Bedrohung für Heilpflanzen durch die Naturmedizin

(07.12.2004) Milliardengeschäft mit Mauerblümchen - WWF fordert stärkere Handelskontrollen für Heilpflanzen.


Hoodia-Kaktus (Hoodia gordonii)
Auf der Konferenz zum Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES in Bangkok setzt sich die Umweltorganisation für den Schutz von Eiben der Gattung Taxus ein. Diese liefern einen Wirkstoff zur Krebsbekämpfung.

"Die Weltöffentlichkeit und die Regierungsvertreter konzentrieren sich auf den internationalen Handel mit charismatischen Arten wie Elefanten oder Haie. Dabei werden die katastrophalen Folgen des blühenden Milliardengeschäftes mit den weniger spektakulären Heilpflanzen noch immer unterschätzt.

Häufig gefährdet der enorme Bedarf für Medizin, Kosmetika oder Tees die Bestände dieser Mauerblümchen des Artenschutzes", erklärt WWF-Artenschützer Volker Homes. Im vergangenen Jahr gingen allein in Deutschlands Apotheken pflanzliche Heilmittel im Wert von zwei Milliarden Euro über die Ladentheke.

Etwa 4.000 Heilpflanzenarten sind laut Experten der Weltnaturschutzunion IUCN bereits gefährdet. Neben Lebensraumverlust zählt der unregulierte internationale Handel zu den größten Bedrohungen.

Bisher unterliegen erst knapp 300 Heilpflanzenarten den Handelskontrollen des CITES-Abkommens. Den Löwenanteil machen 220 Orchideenarten aus. "Die rücksichtslose Ausbeutung wertvoller Heilpflanzen nützt dem Geldbeutel der Pharmakonzerne.

Die Verlierer sind die Menschen und die Natur. Medizin und Artenschutz müssen Hand in Hand gehen. CITES ist ein wichtiges Instrument, um die nachhaltige Nutzung von Heilpflanzen sicherzustellen", betont Homes.

Ein Opfer der medizinischen Nutzung sind die asiatischen Eibenarten: Aus ihren Extrakten wird das Krebsmittel Paclitaxel gewonnen - der weltweit am meisten gehandelte Wirkstoff gegen Krebs.

Um die nötige Menge für eine einzige Behandlung zu gewinnen, müssen etwa acht Eiben gefällt werden. Prognosen zeigen, dass der Bedarf in den nächsten zwanzig Jahren auf bis zu einer Million Bäume pro Jahr ansteigen könnte.

Schon heute leiden die nur langsam wachsenden Taxus-Arten an ihrer Übernutzung. Bisher genießt nur die Himalaya-Eibe den Schutz des CITES-Abkommens. China und die USA beantragen in Bangkok Handelskontrollen für weitere Eibenarten und verbesserte Schutzbestimmungen. Der WWF unterstützt diese Anträge.

Ebenso begrüßt der WWF die Initiative Botswanas, Namibias und Südafrikas, den Handel mit der als Appetitzügler vermarkteten Hoodia-Pflanze zu reglementieren. Hoodia wächst in der Kalahari-Wüste im südlichen Afrika.

Ein Pharmakonzern bereitet die groß angelegte Nutzung der Bestände vor. "Die CITES-Konferenz muss rechtzeitig die Notbremse ziehen. Ohne Handelskontrollen droht der Hoodia-Pflanze durch die bevorstehende industrielle Ausbeutung ein schnelles Ende", fürchtet Homes.

www.wwf.de

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