Wie Tier und Mikroben gemeinsam (über)leben

(30.07.2018) Die Mikrobiologin Jillian Petersen von der Universität Wien erhält einen mit rund 1,5 Millionen Euro dotierten ERC Starting Grant.

Jillian Petersen untersucht, wie verschiedene Organismen zu beiderseitigem Nutzen zusammenleben. Praktisch jedes Tier – auch der Mensch – lebt in sogenannter Symbiose mit Bakterien, die unsere Gesundheit, den Stoffwechsel und die Evolution maßgeblich positiv beeinflussen.


Mikrobiologin Jillian Petersen

Das ERC Starting Grant Projekt hat zum Ziel, bisher unerforschten, aber fundamentalen Prozessen von Symbiosen auf den Grund zu gehen. Petersen hat dazu in ihrem Labor ein einzigartiges Modell-System etabliert, in dem marine Mondmuscheln bestimmte Bakterien in ihren Kiemen beherbergen, die die Muscheln wiederum mit Nährstoffen versorgen.

Diese Symbiose existiert seit hunderten Millionen Jahren und ist eine der ältesten in der Natur bekannten. Dies ermöglichte es den Mondmuscheln sich in allen Meeren weltweit, von Mangroven bis zur Tiefsee, zu verbreiten und sich dank der Bakterien an unterschiedlichste Umweltbedingungen anzupassen. Ein besseres, grundlegendes Verständnis der Funktion und Evolution von Symbiosen ist essentiell, um "gute" Bakterien in zukünftige Technologien und Therapien für medizinische Zwecke einzusetzen.

Jillian Petersen wurde in Brisbane, Australien, geboren. Nach dem Mikrobiologie-Grundstudium an der University of Queensland hat sie 2009 am Max-Planck-Institut in Bremen, Deutschland, promoviert.

Nach einem Postdoktorat am MPI Bremen startete sie 2015 ihre eigene, WWTF-geförderte Arbeitsgruppe an der Universität Wien. Sie ist Assistenz-Professorin im Department für Mikrobiologie und Ökosystemforschung.

In ihrer Forschung untersucht sie Tier-Mikroben-Interaktionen in der Tiefsee und ökonomisch wichtigen Ökosystemen in Küsten weltweit. Ihr Ziel ist es besser zu verstehen, wie sich Tier und Bakterien in der Evolution gemeinsam entwickelt haben und in einer komplexen Umwelt zueinander finden.


Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Ganze Gemeinschaften von Mikroorganismen aus der Sahara fanden die Forscher im Schnee und Eis der Alpen; Bildquelle: Fondazione Edmund Mach

Gesundheitsrisiko für Tiere: Saharastaub bringt komplette Mikroben-Gemeinschaften aus fernen Ländern

Bei extremen Wettereignissen können großen Mengen von Saharastaub in den Norden verfrachtet werden. Dass dieser Sand nicht unbelebt ist, zeigt eine aktuelle Studie im Fachmagazin Microbiome
Weiterlesen