Deutsche und israelische Feuersalamander im Vergleich

(24.12.2012) Forschungskooperation der Universität Bielefeld mit 1,6 Millionen Euro gefördert

In einer sich ständig verändernden Welt kann die Anpassung an neue Umweltbedingungen überlebenswichtig sein. Besonders Amphibien zeigen sich flexibel. Die Larven des einheimischen Feuersalamanders zum Beispiel haben die Fähigkeit entwickelt, sowohl in stehenden als auch in fließenden Gewässern aufwachsen zu können.


Als Larven leben Feuersalamander die ersten Monate ihres Lebens unter Wasser und atmen durch äußere Kiemen. Erst als Erwachsene gehen sie an Land und steigen auf Lungenatmung um

Biologen der Universität Bielefeld unter Leitung von Dr. Sebastian Steinfartz haben 2009 zeigen können, dass sich diese Anpassung auch auf Ebene ihrer Gene zeigt.

Über tausende von Jahren entsteht auf diese Weise eine neue Art. Im Vergleich mit ihrer israelischen Schwesternart wollen nun die Bielefelder Biologen gemeinsam mit deutschen und israelischen Kollegen herausfinden, ob beide Arten sich gleichermaßen an ihre Umweltbedingungen angepasst haben.

Ihre Forschung wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung von 2013 bis 2017 mit über 1,6 Millionen Euro gefördert.

Vor vielen Millionen Jahren gehörten sie noch zu einer Linie: der deutsche Feuersalamander (Salamandra salamandra) und seine israelische Schwesternart (Salamandra infraimmaculata).


Ob sich dieser israelische Feuersalamander so entwickelt hat wie seine deutschen Verwandten? Dr. Sebastian Steinfartz von der Universität Bielefeld will es in Kooperation mit deutschen und israelischen Kollegen herausfinden

Mittlerweile leben sie weit voneinander entfernt, haben sich in unterschiedliche Arten aufgespalten und mussten sich doch an ähnliche Umweltbedingungen anpassen. Diese parallele, aber unabhängige Entwicklung machen sich die Wissenschaftler zu Nutze.

Mit Hilfe von Experimenten, ökologischen Lebensraumcharakterisierungen und genomischen Analysen wollen sie herausfinden, ob an den ähnlichen Adaptationsprozessen bei beiden Arten dieselben oder ganz unterschiedliche Gene beteiligt sind.

In Bielefeld sollen vor allem die experimentellen Ansätze mit den Larven und Genexpressionsanalysen stattfinden. Die Wissenschaftler erhoffen sich unter anderem Antwort auf die Frage, wie die genetischen Mechanismen von parallelen Lebensraumanpassungen aussehen können.

An der Forschung beteiligen sich Dr. Sebastian Steinfartz, Leiter der Arbeitsgruppe Molekulare Ökologie und Verhalten am Lehrstuhl für Verhaltensforschung der Universität Bielefeld, Dr. Arne Nolte vom Max-Planck Institut für Evolutionsbiologie (Plön) sowie Professor Dr. Leon Blaustein und Professor Dr. Alan Templeton (beide Universität Haifa, Israel).

Die Forschungsförderung ist Teil der Deutsch-Israelischen Projektkooperation (DIP). Das Exzellenzprogramm wurde 1997 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung eingerichtet, um innovative deutsch-israelische Forschungsprojekte aus allen Wissenschaftsbereichen zu fördern. Jährlich werden bis zu vier Projektanträge ausgewählt und für bis zu fünf Jahre unterstützt.



Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Erstautorin Thais Guedes bei der Arbeit in der 'Linnaeus'-Sammlung im Naturkundemuseum Schweden; Bildquelle: Guedes/UNIFESP

Schlangen-Datenbank: Sammlungen aus 150 Jahren zeigen große Artenvielfalt in den Neotropen

Senckenberg-Wissenschaftler haben mit einem internationalen Team die Ergebnisse einer umfangreichen Datenbank für Schlangen der Neotropen veröffentlicht
Weiterlesen

Stumpffia miovaova kann auf dem Rücken sehr unterschiedliche Muster zeigen.; Bildquelle: SNSB, Frank Glaw

26 neue Zwergfrösche aus Madagaskar

Madagaskar ist für seine einzigartige Biodiversität bekannt. 319 Arten von Fröschen sind aus dem Inselstaat vor der Ostküste Afrikas offiziell bekannt, also beschrieben und mit einem wissenschaftlichen Namen versehen
Weiterlesen

Museum für Naturkunde Berlin

Krötenimmigranten retten eine gefährdete Krötenpopulation

Effekte äußerer Gefährdungen können von artspezifischen Eigenschaften entweder abgepuffert oder verstärkt werden
Weiterlesen

Der kleine Darwinfrosch ist vom Aussterben bedroht.; Bildquelle: Andrés Valenzuela

Darwins Frosch vom Aussterben bedroht

Der einzigartige Darwin- oder Nasenfrosch wird wahrscheinlich durch einen Pilz ausgerottet. Wie Forscher der Universität Zürich in einem internationalen Forschungsprojekt belegen, sterben die Darwinfrösche langsam aus
Weiterlesen

Frosch mit Kaulquappen auf dem Rücken und mit 'Unterhose', welche zur späteren Ortung dient ; Bildquelle: Andrius Pašukonis

Pfeilgiftfrösche: Kaulquappen kommen Huckepack und ohne Umweg zur Wasserstelle

Pfeilgiftfrösche sind bekannt für ihre elterliche Fürsorge. Sie legen ihre Eier an Land, und transportieren ihre Kaulquappen nach dem Schlüpfen auf dem Rücken ins Wasser, damit sie sich dort weiterentwickeln können
Weiterlesen

Die als eigene Art erkannte Barren-Ringelnatter (Natrix helvetica) kommt in England, Frankreich, den Benelux-Ländern, der Schweiz, Italien und dem westlichsten Deutschland vor; Bildquelle: Wolfgang Böhme

Barren-Ringelnatter als eigene Art beschrieben

Senckenberg-Wissenschaftler haben mit einem internationalen Team eine neue europäische Schlangenart identifiziert
Weiterlesen

Georg-August-Universität Göttingen

Göttinger Biologen entdecken Genomverdopplung in Spinnen und Skorpionen

Um die Vielfalt in der Natur und deren evolutive Mechanismen zu verstehen, setzen Evolutionsbiologen auf die vergleichende Analyse von Genomen
Weiterlesen

Ein Exemplar der für ausgestorben erklärten Froschart Craugastor escoces wurde wiederentdeckt; Bildquelle: Gilbert Alvarado (Universidad de Costa Rica)

Ulmer Doktorand entdeckt für ausgestorben erklärten Rotbauchfrosch in Costa Rica

Randall Jiménez ist ein spektakulärer Fund geglückt: Er hat ein Exemplar des für ausgestorben erklärten Rotbauchfrosches (Craugastor escoces) entdeckt
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen





[X]
Hinweis zur Nutzung von Cookies

Diese Website nutzt Cookies zur Bereitstellung von personalisierten Inhalten, Anzeigen, Inhalten von sozialen Medien und zur Analyse des Benutzerverhaltens. Die mit Hilfe von Cookies gewonnenen Daten werden von uns selbst sowie von uns beauftragten Partnern in den Bereichen soziale Medien, Online-Werbung und Website-Analyse genutzt. Durch den Besuch unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.

Mit der weiteren Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Mehr erfahren...