Reptilienspezialisten aus Bonn und Moskau entdecken neue Echsenart in den Regenwäldern Vietnams

(10.01.2013) Zoologen aus dem Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn haben gemeinsam mit Kollegen der Lomonossov-Universität Moskau eine prachtvolle neue Echsenart im Süden Vietnams entdeckt und am 7.1.2013 unter dem Namen Calotes bachae in der renommierten Fachzeitschrift Zootaxa beschrieben.

Besonders die Männchen dieser zur Familie der Agamen gehörenden Echse beeindrucken durch ihre Farbenpracht. Während der Balz leuchten die azurblauen Köpfe der Echsen im Regenwald regelrecht um die Wette. Und das alles nur, um ihren Frauen zu imponieren.


Die Männchen der neu entdeckten Tierart sind dank ihrer leuchtend blauen Kopffärbung im vietnamesischen Regenwald schon von weitem zu sehen

Dabei geht es bei der neuen Art auch weniger schrill, denn ähnlich wie die bekannten Chamäleons können auch die neu entdeckten Baumagamen ihre Farben verändern. So sind sie zum Beispiel nachts eher dunkel und bräunlich, geradezu unscheinbar. Aber auch beim Revierkampf unterlegene Männchen büßen ihre Farbenpracht ein, und erblassen binnen weniger Minuten.

Die Tiere waren den Vietnamesen und Wissenschaftlern schon lange bekannt. „Allerdings verwechselte man sie lange Zeit mit einer ebenfalls blauen Echsenart aus Myanmar und Thailand, die jedoch, wie das deutsch-russische Forschungsteam nun im genetischen Vergleich feststellen konnte, einer anderen Art angehört“ erläutert Timo Hartmann, Doktorand in der Sektion Herpetologie des Museums Koenig.

„Um die neue Tierart zu beobachten ist kein beschwerlicher Fußmarsch durch die Regenwälder Vietnams nötig, denn die Art scheint sich gut mit dem Menschen arrangiert zu haben.

Selbst inmitten der Millionenmetropole Ho Chi Minh-Stadt, dem alten Saigon, findet man die schönen Tiere in Parkanlagen und Blumenrabatten“ beschreibt Peter Geissler, ebenfalls Doktorand in der Sektion Herpetologie des Museums Koenig sowie Mitautor der Beschreibung der Art, den außergewöhnlichen Fund.

„Der Fund macht die Bedeutung der neuen Methode des DNA-barcodings in deutschen und anderen, internationalen Forschungsmuseen deutlich“ stellt Dr. Dennis Rödder, Leiter der Herpetologie im Museum Koenig heraus. Die Artenvielfalt der Erde ist noch lange nicht umfassend erforscht.

Und Prof. Dr. Wolfgang Böhme, Senior - Herpetologe am Museum Koenig ergänzt: „Diese neueste Entdeckung ist das jüngste Highlight einer längeren Serie neuer Reptilien und Amphibien die im Rahmen des Vietnamprojektes des Museums Koenig und des Kölner Zoos in den letzten 20 Jahren entdeckt worden sind.“



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