Gartenkürbis ist die Arzneipflanze des Jahres 2005

(13.01.2005) Der Gartenkürbis ist ein Paradebeispiel für eine Arzneipflanze, die nicht nur in der Naturheilkunde oder bei alternativen Methoden eingesetzt wird, sondern auch in der Schulmedizin. Aus diesem Grund wurde er vom "Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde" an der Uni Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres 2005 gekürt.

In der Küche wird der auch als Arzneikürbis bezeichnete Gartenkürbis (Cucurbita pepo) zu Suppe, Eintopf oder Gratin verarbeitet. Eine Spielart dieser Pflanze, der Ölkürbis, wächst in der Steiermark: Seine Samen haben fast keine Schale, lassen sich darum leichter pressen und liefern das geschätzte Kürbiskernöl.

Bereits diesem Speiseöl wird ein positiver Einfluss bei Blasenproblemen nachgesagt. "Tatsächlich werden schalenfreie Kürbissamen und daraus hergestellte Produkte als pflanzliche Arzneimittel gegen Blasen- und Prostata-Probleme verwendet", sagt der Medizinhistoriker Ralf Windhaber vom Würzburger Studienkreis.

Das Einsatzgebiet betrifft die Vergrößerung der Prostata, in der Medizin "Benigne Prostatahyperplasie", im Volksmund "schwache Blase" genannt.

Die Prostata drückt dann direkt unterhalb der Blase auf die Harnröhre. Die Betroffenen spüren vermehrten Harndrang, aber ihr Urinstrahl ist schwach oder unterbrochen.

Es kommt außerdem zu einem Nachträufeln des Harns; die Blase entleert sich nicht mehr vollständig.

Diese Krankheit wird in drei Schweregrade unterteilt. Für die Stadien I und II mildert eine Therapie mit Kürbissamen die Symptome und führt zu einer subjektiven Besserung der Beschwerden.

In Deutschland haben rund vier Millionen Männer Probleme beim Wasserlassen. Zu einer gutartigen Vergrößerung der Prostata kommt es besonders häufig nach dem 60. Lebensjahr.

Der Arzneikürbis stammt aus Mittel- und Südamerika. Die Europäer mussten erst die Neue Welt entdecken, um dieser heilkräftigen Pflanze hier eine zweite Heimat zu geben.

Wenn also die heute so beliebten Halloween-Feste auf "uralte" irisch-keltische Riten zurückgeführt werden, so kann der Gartenkürbis damals noch nicht als Maske hergehalten haben.

"Vermutlich dienten seinerzeit geschnitzte Rüben als unheimliche Gesichter", so Windhaber. Auch die in der Bibelübersetzung von Martin Luther erwähnten Kürbisse seien nicht Vertreter der Gattung Cucurbita, sondern Arten der in Afrika und Asien beheimateten Kalebassen oder Flaschenkürbisse.

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