EHEC, Salmonella & Co: Neue Methode hilft bei der Aufklärung von Krankheitsausbrüchen

(22.07.2014) BfR entwickelt gemeinsam mit Kooperationspartnern eine computer-gestützte Methode, die Verkaufszahlen analysiert, um verdächtige Lebensmittel schneller zu identifizieren

„Im Fall eines Krankheitsausbruchs, der durch Erreger wie EHEC, Campylobacter oder Salmonellen in Lebensmitteln ausgelöst wird, müssen die verunreinigten Lebensmittel schnellst möglich identifiziert werden, um die Anzahl der erkrankten Personen gering zu halten“, sagt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).

Das BfR hat in Zusammenarbeit mit dem IBM Almaden Research Center und der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health eine wahrscheinlichkeitsbasierte Methode entwickelt, die dazu beitragen kann, die Aufklärung von Krankheitsausbrüchen zu beschleunigen.

Durch den Vergleich der Verteilungsmuster einzelner Lebensmittel mit dem Verteilungsmuster der gemeldeten Krankheitsfälle lässt sich die Gruppe von Lebensmitteln eingrenzen, die als Ursache des Krankheitsausbruchs in Frage kommen.

Verglichen werden Daten über Verkaufsmengen und -orte von Lebensmitteln mit den Orten des Krankheitsausbruchs. Ist der Krankheitsausbruch auf ein einziges Lebensmittel zurückzuführen, lässt sich mit dieser Methode das Lebensmittel sehr effizient ermitteln. Voraussetzung ist, dass die entsprechenden produktbezogenen Verkaufsdaten vorliegen.

Das ist insbesondere bei abgepackten Lebensmitteln der Fall, die mit einer eindeutigen Produktnummer gekennzeichnet sind.

Angesichts komplexer und häufig internationaler Warenströme kann es unter Umständen lange dauern, die Ursache eines Krankheitsausbruchs herauszufinden. Vor diesem Hintergrund kann die neu entwickelte wahrscheinlichkeitsbasierte Methode dazu beitragen, verunreinigte Lebensmittel zu identifizieren und Krankheitsausbrüche schneller aufzuklären.

Der computergestützte Vergleich von Verteilungsmustern einzelner Lebensmittel mit dem Verteilungsmuster von Krankheitsfällen, die dem Ausbruch zugeordnet werden, ermöglicht die schnelle Eingrenzung auf die Gruppe von Lebensmitteln, die als Ursache des Ausbruchs in Frage kommt.

Zu den Verkaufsdaten gehören beispielsweise Informationen, welche Lebensmittel in welcher Menge an welchen Orten verkauft wurden. Grundannahme des Verfahrens ist, dass es in den meisten Fällen einen engen räumlichen Zusammenhang zwischen den Verkaufsorten und Verkaufsmengen von Lebensmitteln und dem Auftreten von Krankheitsfällen gibt.

Geeignet ist es daher insbesondere, wenn die Ausbruchsursache auf ein einziges Lebensmittel zurückzuführen ist und dieses ausschließlich von einem Hersteller produziert wird. Derzeit wird das Verfahren weiter entwickelt, so dass es zukünftig auch erfolgreich eingesetzt werden kann, wenn mehrere kontaminierte Lebensmittel die Ausbruchsursache darstellen. Das kann der Fall sein, wenn beispielsweise eine verunreinigte Zutat in verschiedenen Lebensmitteln enthalten ist.

Bei der Aufklärung von Krankheitsausbrüchen, die auf Lebensmittel zurückzuführen sind, kommt eine Vielzahl von Methoden zum Einsatz. Dazu gehören neben dem Nachweis des Krankheitserregers im Lebensmittel beispielsweise auch epidemiologische Methoden wie die Befragung von Patienten und die anschließende Rückverfolgung entlang der Lebensmittellieferketten.

Die wahrscheinlichkeitsbasierte Methode zur Identifizierung von  Lebensmitteln, die mit Krankheitserregern verunreinigt sein könnten, ist als ein zusätzliches Werkzeug zur Unterstützung der Ausbruchsaufklärung zu verstehen.

Getestet wurde die Methode an realen Lebensmittelverkaufsdaten aus Deutschland in Verbindung mit fiktiven, computergenerierten Ausbruchsszenarien. Eine detaillierte Beschreibung der Methode wurde kürzlich in der Zeitschrift PLOS Computational Biology veröffentlicht.

Der Artikel ist unter dem folgenden Link verfügbar: www.ncbi.nlm.nih.gov



Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

AGES

Kauartikel für Hunde sind oftmals mit Salmonellen kontaminiert

Beim Umgang mit Kauartikeln ist Vorsicht geboten. Manche Produkte fallen immer wieder durch den Nachweis von Salmonellen auf
Weiterlesen

Myvetlearn

eLearning-Kurs Salmonelleninfektionen bei Schweinen und Maßnahmen zur Reduktion

Unter Myvetlearn.de finden Tierärztinnen und Tierärzte aktuell eine Online-Fortbildung zum Thema  Salmonelleninfektionen bei Schweinen und Maßnahmen zur Reduktion
Weiterlesen

almonelleninfektionen bei Schweinen und Maßnahmen zur Reduktion; Bildquelle: Myvetlearn.de

eLearning-Kurs Salmonelleninfektionen bei Schweinen und Maßnahmen zur Reduktion

Am 17.04.2019 beginnt für Tierärzt*innen, die Schweine haltende Betreibe betreuen, ein eLearning-Kurs zum Thema Salmonelleninfektionen bei Schweinen und Maßnahmen zur Reduktion
Weiterlesen

Zoonosen-Monitoring 2017

Zoonosen-Monitoring 2017

Die Ergebnisse des repräsentativen Zoonosen-Monitorings 2017 zeigen, dass streichfähige Rohwürste (z. B. Tee- und Mettwurst) eine mögliche Ansteckungsquelle des Menschen mit verschiedenen Krankheitserregern sind
Weiterlesen

EFSA

Salmonellenfälle in der EU nicht mehr rückläufig

Der rückläufige Trend bei Salmonellosefällen in der EU ist laut dem EFSA Jahresbericht zu Zoonosen abgeflacht
Weiterlesen

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

Salmonellen sind bekannter als Campylobacter

BfR veröffentlicht fünften Verbrauchermonitor zur Wahrnehmung gesundheitlicher Risiken
Weiterlesen

Salmonellen-Bakterien in einer menschlichen Zelle, umgeben von einem Mantel aus verschiedenartigen Ubiquitin-Markierungen.; Bildquelle: Mike Heilemann/Ivan Dikic

Wie Zellen sich aktiv gegen Salmonellen wehren

Bakterielle Infektionen stellen eine enorme globale Bedrohung dar, weltweit nimmt die Verbreitung von Bakterienstämmen zu, die gegen gängige Antibiotika resistent sind
Weiterlesen

Eidgenössische Technische Hochschule Zürich

Forschende klären, wie Impfungen bakterielle Darmerkrankungen bekämpfen können

Die Impfstoff-induzierten Antikörper des Darms legen Krankheitserreger, die sich im Darm ausbreiten, in Ketten
Weiterlesen