Wie ist es möglich, dass die Spezies Hund so massive Größenunterschiede aufweist?

(07.04.2007) DNA-Studie liefert Erklärungen für unterschiedliche Grösse von Hunderassen: Wissenschaftler identifizieren erstmals ein spezifisches Einzel-Gen bei allen kleinen Hunden

Vom kleinsten Chihuahua bis zur größten Deutschen Dogge: Hunde unterscheiden sich enorm in ihrer Größe, viel mehr als die meisten anderen Tierarten. Wissenschaftler haben nun eine genetische Grundlage für diese Diversität entdeckt.

Eine neue Studie, die in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science veröffentlicht wird, enthüllt ein Marker-Gen, das darüber entscheidet, ob Hunde groß oder klein sind, und so zur Beantwortung einer brennenden Frage der Genetik beiträgt: Wie ist es möglich, dass die Spezies Hund so massive Größenunterschiede aufweist?

"Diese Studie ist ein bedeutender Meilenstein in der Hundegenetik. Ermöglicht wurde sie durch die Unterstützung tausender Hundebesitzer aus aller Welt. Gemeinsam mit einem Team führender internationaler Forscher haben wir das Haupt-Gen, das Zwergrassen bei Hunden hervorbringt, exakt lokalisiert," sagt Ko-Autor Dr. Paul G. Jones, Genforscher bei Mars, einem weltweit führenden Unternehmen im Bereich der Haustierpflege, das sich seit mehreren Jahren auch mit Genforschung bei Hunden beschäftigt.

Nachdem Menschen und Wölfe ungefähr 400.000 Jahre nebeneinander existiert hatten, wurden Hunde erst vor über 15.000 Jahren als eine der ersten Tierarten domestiziert. Und obwohl alle Hunde von Wölfen abstammen, die sich in Größe und Aussehen annähernd gleichen, unterscheiden sich heutige Hunderassen in einer Vielzahl von Merkmalen, einschließlich der Größe. Der genetische Ursprung dieser Vielfalt verblüfft Forscher, die zu erklären versuchen, wie und warum der Größenunterschied zwischen Hunderassen in so kurzer Zeit aufgetreten ist.

Man nimmt nun an, dass eine Veränderung jenes Gens, das in der veröffentlichten Arbeit beschrieben wird, vor mehreren tausend Jahren zur Herausbildung kleiner Hunde geführt hat. Wahrscheinlich haben die Menschen die Vorteile kleinerer Hunde bald erkannt, zum Beispiel um Lebensmittelvorräte vor Schädlingen zu schützen oder Niederwild zu fangen. Das hat die Bindung zwischen Menschen und Hunden weiter verstärkt und zur steigenden Beliebtheit von kleineren Hunden als Begleitern geführt.

Das Team internationaler Forscher - von Wissenschaftlern des amerikanischen National Human Genome Research Institute über Cornell und andere führende Universitäten in den U.S.A. bis zu Forschern von Mars in Großbritannien - hat 3.200 DNA-Proben von Hunden verwendet, die von Mars, Incorporated zur Verfügung gestellt wurden.

Mars verfügt über die weltweit umfangreichste Hundegenetik-Datenbank. Aufgebaut wurde sie mit Hilfe von Hundebesitzern, die bereit waren, Speichel- und Blutproben ihrer Tiere für die Datenbank zur Verfügung zu stellen. Die umfangreichen Gen-Daten von Mars ermöglichten es, bei der Studie die Lücke zwischen Zwerg- und Riesenrassen zu füllen und die Abdeckung der gesamten Bandbreite der unterschiedlichen Rassegrößen, die es heute gibt, zu gewährleisten.

"Diese Erkenntnisse sind aber nur die Spitze des Eisbergs der Hundegenetik", sagte Jones. "Wir sind auf dem besten Weg, zusätzliche Gene zu identifizieren, die uns wertvolle Einblicke in unsere Haustiere ermöglichen werden."

Da das Genom des Hundes nun vollständig entschlüsselt ist, eröffnet sich den Wissenschaftlern eine Fülle potenzieller Einsatzmöglichkeiten für DNA-basierenden Informationen über den besten Freund des Menschen.

"Die Möglichkeit, ein einzelnes Marker-Gen so rasch und effektiv zu isolieren, hat enorme Auswirkungen auf die Zukunft," sagte Jones. "Anwendungen dieser innovativen Methode könnten zur Förderung der Gesundheit von Haustieren verwendet werden. So werden etwa individualisierte Vorsorgepläne für Hunde, die für bestimmte Krankheiten besonders anfällig sind, Hundebesitzern und Tierärzten helfen, die Gesundheit dieser Tiere zu erhalten.

Auch könnten genetische Informationen über Größe und Verhaltensmerkmale ¬- wie Trainierbarkeit und Temperament - Tierärzte dabei unterstützen, das für den Lebensstil des jeweiligen Besitzers am besten geeignete Haustier zu finden."

Mars wird sein Engagement im Bereich der Genforschung bei Hunden mit laufenden Untersuchungen zum besseren Verständnis des Aufbaus der Hunde-DNA fortsetzen, um damit einen Beitrag zur verbesserten Lebensqualität von Hunden und Tierhaltern zu leisten.

Quelle:
Sutter NB, et al. A single IGFI allele is a major determinant of
small size in dogs. Science. 6. April 2007.

Über Mars Veterinary(TM)

Mars Veterinary ist der neueste Geschäftszweig von MARS(R) Incorporated, einem Unternehmen, das für innovative Verbraucher- und Tiernahrungsmarken bekannt ist, denen Menschen auf der ganzen Welt vertrauen. Mars Veterinary entwickelt ausgefeilte Gentests, die es Tierhaltern, Veterinärmedizinern und Pflegeanbietern ermöglichen, Einblicke in den genetischen Aufbau eines Hundes zu gewinnen. Das Unternehmen erreicht damit neue Grenzen in der Genforschung bei Hunden und entdeckt wichtige Marker-Gene, die bei der Identifizierung von Mischrassen, Veranlagungen für bestimmte Krankheiten und Faktoren für Körper- und Verhaltensmerkmale helfen werden.

Mit der Erforschung von Hunde-Genen ist Mars Veterinary bestrebt, die individualisierte Tierpflege zu revolutionieren, indem die Bindung zwischen Menschen und ihren Hunden gestärkt wird.

Weiterführende Informationen unter www.marsveterinary.com


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