Weidende Rinder beeinflussen die Artenvielfalt des Grünlandes maßgeblich

(22.09.2014) Das konnten Wissenschaftler der Universität Göttingen in einem Langzeitexperiment auf altem Dauergrünland nachweisen. Das Grünland in Mitteleuropa trägt wesentlich zur Biodiversität der Agrarlandschaften bei.

Diese Vielfalt ist jedoch nach wie vor in hohem Maße durch die Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung gefährdet. Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass die Intensität der Beweidung über den Nutzen für die Biodiversität entscheidet. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Journal of Applied Ecology erschienen.


Weidende Rinder beeinflussen die Artenvielfalt des Grünlandes maßgeblich

Das Grünland in Mitteleuropa ist Bestandteil der Kulturlandschaft und im Zuge Jahrhunderte langer landwirtschaftlicher Nutzung entstanden. Zum Grünland werden alle landwirtschaftlich genutzten Flächen gezählt, auf denen Gras und krautige Pflanzen wachsen. Es wird entweder durch Nutztiere beweidet oder durch Mähen beerntet.

Vielfach unklar ist die Rolle landwirtschaftlicher Weidetiere für Prozesse, die die Vielfalt sichern sowie fördern. Die Untersuchungen zeigen, dass Weidetiere bestimmte Muster der Vegetationsstruktur erzeugen, die den Lebensraum von vielen Insektenarten prägen.

„Eine große Heterogenität der Grasnarbenstruktur ist insbesondere für die Vielfalt von Heuschrecken wichtig. Aber auch Schmetterlinge profitieren vom Mosaik der Grasnarbenhöhen mit einem ausgeprägten Anteil höher wachsender Bereiche“, sagt Dr. Jana Sabrina Jerrentrup, Leiterin der Studie von der Abteilung Graslandwissenschaft.

Die Göttinger Forscherinnen und Forscher weisen darauf hin, dass diese Ergebnisse Bedeutung haben für das landwirtschaftliche Management von Grünland, das neben der Erzeugung von Milch und Fleisch auch zur Erhaltung wichtiger Ökosystemfunktionen des Grünlandes beiträgt. Die Studie wird auch in einem Videoclip vorgestellt:



Originalveröffentlichung: Jana Sabrina Jerrentrup et al. (2014) Grazing intensity affects insect diversity via sward structure and heterogeneity in a long term experiment. Journal of Applied Ecology 51: 968-977. DOI: 101111/1365-2664.12244, http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1365-2664.12244/full.



Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Produktionsorientierte Rinderrassen (hinten) und Hochlandrinder zeigen unterschiedliche Futtervorlieben.; Bildquelle: Agroscope

Die Kuh bestimmt mit, welches Kraut wächst

Angus oder Hochlandrind: Kuh ist nicht gleich Kuh, wenn es um die Vorlieben beim Fressen von verschiedenen Kraut-, Gras- und Straucharten geht
Weiterlesen

Weidemanagement

Effektives Weidemanagement mit GPS

Auf der Alm müssen Hirten regelmäßig kontrollieren, ob sich eine Kuh zu weit entfernt oder verlaufen hat. In Zukunft könnte ein GPS-Weidemanagementsystem die Arbeit erleichtern
Weiterlesen

Rind auf der Weide; Bildquelle: aid

Kluges Weidemanagement gegen Weideparasiten bei Rindern

Der Weidegang von Kühen und Rindern führt häufig zu Infektionen mit verschiedenen Endoparasiten wie Magen- oder Dünndarmwürmern
Weiterlesen

Wie viele Kühe pro Hektar Grünland? Einfluss auf Grasqualität untersucht

Wie viele Kühe pro Hektar Grünland? Einfluss auf Grasqualität untersucht

Weidegras ist das preiswerteste Raufutter. Da ist sich Fredy Schori von der Schweizer Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-Posieux sicher 
Weiterlesen