Rinderhaltung: Europäische Agrarwissenschaftler betreten Neuland in der Forschungskooperation SmartCow

(16.02.2018) Die Europäische Union hat das Gemeinschaftsprojekt SmartCow bewilligt, an dem Institute der Spitzenforschung aus sieben europäischen Ländern beteiligt sind, darunter das Leibniz-Institut für Nutztierbiologie Dummerstorf.

Neu ist, dass diese Forschungsstätten ihre experimentelle Infrastruktur und ihr Know-how zur Verfügung stellen. Naturwissenschaftler aus allen europäischen Ländern sowie Wirtschaftspartner können diese für ihre eigenen Forschungsaktivitäten nutzen.

Das Projekt mit einer Laufzeit von vier Jahren startet am 19. Februar 2018 im französischen Clermont-Ferrand. Frankreich koordiniert das mit 5 Millionen Euro geförderte Projekt federführend. Forschungsschwerpunkt ist der europäische Rindersektor.


Dummerstorfer Respirationskammern zur Messung des Energiehaushalts von Großtieren inklusive Analyse der Atemgase

„Topstandorte der Agrarforschung öffnen sich mit ihrer exzellenten Ausstattung für die internationale Wissenschaft. Die Auslastung der hochspezialisierten Infrastruktur wird verbessert und der Wissenstransfer optimiert.

Das ist der Ansatz des neuen Modells der Forschungsförderung und für unser Institut ist es ein großer Erfolg, als ein starker europäischer Partner in diesem neuen Kompetenznetzwerk zu agieren“, betonte der Vorstand des Leibniz-Institut für Nutztierbiologie Dummerstorf (FBN), Prof. Klaus Wimmers.

Durch die Abdeckung aller physiologisch relevanten Themen zur Vielfalt von Rinderrassen und Produktionssystemen bietet SmartCow akademischen und privaten Forschungseinrichtungen künftig einen Zugang zu elf großen Forschungseinrichtungen in sieben Ländern mit hochwertigen Dienstleistungen und Anlagen.

Diese werden benötigt, um innovative Lösungen für die effiziente und ethische Nutzung von Tier- und Futterressourcen zu entwickeln, die den Tierschutz und gesunde Tiere sowie eine nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit fördern.

Im Rahmen von SmartCow spielen hauptsächlich wissenschaftliche und technische Fragestellungen in der Tierernährung zur Nährstoffverwertung und Emissionsmessung, in der Genetik zur Verbesserung der Ressourceneffizienz sowie in der Ethologie zur automatischen Aufzeichnung von Verhaltensmerkmalen eine Rolle.

Attraktiv für Wissenschaftler und Forschungsinstitute

Mit dem EU-SmartCow-Projekt wird auf die immer weiter spezialisierte Nutztierforschung reagiert. „Es ist gar nicht mehr möglich, die Ausstattung für eine komplette Spitzenforschung an einem Standort vorzuhalten“, erklärte der Teilprojektleiter Privatdozent Dr. Björn Kuhla vom Institut für Ernährungsphysiologie am FBN.

„Zudem wachsen die Herausforderungen für eine nachhaltige Rinderproduktion, so dass die intensivere Vernetzung europäischer Forschungsinfrastrukturen einen folgerichtigen Schritt darstellt und unnötige Mehrfachförderung vermieden wird.“

Neben dem Institut für Ernährungsphysiologie sind auch Prof. Birger Puppe und Dr. Jan Langbein vom Institut für Verhaltensphysiologie an SmartCow beteiligt. Insgesamt erhält das Dummerstorfer Leibniz-Institut 400.000 Euro für die kommenden vier Jahre.

„Das Forschungsförderungsmodell ist sowohl für Wissenschaftler als auch für Forschungseinrichtungen von hohem Interesse“, unterstrich Kuhla. „Wissenschaftler können sich freier und entsprechend ihrer Ausrichtung in einem bestmöglichen Umfeld ihrer Wahl bewegen und die beteiligten Institute werden stärker ausgelastet und international bekannter.“

Das FBN bietet mit seiner modernen Experimentalanlage Rind, den Respirationskammern sowie neuesten Analysemethoden zur Messung von Methanemissionen und mehr als 25 Jahren Erfahrung in der Verhaltensforschung ideale Forschungsbedingungen. Erwartet werden in Dummerstorf somit insbesondere externe Forscher auf dem Gebiet der Rinderernährung, Stoffwechsel- und Verhaltensphysiologie.

Während in Deutschland vor allem die Laufstallhaltung von Holsteinkühen und die Silage-basierte Fütterung im Fokus stehen, ist es in Frankreich vorwiegend die dort verbreitete Limousin-Rasse und in Irland die Weidetierhaltung.

Über ein Koordinierungsbüro können sich Wissenschaftler aus allen EU-Ländern um Forschungsaufenthalte zu konkreten Fragen der Rinderproduktion in den SmartCow-Einrichtungen bewerben. In diesem Gremium vertritt Prof. Cornelia Metges vom Institut für Ernährungsphysiologie das FBN.

Die Kosten für Forschungsaufenthalte am FBN werden vom SmartCow-Projekt getragen. 180.000 Euro stehen dafür bis 2022 bereit.

Ein britischer Industriepartner ist für den Aufbau einer cloudbasierte Datenplattform verantwortlich, in der alle Netzwerkaktivitäten, vor allem bei der Tierhaltung und -messung, der Versuchsplanung, der Datenerfassung und -analyse standardisiert erfasst werden.

Die Ergebnisse sollen nicht nur den europäischen Wissenschaftlern zur Verfügung gestellt werden, sondern auch Agrarverbänden und der Wirtschaft, Naturschutzorganisationen und politischen Entscheidungsträgern.

Weitere Informationen zum SmartCow-Projekt!




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