Forschungsprojekt "Strat-E-Ger": Fleischqualität und Tierschutz verbinden

(14.08.2012) Das Forschungsprojekt „Strategien zur Vermeidung von Geruchsabweichungen bei der Mast unkastrierter männlicher Schweine (Strat-E-Ger)“ wird vom Institut für Tierwissenschaften der Universität Bonn koordiniert.

Projektpartner sind Schlachtunternehmen, Besamungsstationen und ein Biotechnologieunternehmen. Koordiniert wird das Forschungsvorhaben durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) als Projektträger.

Ziel ist die Vermeidung von Beeinträchtigungen des Geruchs und Geschmacks von Eberfleisch. In den kommenden drei Jahren sollen neue Technologien und Lösungsansätze erforscht werden, die die Vermarktung von Schweinefleisch ohne unangenehmen Ebergeruch sicherstellen.

Noch ist die Ferkelkastration die verbreitete Methode, um die Entwicklung von Ebergeruch zu verhindern. Mit der Novelle des Tierschutzgesetztes will die Bundesregierung jedoch bis zum Jahr 2017 aus der betäubungslosen Ferkelkastration aussteigen. Eine geeignete Alternative ist die Ebermast.

Das Forschungsprojekt soll eine breite Akzeptanz dieser Methode herbeiführen.

„Mit dem Projekt leisten wir einen effektiven Beitrag zum Tierschutz und sichern die Schweinefleischqualität. Das geplante Vorhaben hat das Potenzial, wichtige Bausteine für einen praktikablen Weg zum kompletten Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration zu liefern.

Ziel ist die Sicherstellung, dass kein geruchsbelastetes Fleisch in den Handel gelangt.

Eine erfolgreiche Umsetzung des Projekts würde wesentlich dazu beitragen, die Akzeptanz und Wettbewerbsfähigkeit der Ebermast in Deutschland zu erhöhen und das Verbrauchervertrauen zu sichern“, sagte Peter Bleser, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundeslandwirtschaftsministerin, am 13.8.2012 bei der Überreichung der Zuwendungsbescheide und der Projektpräsentation in Bonn.

„Darüber hinaus könnte auch der Wegfall der unangenehmen und zeitaufwendigen Kastration zu einer enormen Arbeitserleichterung in den landwirtschaftlichen Betrieben führen“, so Bleser.

Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz unterstützt das dreijährige Verbundvorhaben aus dem Programm zur Innovationsförderung mit rund 1,1 Millionen Euro; das Gesamtvolumen beträgt rund 1,7 Millionen Euro. Das Projekt ist Teil der Strategie zur Verbesserung des Tierschutzes in Deutschland.

In den Jahren 2013 bis 2016 sollen zusätzlich 21 Millionen Euro für Modell- und Demonstrationsvorhaben zum Tierschutz bereitgestellt werden. Die Bundesregierung hat dies im Regierungsentwurf zum Haushalt 2013 und in der mittelfristigen Finanzplanung bis 2016 so veranschlagt.

Das Verfahren der betäubungslosen chirurgischen Kastration ist ein Auslaufmodell. Es verursacht bei den betroffenen Tieren Schmerzen und sollte aus Tierschutzgründen beendet werden. Daher sieht der Vorschlag der Bundesregierung zur Änderung des Tierschutzgesetzes einen Ausstieg aus der betäubungslosen Kastration bis 2017 vor.

Auch die Europäische Kommission hat im Jahr 2010 das Ziel des vollständigen Verzichts auf die Kastration zum 1. Januar 2018 gemeinsam mit den Vertretern von Landwirtschaft, Einzelhandel, Forschung, Tierärzten und Tierschutz vereinbart.

Bereits im Jahr 2008 hatte die deutsche Wirtschaft in ihrer „Düsseldorfer Erklärung“ das Ziel formuliert, baldmöglichst auf die Kastration von Ferkeln verzichten zu können.

Eine geeignete Alternative zur Ferkelkastration stellt die Ebermast dar. Das Problem: Die Substanzen Androstenon und Skatol können im Fleisch von unkastrierten Ebern einen Geruch und Geschmack verursachen, der von einigen Verbrauchern als störend wahrgenommen wird. Um mögliche Geruchs- und Geschmacksbeeinträchtigungen beim Schweinefleisch zu verhindern, verfolgt das Verbundprojekt zwei Lösungsansätze:

Einerseits sollen mit einer neuartigen Zuchtmethode und einer Analyse des Erbmaterials diejenigen Tiere identifiziert werden, die eine hohe Skatol- und Androstenonkonzentration im Fleisch aufweisen. Mit Hilfe dieser so genannten „Genomischen Selektion“ können dann nur diejenigen Tiere zur Zucht verwendet oder verarbeitet werden, die eine DNA-Variante aufweisen, die keine Geruchs- oder Geschmacksbeeinträchtigungen hervorrufen.

Parallel dazu sollen auch die Verfahren der so genannten „humansensorischen Beurteilung“ von Geruchsabweichungen weiter erforscht, optimiert und einer Qualitätssicherung unterzogen werden. Dabei sollen Prüfer in die Lage versetzt werden, geruchsbelastetes Fleisch nach der Schlachtung zu identifizieren. Zudem soll ein Biomarker als Indikator entwickelt werden.

Es ist zu erwarten, dass sich die Ebermast nicht nur in Deutschland sondern auch in anderen europäischen Ländern zu einem Standardverfahren in der Schweineproduktion entwickelt.

Das Wissen über die genetischen Grundlagen des Merkmals Ebergeruch und die Ergebnisse der humansensorischen Erfassung sollen in die Zuchtprogramme der Zuchtverbände und Besamungsstationen und in die Betriebsabläufe der Schlachtunternehmen einfließen und somit ihre Wettbewerbsfähigkeit deutlich erhöhen.



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