Geckos kommunizieren überraschend flexibel

(30.05.2017) Zum ersten Mal wurde bei einem Reptil gezeigt, dass es seine Rufe an sich ändernde Umweltbedingungen anpassen kann, wie man es von den komplexen Kommunikationssystemen von Vögeln und Säugetieren kennt.

Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen fanden beim Tokeh, einem nachtaktiven Gecko heraus, dass die Rufdauer in einer lauten Umgebung zunimmt. Die Lautstärke der Rufe änderte sich nicht; bei Umgebungslärm produzierten die Tiere jedoch mehr lautere Silbenanteile als in ruhiger Umgebung.

Vokale Plastizität ist vermutlich aus der Notwendigkeit heraus enstanden, beim Kommunizieren auch gehört werden zu müssen, und das mehrmals unabhängig voneinander im Tierreich.


Der Tokeh kann seine Rufe an sich ändernde Umweltbedingungen anpassen kann, wie man es von den komplexen Kommunikationssystemen von Vögeln und Säugetieren kennt

Die ausgefeilten Kommunikationssysteme von Vögeln und Säugetieren zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass die Laute sich verändernden Umweltbedingungen anpassen können.

Einer der Mechanismen dafür ist der sogenannte Lombard-Effekt, bei dem unter Umgebungslärm die Lautstärke der produzierten Laute zunimmt.

Dieser Lombard-Effekt wird oft begleitet von einer Zunahme der Lautdauer, wodurch sich die Laute besser vom Hintergrundlärm abheben.

Auch bei Reptilien gibt es einige Arten die kommunizieren, so zum Beispiel der Tokeh (Gecko gecko), ein nachaktiver Gecko aus Südostasien. Aus seinem Repertoire an Lauten hebt sich insbesondere der laute und namensgebende GECK-O-Ruf heraus, dem eine Reihe schnatternder Rufe vorausgeht.

Henrik Brumm und Sue Anne Zollinger vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen haben Tokehs nun Umgebungslärm von maximal 65 dB(A) vorgespielt, was ungefähr dem Geräuschpegel einer belebten Straße entspricht. Sie wollten herauszufinden, ob der Lombard-Effekt auch bei einem Reptil nachgewiesen werden kann.

Tatsächlich verlängerten die Tokehs unter Umgebungslärm die Dauer ihrer GECK-Töne um sieben Prozent und die der O-Töne um 37 Prozent im Vergleich zur Kontrollgruppe. Der GECK-O-Ruf erfüllt zwei wichtige Funktionen der Kommunikation beim Tokeh, die des Anlockens einer Paarungspartnerin und die Verteidigung eines Reviers gegen Rivalen.

Der Tokeh, und sehr wahrscheinlich auch andere vokal kommunizierende Reptilien, ist also in der Lage seine Rufe flexibel an die Umgebungsbedingungen anzupassen.

Einen Lombard-Effekt haben die Forscher jedoch nicht gefunden, die Amplitude der GECK-O-Rufe veränderte sich nicht in lauter Umgebung. „Die Studie zeigt, dass der Lombard-Effekt unabhängig voneinander bei Vögeln und Säugetieren entstanden ist“, sagt Henrik Brumm, Erstautor und Forschungsgruppenleiter in Seewiesen.

Die Tokehs entwickelten jedoch eine andere Strategie, um die Lautstärke ihrer Rufe zu erhöhen: Sie produzierten bei Umgebungslärm mehrmals hintereinander den lauten GECK-O-Ruf und weniger oft den leiseren, schnatternden Ruf im Vergleich zu einer Kontrollgruppe ohne Beschallung.

„Wir denken, dass die Notwendigkeit, dass ausgesendete Signale auch ankommen die treibende Kraft ist für die Evolution eines Kommunikationssystems, ganz unabhängig von der Tiergruppe“, sagt Sue Anne Zollinger, Koautorin der Studie.




Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Jacobs University

Warum Geckos an Wänden haften können

Sie ermöglichst es Geckos, an Wänden und Decken zu haften, beim Aufbau von Membranen in Zellen ist sie genauso beteiligt wie beim Andocken von Arzneistoffen an Enzyme im menschlichen Körper. Die Dispersion
Weiterlesen

Der neue Fischschuppengecko (Geckolepis megalepis) hat die größten Körperschuppen von allen Gecko-Arten. Das nachtaktive Reptil wurde in einer Kalksteinformation im Norden Madagaskars entdeckt; Bildquelle: F. Glaw - SNSB-ZSM

Bizarre Feindabwehr: Fischschuppengeckos  schlüpfen aus dem Schuppenkleid

Viele Echsen können bei Gefahr ihren Schwanz abwerfen, doch die madagassischen Fischschuppengeckos haben noch eine zusätzliche Überlebensstrategie entwickelt
Weiterlesen

Eine der neuen Arten: Hemidactylus kyaboboensis – aus dem Kyabobo National Park in Ghana; Bildquelle: Adam Leaché

Vier neue Geckoarten – ein Wissenschaftsstreit entlarvt vier neue Arten

Dr. Philipp Wagner, ehrenamtlicher Mitarbeiter der herpetologischen Sektion an der Stiftung Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig – Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere (Museum Koenig) in Bonn, stellte mit Fachkollegen aus Amerika fest, dass in der bisher nur als einzige bekannte Geckoart Hemidactylus fasciatus mindestens fünf Spezies verborgen waren
Weiterlesen

Weibchen (links) und Männchen des nur acht Zentimeter kleinen Türkiszwerggeckos (Lygodactylus williamsi); Bildquelle: H. Schneider, Bonn

Türkiszwerggeckos durch den Tierhandel stark bedroht

Die kräftige Färbung der Türkiszwerggeckos könnte ihr Verhängnis werden. Aufgrund ihrer faszinierenden Schönheit besteht ein reger Handel für die Heimtierhaltung
Weiterlesen

Nanostrukturen auf der Fußsohle eines Geckos; Bildquelle: Max-Planck-Instituts für Metallforschung

Vom Geckofuß zum Superkleber

Beim Gecko sind es mikroskopisch feine Härchen, die die Tiere dazu befähigen, solche Haltekräfte zu entwickeln. Die nachgebaute Variante weist sogar eine zehnfach größere Haltekraft auf
Weiterlesen

Nanostrukturen auf der Fußsohle eines Geckos: Dank ungefähr einer Milliarde hierarchisch organisierter Nanohärchen an seiner Fußsohle kann der Gecko - im Unterschied zum Menschen - auch an Wänden und Decken spazieren gehen; Bildquelle: Max-Planck-Institut für Metallforschung

Geckos haften besser an feuchten Oberflächen

Die Haftkraft der Nanohärchen eines Gecko-Fußes wird durch Feuchtigkeit verstärkt: dies haben jetzt Forscherinnen und Forscher der Universität des Saarlandes, des Max-Planck-Instituts für Metallforschung in Stuttgart, der Universität Erlangen-Nürnberg und der ETH Zürich in einer interdisziplinären Studie gezeigt
Weiterlesen