Pilzkrankheiten verursachen globales Massenaussterben von Amphibien

(04.04.2019) Eine im renommierten Fachjournal Science veröffentlichte Studie, koordiniert von der Australischen Nationaluniversität (ANU) und in Mitwirkung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Museums für Naturkunde Berlin, identifizierte Pilzkrankheiten als die Ursache von dramatischen Bestandseinbrüchen bei mindestens 501 Amphibienarten über die letzten 50 Jahre.

90 dieser Arten gelten inzwischen als ausgestorben. Es müssen jetzt Amphibienarten mit Resistenzen erforscht werden, um präventive Schutzmaßnahmen abzuleiten.

Museum für Naturkunde - Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung Die beispiellose Zahl von verschwindenden Amphibienarten macht die Chytridpilze zu den gefährlichsten invasiven Krankheitsverursachern weltweit, vergleichbar nur mit den negativen Effekten, die eingeschleppte Ratten und Katzen in vielen Teilen der Erde ausgelöst haben.

Der die Studie leitende Wissenschaftler, Ben Scheele von der Fenner School of Environment and Society an der ANU meint, dass hochvirulente Wildtierkrankheiten inklusive der Chytridpilze zum derzeitigen, sechsten globalen Massenaussterben von Tieren und Pflanzen nachhaltig beitragen.

„Die Krankheit hat weltweit viele Amphibienarten zum Aussterben gebracht, darunter wirklich bemerkenswerte Arten“. In Australien brachen in den letzten 30 Jahren die Bestände von über 40 Froscharten zusammen. Sieben Arten, darunter zwei die ihre Nachkommen im Magen ausgebrütet haben, sind inzwischen ausgestorben.

Auch die beiden an der Studie beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Museums für Naturkunde Berlin, Mareike Petersen und Mark-Oliver Rödel, mussten die verheerende Wirkung des Pilzes in ihren Untersuchungsgebieten schon miterleben.

So konnten sie das erste Massensterben auf dem afrikanischen Kontinent dokumentieren.

„Ein Verlust, der leider derzeit in vollem Umfang weiterzugehen scheint und vermutlich zum Aussterben vieler endemischer Froscharten in Kamerun führen wird“, so Mareike Petersen.

Die Krankheit tödliche Chytridiomykose, kurz Chytrid, bei der die Haut der Amphibien (Frösche, Kröten, Salamander, Molche sowie tropische Blindwühlen) schwer beschädigt wird, wirkt sehr unterschiedlich.

Die beiden bekannten Chytrid-Pilze haben manche Amphibienarten komplett ausgelöscht, während andere nur von sporadisch auftretenden Todesfällen betroffen sind.

Chytrid, wurde bislang in 60 Ländern nachgewiesen, die schlimmsten Auswirkungen der Krankheit wurden dabei in Australien, sowie in Mittel- und Südamerika dokumentiert.

Momentan geht man davon aus, dass die Pilze ihren Ursprung in Asien haben, wo einzelne Amphibienarten auch resistent zu sein scheinen.

In der unter Beteiligung des Museums für Naturkunde Berlin durchgeführten Studie konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Chytrid als die Krankheit identifizieren, die bislang zum größten Verlust an Biodiversität geführt hat.

Eine Verbesserung von Biosecurity und die Kontrolle des Handels von Wildtieren sind nötig, um die Verbreitung von Krankheiten zu reduzieren und weiteres Aussterben zu verhindern. „Die Haltung und Zucht in Menschenobhut wird die letzte Chance für viele Arten zum Überleben sein“, so Mark-Oliver Rödel vom Museum für Naturkunde Berlin. Viele der untersuchten Arten zeigten selbst 10 bis 20 Jahre nach dem Auftauchen des Chytridpilzes noch andauernde Bestandsrückgänge.

Es wäre deshalb von großem Vorteil, wenn man für die Zukunft die Arten identifizieren könnte, die von solchen Krankheiten am ehesten betroffen sein könnten, um präventive Schutzmaßnahmen zu treffen.

Australien setzt solche Schutzprogramme um und entwickelte neue Wiederansiedlungstechniken, um einige Amphibienarten zu retten. Wenn der Pilz einmal in einem Ökosystem vorhanden ist, ist es fast unmöglich ihn wieder zu eliminieren. Ausgerechnet Amphibien können zu seinem andauernden Verbleib beitragen.

Nicht alle Arten sind gleichermaßen vom Pilz gefährdet. Diejenigen, die am wenigsten betroffen sind, können ein Langzeitreservoir sein und die Dauerpräsenz des Pilzes in einem Ökosystem ermöglichen.




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