Blütenmuster machen Hummeln effizienter

(18.01.2023) Die Suche nach Nektar kostet Insekten viel Energie, sie müssen also möglichst effizient vorgehen. Bunte Muster auf den Blütenblättern helfen dabei kräftig mit.

Ob Malven, Fingerhut oder Vergissmeinnicht: Viele Blüten tragen auffällige Muster, die in der Biologie als Saftmale bezeichnet werden. Denn es wird angenommen, dass die bunten Muster den bestäubenden Insekten den kürzesten Weg zum Nektar zeigen.

Das würde die Effizienz der Insekten bei der Nahrungssuche erhöhen und die Pollenausbreitung der Pflanze verbessern.


Die Interaktion von Hummeln mit Blüten wird deutlich effizienter, wenn die Blüten gemustert sind. Links ein Männchen der hellen Erdhummel, rechts eine Arbeiterin der dunklen Erdhummel.

Ein Team vom Biozentrum der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) hat jetzt erstmals die einzelnen Schritte entschlüsselt, über die Blütenmuster die Effizienz von Erdhummeln (Bombus terrestris) steigern.

Insgesamt reduzieren Saftmale die Zeit, die für die gesamte Interaktion mit einer Blüte gebraucht wird, um bis zu 30 Prozent – vom Anflug über das Finden des Nektars bis hin zum Abflug.

Was die Blütenmuster bewirken

Überraschenderweise verkürzen die Blütenmuster nicht die eigentliche Nektarsuche: Nach der Landung auf einer gemusterten Blüte finden die Hummeln nicht schneller zum Nektar als auf einer Blüte ohne Muster. Die Blütenmuster machen aber den Anflug effizienter und sorgen für eine strategisch günstigere Landeposition.

Sie wirken wie Markierungen auf einer Landebahn und helfen den Hummeln, ihren Anflug zu koordinieren. Das berichtet das Team um Anna Stöckl und Johannes Spaethe im Journal Functional Ecology.

Die Muster verkürzen auch die Zeit bis zum Abflug: Auf gemusterten Blüten halten sich die Insekten nach dem Nektarsammeln deutlich kürzer auf.

„Sehr oft laufen Hummeln für den Abflug an den Rand der Blütenblätter“, erklärt Johannes Spaethe. Womöglich finden sie diesen Startplatz schneller, wenn sie sich an einem Muster orientieren können.

Diese Nachweise gelangen mit Videotracking. Dabei wurden die Besuche von Hummeln auf künstlichen Blüten im Labor analysiert. Die Blüten trugen unterschiedliche Muster oder gar keine; alle waren mit Nektar bestückt.

So geht die Forschung weiter

Als nächstes will das Forschungsteam untersuchen, wie der Glanzeffekt, der bei manchen Blüten auftritt, das Wechselspiel mit bestäubenden Insekten beeinflusst.

Diese Arbeiten laufen in Kooperation mit Casper van der Kooi, der zurzeit als Stipendiat der Humboldt-Stiftung am Biozentrum forscht.

Auch Anna Stöckl, die vor kurzem an die Universität Konstanz gewechselt ist und dort eine Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe aufbaut, bleibt als Kooperationspartnerin erhalten.

Publikation

Flower patterns improve foraging efficiency in bumblebees by guiding approach flight and landing. Robin Richter, Alexander Dietz, James Foster, Johannes Spaethe, Anna Stöckl. Functional Ecology, 8. Januar 2023, Open Acces


Weitere Meldungen

TU Berlin

Natürliches Pflanzengift als neues Breitband-Antibiotikum

Forschende der TU Berlin haben den Auslöser der Blattbrandkrankheit beim Zuckerrohr – Albicidin – so verändert, dass er gegen multiresistente Krankenhauskeime wirkt
Weiterlesen

Philipps-Universität Marburg

Wie ein geändertes Essverhalten von Wildfleisch das Risiko für Zoonosen reduziert

Das Essen von Wildtierfleisch gilt als einer der großen Risikofaktoren für das Ausbrechen von sogenannten Zoonosen
Weiterlesen

Meereisportal

Relaunch des Meereisportals: Intuitives Layout und neue Funktionen

AWI-Informationsportal zum Meereis in Arktis und Antarktis präsentiert sich ab sofort noch interaktiver und mit neuen Inhalten
Weiterlesen

Krabbenspinnen der Australomisidia ergandros auf ihrem Nest aus Eukalyptusblättern.; Bildquelle: Jasmin Ruch

Australische Spinne Australomisidia ergandros: Männchen kooperieren häufiger als Weibchen

Männchen der australischen Spinne Australomisidia ergandros teilen ihre erjagte Beute eher mit den anderen Mitgliedern der Verwandtschaftsgruppe als die Weibchen
Weiterlesen

ESCCAP

Neue ESCCAP-Empfehlung zur Diagnose von Parasitosen bei Katzen, Hunden und Equiden

Ende 2022 ist die englischsprachige ESCCAP-Empfehlung Nr. 4: „Parasitological Diagnosis in Cats, Dogs and Equines” erschienen
Weiterlesen

Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW)

Kollisionsrisiko und Lebensraumverlust: Windräder in Wäldern beeinträchtigen bedrohte Fledermausarten

Um Klimaschutzziele zu erreichen, boomt in Deutschland der Ausbau erneuerbarer Energien – insbesondere der Windkraft
Weiterlesen

Experiment für die Koordination von Schwärmen; Bildquelle: Dr. Xiangzun Wang

Schwarmintelligenz als Folge physikalischer Mechanismen

Scheinbar spontan koordiniertes Schwarmverhalten in großen Tierverbänden ist ein faszinierendes und auffälliges kollektives Phänomen
Weiterlesen

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)

Maike Frye hat 3R-Tierschutzprofessur am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) übernommen

Prof. Dr. Maike Frye hat zum 1. Januar 2023 die Professur für das Fachgebiet Refinement, Reduction, Replacement (3R-Verfahren) in der Tiergesundheit und im Tierschutz angetreten.
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen

26.12.