Radioaktive Kontamination von Fischen in Japan

(19.03.2011) In den letzten Stunden haben sich an der Situation im japanischen Kernkraftwerk Fukushima keine relevanten Änderungen ergeben.

Es wird nach wie vor versucht, die kritische Lage in den Griff zu bekommen. Vom Betreiber der Anlage liegen auch weiterhin keine Informationen über Menge und Art der bisher freigesetzten Radionuklide vor.

Die Internationale Atomenergie Agentur (IAEA) hat daher Informationen über behördlich gemessene Radionuklide von Japan angefragt. Bis diese Messdaten verfügbar sind, kann weiter nur allgemein von einer Freisetzung leicht flüchtiger Substanzen ausgegangen werden.

Hierzu zählen unter anderem die Radionuklide Cäsium-134 (Halbwertszeit 2 Jahre) und Cäsium-137 (Halbwertszeit 30 Jahre), sowie Iod-131 (Halbwertszeit 8 Tage).

Für die Verbraucher sind davon die längerlebigen Cäsium-Isotope relevant, da Iod-131 bereits in wenigen Wochen nicht mehr nachzuweisen sein wird.

Aus Radioaktivitäts-Messdaten für Fische aus Nord- und Ostsee, die seit dem Reaktorunfall von Tschernobyl in den vergangenen 25 Jahren erhoben wurden, haben die Wissenschaftler des Johann Heinrich von Thünen-Instituts (vTI) gelernt, dass sich in gut durchströmten Meeren, wie zum Beispiel der Nordsee, Kontaminationen relativ schnell verdünnen.

So wurde in der Nordsee nach 1986 eine schnelle Abnahme der Cäsium-137-Messwerte sowohl im Meer als auch im Fisch beobachtet.

Bereits im Jahr nach der Katastrophe war praktisch kein Tschernobyl-Cäsium mehr nachweisbar.

Stattdessen zeigen die Messungen sowohl im Fisch als auch im Meerwasser eine „Hintergrund-Kontamination“ durch Cäsium-137 aus den oberirdischen Kernwaffentests der 1950er und 1960er Jahre. Für die Messungen im Meerwasser ist in Deutschland das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) verantwortlich.

Aufgrund dieser Informationen kann nach derzeitigem Wissensstand für den Pazifischen Ozean ebenfalls davon ausgegangen werden, dass sich radioaktive Stoffe, die über kontaminiertes Kühlwasser aus Fukushima und über belastete Luftmassen ins Meer gelangen, in kürzester Zeit auf ein nicht nachweisbares Niveau verdünnen werden.

Die Wissenschaftler im Johann Heinrich von Thünen-Institut beobachten die Situation in Japan aber weiterhin sehr aufmerksam, so dass sie auf neue Ereignisse entsprechend zeitnah reagieren können.

Link: Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei


Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Gut gefüllte Heringsnetze in der westlichen Ostsee werden immer seltener, da sich die Bestände Klimawandel-bedingt nicht ausreichend vermehren.; Bildquelle: Thünen-Institut / D. Stepputtis

Der Hering in der Klimafalle?

Ankündigung des nächsten „Warnemünder Abends“ am 12. Juli 2018 am Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW)
Weiterlesen

Bilder einzelner Scans von Fischgehirnen (blau = Region, die für Verarbeitung visueller Reize zuständig ist). A. Muräne. B. Fasanbutt.; Bildquelle: Iglesias et al. 2018

Nachtaktive Fische haben kleinere Gehirne

Ein internationales Forscherteam hat herausgefunden, dass nachtaktive Fische trotz ihrer größeren Augen kleinere Gehirnareale zur Verarbeitung visueller Reize haben als tagaktive Fische
Weiterlesen

Steinfisch, Eisfisch und Flunder ; Bildquelle: Julie Johnson/University of Michigan

Kalte Ozeane bringen doppelt so schnell neue Fisch-Arten hervor wie tropische Meere

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von insgesamt acht Institutionen haben für die Studie die Beziehung zwischen Breitengrad, Artenreichtum und der Rate neuer Artenbildung bei Meeresfischen untersucht
Weiterlesen

Höhlenfisch aus den unterirdischen Karstsystemen der Donau-Aach-Region in Süddeutschland; Bildquelle: Universität Konstanz

Entschlüsselung des Genoms europäischer Höhlenfische

Plant and Animal SMRT Grant 2018 für Forschungsprojekt unter Beteiligung von Konstanzer Fischökologin Dr. Jasminca Behrmann-Godel
Weiterlesen

Ein Taucher mit Harpune nähert sich einem Fisch von der Wasseroberfläche aus.; Bildquelle: David Mandos

Speerfischen macht Fische scheu

Fischereiforscher vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und internationale Kollegen haben die Reaktion von Fischen im Mittelmeer auf das Speerfischen untersucht
Weiterlesen

VicInAqua

Nachhaltige Fischzucht am Viktoriasee mit dem EU-Projekt VicInAqua

Im EU-Projekt VicInAqua wird ein effizientes, flexibles und robustes System für Abwasserreinigung und -Wiederverwertung in Fischzucht und Bewässerung für die Region des Viktoriasees entwickelt.
Weiterlesen

Dreistachliger Stichling; Bildquelle: WWU/Jörn Scharsack

Mit Parasiten infizierte Stichlinge beeinflussen Verhalten gesunder Artgenossen

Bestimmte Bandwürmer bringen Stichlinge dazu, sich „leichtsinnig“ zu verhalten und so eine leichtere Beute für Vögel zu werden.
Weiterlesen

Nilhechte erzeugen ihr elektrisches Feld mit einem speziellen Organ kurz vor ihrer Schwanzflosse. An ihrem Kopf, Rücken und Bauch sitzen zahlreiche Elektrorezeptoren.; Bildquelle: Sarah Pannhausen/Uni Bonn

Roboterfisch bringt „echte“ Nilhechte zum Reden

Die nachtaktiven afrikanischen Nilhechte erzeugen elektrische Spannungspulse und verschaffen sich damit ein erstaunlich genaues Bild ihrer Umgebung
Weiterlesen

Wissenschaft

Universitäten

Neuerscheinungen