Neues Forschungsprojekt zu Mensch-Tier-Beziehungen im Ruhrgebiet

(22.08.2017) Tiere als Objekte in den Museen des Ruhrgebiets. Zur Repräsentation von Tieren und Mensch-Tier-Beziehungen von der Vormoderne bis zur Gegenwart

"Die Taube ist das Rennpferd des kleinen Mannes." So beschrieb der Filmemacher Adolf Winkelmann die Liebe der "Ruhris" zu ihren Brieftauben. Doch nicht nur die Tauben, auch Kaninchen oder das Rennpferd hatten lange und haben bis heute einen hohen Stellenwert in bestimmten Milieus des Ruhrgebiets.

Ein neues Verbundprojekt von KWI, Ruhr Museum und Uni Köln befasst sich nun mit diesem bislang weitgehend unerforschten Teil der Geschichte des Ruhrgebiets.

Es soll Erkenntnisse über den Stellenwert von Tieren in den sich wandelnden Lebenswelten einer Region liefern, die sich im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts von einer zunächst agrarisch geprägten Landschaft zu einer modernen Industrieregion entwickelt hat und seit dem Niedergang der Montan- und Schwerindustrie ab den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts vor den Herausforderungen eines tiefgreifenden gesellschaftlichen Strukturwandels steht.

Dabei stehen die Auswirkungen dieser Entwicklungen auf das Verhältnis zwischen Menschen und Tieren im Fokus des Projektes.

Themenschwerpunkte sind u. a. die Praktiken der Tiernutzung in Transport und Verkehr, in Landwirtschaft und Bergbau, aber auch das tierbezogene Vereinswesen, das sich um Sporttiere wie Brieftauben, um Pferde- und Hunderennen sowie um das verzweigte Ausstellungs- und Messewesen der Kleintierzuchtverbände herum entwickelt hat.

Tiere fungierten dabei als wichtige Medien der Interkulturalität und der sozialen Integration in der Migrationsgeschichte des Ruhrgebiets.

Teil des Projekts ist eine Ausstellung im Essener Ruhr Museum, die im Frühjahr 2019 eröffnet werden soll. Darüber hinaus findet im März 2018 die Tagung „Brauchen die Kulturwissenschaften einen Animal Turn? – Theoretische Grundlagen und konzeptionelle Probleme der Human-Animal-Studies“ am KWI statt.


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