Universität Bielefeld: Tagung zu Grenzziehungen zwischen Mensch, Tier und Maschine im Lichte des medizinischen Fortschritts

(30.05.2010) „Jenseits des Menschen“ lautet der Titel einer Tagung, die unter Leitung der Rechtswissenschaftler Professor Dr. Jan C. Joerden (Frankfurt/Oder) und Professor Dr. Eric Hilgendorf (Würzburg) sowie des Philosophen Dr. Felix Thiele (Philosophie, Bad Neuenahr-Ahrweiler) am 11. und 12. Juni am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld stattfindet.

In ihrem Mittelpunkt stehen Fragen, die im Zuge einer (möglich werdenden) Neuordnung der Grenzen zwischen Mensch, Natur und Technik aufkommen. Wie kann es einer Forschungsethik gelingen, den Widerstreit zwischen Würdeschutz und Forschungsfreiheit zu schlichten und das Verschwimmen der Grenze zwischen dem Menschengemachten und dem Naturgewachsenen angemessen zu thematisieren?

Die Überschreitung der Gattungsgrenze des Menschen durch die Vermischung von menschlichem und tierischem Zellmaterial sowie Interventionen in Keimzellen oder Embryonen, etwa zum Zweck des so genannten Enhancement (Verbesserung), aber auch die Entwicklung von Mensch-Maschine-Schnittstellen, werfen die Frage nach einem neuen Menschenbild und nach einem ausreichenden Schutz der Menschenwürde auf.

Dem ethischen und rechtlichen Status von Embryonen kommt bei den Überlegungen zum Schutz der Menschenwürde auch im Bereich einer gentechnischen "Weiterentwicklung" des Menschen insofern eine zentrale Rolle zu, als die Pflicht zu einer menschenwürdigen Behandlung nur begründet werden kann, wenn dem Objekt der jeweiligen Forschung überhaupt ein personaler Status zugesprochen wird. Verbieten es unsere Vorstellungen von Menschenbild und Menschenwürde, uns über die Prävention schwerer Erbkrankheiten hinaus gentechnisch zu „verbessern“?

Veranstaltet wird die Konferenz von der Forschungsgruppe „Herausforderungen für Menschenbild und Menschenwürde durch neuere Entwicklungen der Medizintechnik“, die derzeit am ZiF unter der Leitung der Tagungsveranstalter arbeitet. Die Tagung schließt an die bisheri-gen Diskussionen und Überlegungen der Forschungsgruppe an, insbesondere zum Personen-status im Zuge neuerer gentechnischer Entwicklungen zum Beispiel im Kontext der Stammzel-lenforschung und der Präimplantationsdiagnostik.

Dabei stellt sich wieder die Frage, was es bedeutet, eine Person zu sein, welche Grenzziehungen für eine solche Zuschreibung erforderlich sind und wie sich eine Aufweichung der hier maßgeblichen Grenzen auf das moralische Selbstverständnis des Menschen auswirken könnte.

Solche Aufweichungen zeigen sich sowohl in den besagten Technologien einer Entwicklung von Mensch-Tier-Wesen (Chimären und Hybride) oder von Mensch-Maschine-Wesen wie auch in Bestrebungen zur „Optimierung“ der menschlichen Gattung durch neuere medizintechnische Technologien.

Tagungszeiten:
11. Juni, 9 bis 19 Uhr
12. Juni, 9 bis 13.30 Uhr

Weitere Informationen im Internet:
www.uni-bielefeld.de/ZIF/AG/2010/06-11-Joerden.html

 


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