Europäisches Forschungsnetzwerk soll dem Stör auf die Sprünge helfen

(11.05.2015) Störe zählen mittlerweile zu den am stärksten bedrohten Fischarten weltweit. Damit die bis zu 8 Meter langen Tiere eines Tages wieder unsere Flüsse hinaufziehen können, schließen sich Wissenschaftler in einem europaweiten Netzwerk zusammen.

Zum Auftakt treffen sich sieben beteiligte Partnerinstitutionen am 13. Mai 2015 in der Nähe von Hamburg.

Gemeinsam möchten sie Fragen zu Erhalt, Wiederaufbau und Management der Bestände bearbeiten und dafür ihre Ressourcen bündeln.

Initiiert wurde das Netzwerk von  der World Sturgeon Conservation Society (WSCS) und dem Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin, das seit fast 20 Jahren Pionierarbeit im Rahmen des Wiederansiedlungsprogramms für den Stör leistet.


Prof. Harald Rosenthal/World Sturgeon Conservation Society, Prof. Klement Tockner/IGB Berlin und Prof. Otomar Linhart,University of South Bohemia in Èeské Budìjovice, unterzeichneten am Stechlin eine erste Erklärung zur Zusammenarbeit

Weder Flüsse noch Störe machen vor Ländergrenzen halt und so verbindet der Stör über die internationalen Flusssysteme und Küstengebiete die Nationen.

„Die Wanderungen der Tiere machen die Wiederansiedlung zu einem länderübergreifenden Projekt, das nur in enger Zusammenarbeit gelingen kann“, erklärt Dr. Jörn Geßner, der das Programm am IGB begleitet. Störe, die den Großteil ihres über einhundert Jahre langen Lebens im Meer verbringen, ziehen zum Laichen flussaufwärts.

Dort, in fließenden Gewässern mit Kiesbänken, befindet sich ihre Kinderstube. Doch die Reise ist beschwerlich geworden: Überfischung, Verschmutzung, Stauwehre und Gewässerausbau versperren den größten Flussfischen unserer Breiten den Weg und verschlechtern ihre Lebensbedingungen. So verschwanden viele Stör-Arten fast vollständig aus Europa.

Kampf gegen das Aussterben erfordert länderübergreifende Kooperationen

Um die vielfältigen Maßnahmen zum Schutz und zur Wiederansiedlung international besser zu koordinieren und die verfügbaren Ressourcen effektiver einsetzen zu können, knüpfen Wissenschaftler ein Europäisches Störnetzwerk.

Es soll Renaturierungsmaßnahmen ebenso unterstützen wie die Stör-Nachzucht für Arterhalt und Aquakultur. Die beteiligten Partner möchten damit weiterführenden Kooperationen den Weg ebnen, die gemeinsame Störforschung anregen und regionale Netzwerke unterstützen.

Zum Auftakt unterzeichneten die World Sturgeon Conservation Society (WSCS), das IGB Berlin sowie die südböhmische Universität in Èeské Budìjovice ein Memorandum of Understanding. Das rumänische Donau Delta Institut in Tulcea, die Universität für Bodenkultur Wien, die Universitäten in Belgrad (Serbien) und Padua (Italien) sowie das französische Forschungsinstitut Irstea folgten.

Am 13. Mai 2015 treffen sich die sieben Institutionen nun erstmals bei Hamburg (Neu Wulmstorf), um zusammen mit dem Vorstand der WSCS die gemeinsamen Ziele und Strategien abzustimmen und erste konkrete Schritte zu vereinbaren.

Partnerinstitutionen bündeln ihre Kompetenzen

Im Rahmen ihrer Übereinkunft wollen die beteiligten Partner ihre Kompetenzen und Ressourcen künftig gemeinsam nutzen. Das neu geschaffene Forschungsnetzwerk fungiert hierbei als eine neutrale Plattform für die Zusammenarbeit bei einzelnen Vorhaben sowie für den Austausch von Wissen.

Von der engen Kooperation versprechen sich die Wissenschaftler Synergieeffekte und eine bessere Qualität ihrer Forschungsergebnisse. „Unser Ziel ist es auch, einheitliche Verfahren für die Durchführung, Dokumentation und Bewertung der Maßnahmen zu entwickeln“, sagt Geßner. Herausforderungen soll so künftig schneller und effektiver begegnet werden können.

Stör ebnet anderen Arten den Weg in die Flüsse

Gelingt die Wiederansiedlung des Störs, profitieren davon auch andere Arten, die für ein intaktes Ökosystem gleichsam bedeutend sind.

Besonders die Durchwanderbarkeit und die funktionale Integrität der Fließgewässer sind für viele weitere Arten wie beispielsweise Lachs, Meerforelle, Maifisch oder Schnäpel ebenso unabdingbar wie für den Stör, um stabile selbsterhaltende Populationen aufbauen zu können.

„Sicherlich wird es noch viele Jahre dauern, bis der Erfolg unserer Bemühungen sichtbar wird“, räumt Geßner ein. Dennoch sei mit der Unterzeichnung des Memorandums ein wesentlicher Schritt in die richtige Richtung getan.



Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Deutsche Wildtier Stiftung

Der Feldhase - Tier des Jahres 2015 - steht für Verlust an Artenvielfalt auf dem Acker

Die Hauptpaarungszeit des Feldhasen (Lepus europaeus) erreicht ihren Höhepunkt zwar erst im März, aber die Paarungszeit beginnt vielerorts schon im Januar
Weiterlesen

Deutsche Wildtier Stiftung

Feldhasen verlieren Lebensräume durch intensive Landwirtschaft

Hasen haben vor Ostern Hochkonjunktur. Sie sind aus Schokolade, haben Marzipan oder Nougat im hohlen Bauch und erobern sich die Lebensräume der Menschen. Die Populationsdichte in Supermärkten ist derzeit erschreckend hoch
Weiterlesen

Deutsche Wildtier Stiftung

Der Osterhase ist kein Kaninchen!

Kaninchen und Feldhase sind nur weitläufig verwandt und recht einfach zu unterscheiden
Weiterlesen

Feldhase; Bildquelle: Wikipedia

Superfetation: Fortpflanzungserfolg der Feldhasen

Europäische Feldhasen können erneut trächtig werden, auch wenn der vorherige Wurf noch nicht geboren ist, das erhöht ihren Fortpflanzungserfolg
Weiterlesen

Facebook

Lepus der Feldhase hoppelt für die Deutsche Wildtier Stiftung auf Facebook

Er ist als Spitzensportler schnell auf 80, hat als Feinschmecker eine eigene Kräuter-Apotheke und kommt bei allen Häschen extrem sexy an: Der Feldhase!
Weiterlesen

Deutsche Wildtier Stiftung

Verwechslung nicht ausgeschlossen: (Oster-)Hase und Wildkaninchen

Lang- oder Kurzohr, Rote Liste oder Plage - die Deutsche Wildtier Stiftung nennt die Unterschiede
Weiterlesen

Sind Häsinnen Rabenmütter?

Deutsche Wildtier Stiftung erforscht Lebens- und Aufzuchtbedingungen des selten gewordenen Feldhasen: zur Osterzeit sind die eigentlich dämmerungs- und nachtak-tiven Feldhasen auf Äckern und Wiesen auch tagsüber zu beobachten. Grund dafür sind die Paarungsrituale, denn schon im Frühling bekommen Feldhasen erstmals Nachwuchs
Weiterlesen

Institut für Zoo- und Wildtierforschung

Hasenjagd im Dienst der Wissenschaft

Wissenschaftler des Instituts für Zoo- und Wildtierforschung suchen nach Ursachen für den Rückgang der Hasenpopulation
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen





[X]
Hinweis zur Nutzung von Cookies

Diese Website nutzt Cookies zur Bereitstellung von personalisierten Inhalten, Anzeigen, Inhalten von sozialen Medien und zur Analyse des Benutzerverhaltens. Die mit Hilfe von Cookies gewonnenen Daten werden von uns selbst sowie von uns beauftragten Partnern in den Bereichen soziale Medien, Online-Werbung und Website-Analyse genutzt. Durch den Besuch unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.

Mit der weiteren Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Mehr erfahren...