Antikörper von Lamas sollen Therapie und Bildgebung bei Lymphdrüsenkrebs revolutionieren

(23.04.2013) Gegenwärtig erfolgt die Therapie und Diagnose von Lymphknotenkrebs hauptsächlich mithilfe konventioneller Antikörper. Diese sind jedoch aufgrund ihrer Größe nur eingeschränkt geeignet. Ein hohes Verbesserungspotenzial sehen Hamburger Wissenschaftler in der Verwendung von Antikörpern aus Lamas.

Diese Tiere verfügen neben den konventionellen Antikörpern auch über kleinere, sogenannte Schwere-Ketten-Antikörper. Daraus stellen die Experten mithilfe gentechnischer Methoden noch winzigere Partikel her und markieren damit Eiweiße auf der Oberfläche von Lymphomzellen.


Fluoreszenz-mikroskopische Aufnahme von Lymphomzellen, die mit Nanobodies markiert sind
Das Hamburger Forscherteam will die sogenannten Nanobodies nun für die Behandlung von Lymphdrüsenkrebs weiterentwickeln.

Für die Therapie von Lymphdrüsenkrebs (Lymphomen) stehen bisher neben der klassischen Chemotherapie zusätzlich Antikörper zur Verfügung, welche unter anderem gegen das Zelloberflächen-Protein CD38 gerichtet sind.

Diese Antikörper führen zum Schrumpfen der Tumoren, erreichen aber aufgrund ihrer Größe nur schwer das Tumorinnere. Dadurch können einzelne Tumorzellen mitunter überleben.

Dr. Peter Bannas aus der Klinik für Radiologie und Prof. Friedrich Koch-Nolte aus dem Institut für Immunologie am Universitätsklinikum Hamburg wollen gemeinsam überprüfen, ob sich durch den Einsatz der zehnmal kleineren Nanobodies gegen CD38 die Tumordurchdringung erhöht, und damit ein diagnostischer sowie therapeutischer Vorteil gegenüber den konventionellen Antikörpern erzielen lässt.

Friedrich Koch-Nolte konnte in Vorarbeiten demonstrieren, dass aus Lamas gewonnene Nanobodies sowohl im Reagenzglas als auch im Mausmodell nicht nur an spezifische Zelloberflächen-Proteine von Lymphom-Zellen binden, sondern gleichzeitig auch die Funktion der Zellen beeinflussen.

Peter Bannas gelang es, Lymphome in der Maus mithilfe Fluoreszenz-markierter Nanobodies und dem Einsatz der sogenannten Fluoreszenz-optischen Bildgebung nachzuweisen. Im Vergleich zu konventionellen Antikörpern erwies sich die Verwendung der Nanbodies als bis zu zehnmal effektiver.

Das Ziel des gemeinsamen Projektes der Hamburger Forscher ist die Weiterentwicklung der Nanobodies für den gleichzeitigen Einsatz bei Diagnostik und Therapie – als ein sogenanntes „Theranostics“.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit rund 130.000 Euro.

Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

www.wilhelm-sander-stiftung.de



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