verein e.motion; v.l. stehend: Univ.Prof. Dr. Josef Troxler, Univ.Prof. Mag. Dr. Kurt Kotrschal, Helga Widder, em.Univ.Prof. Dr. Dr. h.c.mult. Jose
Fachtagung "Kinder brauchen Tiere" von Pro Juventute

(12.04.2006) Das Interesse war überwältigend! Knapp 100 Teilnehmer erlebten am 5. April im Rathaus in Laa/Thaya die Fachtagung "Kinder brauchen Tiere" von Pro Juventute.

Die Besucher bekamen hochinteressante Einblicke und Ausblicke zum Thema von international anerkannten Experten aus den verschiedenen Bereichen der tiergestützten Pädagogik.

Die Ehrengäste Landesrätin Christa Kranzl und Landesrätin Dr. Petra Bohuslav sowie Bürgermeister Ing. Manfred Fass zeigten sich in ihren Reden absolut überzeugt von der tiergestützten Pädagogik! Ehrengast und Präsident der Pro Juventute, KommR Fritz Peham, in seiner Rede: "Ich unterstützte die tiergestützte Pädagogik mit meinem Herzblut." Neben der "WeGe mit Tieren", einer sozialpädagogischen Wohngemeinschaft von Pro Juventute in Laa/Thaya, in der acht Kinder und Jugendliche vom Miteinander Tier und Mensch profitieren, soll eine weitere Einrichtung dieser Art in der Steiermark entstehen. Wissenschaftliche Untersuchungen dokumentieren die positiven Auswirkungen im Zusammenleben mit Tieren auf Wohlbefinden, persönliche Entwicklung und Lebensqualität. Pro Juventute setzt diese Erkenntnisse mit ihrem Bereich "tiergestützte Pädagogik" um.

Höchstinteressante Ausführungen zum Thema "Kinder brauchen Tiere" lieferte Univ.Prof. Mag. Dr. Kurt Kotrschal, Leiter der Konrad Lorenz Forschungsstelle für Ethologie: "Erfahrungen aus Studien belegen, dass Kinder, die mit Hunden groß wurden, sich zu verantwortlicheren, emphatischeren und daher sozial kompetenteren Erwachsenen entwickelt haben." Eine weitere Studie an einem Kindergarten habe ergeben, dass sozial gut vernetzte Kinder häufiger den Kontakt zu den im Kindergarten gehaltenen Kaninchen suchten. Kurt Kotrschal forscht seit Jahren an hormonalen, kognitiven und energetischen Aspekten sozialer Organisation und zunehmend auch an der Mensch-Tierbeziehung.

Auf den Aspekt der tierschutzrechtlichen Bestimmungen wies Univ. Prof. Dr. Josef Troxler vom Institut für Tierhaltung und Tierschutz an der Veterinärmedizinischen Universität in Wien hin. "Es ist wichtig, züchterische und tierärztliche Maßnahmen zu bewerten, wie weit sie dem Tier helfen oder tierquälerische Eingriffe darstellen. Tiere in ihrem Einsatz als Begleittiere und in der tiergestützten Therapie dürfen nicht überfordert werden."

In der Liste der namhaften Vortragenden fand man auch em.Univ.Prof. Dr. Dr.h.c.mult. Josef Leibetseder von der Veterinärmedizinischen Universität in Wien, der den Ehrenschutz für die Fachtagung übernommen hat. Er ist Obmann des Vereins "Tiere als Therapie" (kurz "TAT"). Aufgaben des Vereins sind die wissenschaftliche Forschung auf dem Gebiet der tiergestützten Therapie und deren Etablierung als anerkannte Therapieform.

Einen Überblick über Entstehung und Entwicklung der tiergestützten Therapie im allgemeinen und im speziellen in Österreich verschaffte Helga Widder vom Verein TAT (Tiere als Therapie).

Umfassende Informationen aus den speziellen Bereichen "Therapie mit Pferden" von Verena Bittman, stv. Geschäftsführerin des Vereins e.motion und "Tiergestützte Pädagogik mit Kleintieren" von Mag. Marianne Hahsler von der Vienna Business School vervollständigten die überaus interessante und informative Fachtagung!

"Wer Tiere beobachtet, sie versucht zu verstehen, braucht ein gutes Maß an Einfühlung und Mitgefühl. Dieser Zugewinn hilft uns Menschen, "Andere" in ihrer Einzigartigkeit zu erkennen und zu respektieren, besonders für Kinder ein wichtiger Schritt, zufrieden 'Teil des großen Ganzen' in der Welt zu sein!"

Diese Aussage von Mag. Roswitha Zink vom Tiergarten Schönbrunn, Teil der hochkarätigen Experten-Runde zum Thema tiergestützte Pädagogik, ist bezeichnend für die Inhalte und Aussagen der Fachtagung!

Susan Müller, die Leiterin des Bereichs "tiergestützte Pädagogik" bei Pro Juventute: "Die Veranstaltung war ein Riesenerfolg! Die tolle Stimmung und die ausgezeichneten Vorträge boten einen guten Rahmen für ein Austauschen und Vernetzten - die Teilnehmer und vor allem wir, als Pro Juventute, haben von den professionellen Inhalten, Einblicken und Ausblicken dieser Fachtagung viel lernen können! Diese Erfahrungen sind sehr wichtig für unsere weitere Arbeit im Bereich der tiergestützten Pädagogik!" Einblicke in die bisherige Arbeit in der WeGe mit Tieren von Pro Juventute in Laa/Thaya bot der eindrucksvolle Film "Wege mit Tieren - Impressionen der WeGe Laa/Thaya", der beim Publikum großen Anklang fand!

Bereich tiergestützte Pädagogik der Pro Juventute

Pro Juventute bietet seit fast sechzig Jahren als privater Träger der Jugendwohlfahrt Betreuung und Beratung für Kinder und Familien in nahezu allen Bundesländern in Österreich an. Neben dem traditionellen Familienersatz und der Familienergänzung ist es Ziel, innovative, bedarfsorientierte Angebote zu setzen. Vor diesem Hintergrund ist das Engagement der Pro Juventute im tiergestützten Bereich zu sehen.

Hamster, Kaninchen und Fische bereichern den Alltag der Kinder und Jugendlichen und föerdern sie auf emotionaler, kognitiver und motorischer Ebene. Sie regen Phantasie und Erlebnisfähigkeit an, gleichzeitig fordern sie auf, aktiv zu werden, Initiative zu ergreifen und Verantwortung zu tragen. Erlebnispädagogisch orientierte Projekte mit Therapiehunden- und Pferden werden regelmäßig angeboten. Alle Tiere werden gezielt und methodisch zur Unterstützung der pädagogischen Arbeit eingesetzt.

Mit dem Pilotprojekt bietet Pro Juventute sozial benachteiligten und traumatisierten Kindern und Jugendlichen einen bewussten, verantwortungsvollen Umgang mit Tieren und Natur.

Mehr Informationen unter www.projuventute.at oder www.tiergestuetzte-paedagogik.at

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