Vier neue Geckoarten – ein Wissenschaftsstreit entlarvt vier neue Arten

(28.07.2014) Dr. Philipp Wagner, ehrenamtlicher Mitarbeiter der herpetologischen Sektion an der Stiftung Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig – Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere (Museum Koenig) in Bonn, stellte mit Fachkollegen aus Amerika fest, dass in der bisher nur als einzige bekannte Geckoart Hemidactylus fasciatus mindestens fünf Spezies verborgen waren.

Die kryptischen Arten sind schwer durch eine Betrachtung der externen Morphologie zu unterscheiden aber genetisch verschieden. Durch Analyse der Multilocus-Genotypen sowie durch die Methoden der Coalescent Theorie wurden die Arten eindeutig differenziert.

Färbung, Form der Körperquerbänder und Körpergröße sind zur Artbestimmung trotz der Aussagekraft der genetischen Daten weiterhin für die Bestimmung wichtig. Der neue Artenkomplex umfasst die folgenden Wald-Geckoarten: H. fasciatus , H. kyaboboensis sp. n., H. eniangii sp. n., H. coalescens sp. n. und, H. biokoensis sp. n., die spezifische Verbreitungsmuster erkennen lassen.


Eine der neuen Arten: Hemidactylus kyaboboensis – aus dem Kyabobo National Park in Ghana

Alles begann mit einem Streit. Zwei amerikanische Wissenschaftler haben mit einer neuen statistischen Methode ihre genetischen Ergebnisse über eine Geckoart analysiert. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass es sich nicht um eine, sondern insgesamt vier Arten handelt und beschrieben daher drei aufgrund ihrer genetischen Daten als neue Arten.

Die Beschreibung neuer Arten ist an internationale Regeln, den International Code of zoological Nomenclature gebunden und ein Kollektiv internationaler Wissenschaftler sah diese Regeln als nicht erfüllt an, weswegen die entsprechende Veröffentlichung wissenschaftlich nicht anerkannt wurde.

Nun haben sich die beiden Wissenschaftler mit einem ihrer Kritiker zusammen getan, und zusammen mit dem Reptilienspezialisten Dr. Philipp Wagner, die Geckoarten entsprechend der Regeln in der international renommierten Fachzeitschrift Bonn zoological Bulletin beschrieben (24. Juli 2014).

Darüber hinaus wurde der eigentliche Datensatz noch erweitert und neben den bereits erkannten drei Arten, wurde noch eine vierte neue Spezies beschrieben.
„Insgesamt ist die Beschreibung dieser Arten die Bestätigung unserer Erwartungen “, sagt Philipp Wagner und führt weiter aus, dass es durch den ständigen Wechsel von Klimabedingungen zu einer ständigen Ausbreitung und Fragmentierung der Regenwälder gekommen ist.

„Hier hat Klimawandel dazu geführt, dass sich Regenwälder isoliert haben und dadurch neue Arten entstanden sind.“ Ein Phänomen mit dem sich Wagner schon in seiner Promotion auseinander gesetzt hat und das sich bei ganz verschiedenen Echsengruppen zeigt.

"Die immer besser werdenden Methoden führen natürlich dazu, dass wir Arten viel detaillierter angrenzen können und daher Arten erkennen, die man bisher als eine angesehen hat." erläutert Prof. Dr. Wolfgang Wägele, Direktor des Museums Koenig.

"Dies führt dann natürlich auch dazu, dass sich unser Verständnis für Artenvielfalt und Artentstehung immer stärker erweitert.“ Daher ist eine der neuen Arten auch nach der Methode benannt worden mit der sie entdeckt wurde: Hemidactylus coalescens. Die Coalescent Theorie hat sich zu einem der stärksten Werkzeuge in der modernen Populationsgenetik entwickelt und ist eine mathematische Methode zur Untersuchung der Vorfahrensstrukturen von DNA-Sequenzen.

Die anderen Arten wurden nach ihrem Herkunftsgebiet, z.B. die Insel Bioko (=Hemidactylus biokoensis) oder einem afrikanischen Kollegen des Autorenteams Dr. Edem Eniang (Hemidactylus eniangii) benannt.

„Trotz intensiver Forschungen ist unser Wissen über diese Regenwälder, vor allem in den unzugänglichen Regionen immer noch rudimentär“ ergänzt Prof. Dr. Wolfgang Böhme, ehemaliger Leiter der Sektion Herpetologie am Museum der selber in den Regenwäldern Westafrikas geforscht hat.

„Mit den verfeinerten Methoden können wir nun auch genauere Schlüsse darüber ziehen wie die Arten dort entstanden sind. Wir können Artenvielfalt also nicht nur erkennen, sondern sie dann auch erklären.“, fasst Philipp Wagner das Thema zusammen.



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