Kooperationsprojekt NorthTick: Kompetenzen bei Zecken bündeln

(31.07.2019) Tiermediziner, Humanmediziner und Biologen der Nordsee-Anrainerstaaten errichten Kompetenznetzwerk zu Zecken und den von ihnen übertragenen Erkrankungen.

Die Zahl der menschlichen und tierischen Patienten, die sich in den Anrainerstaaten der Nordsee durch einen Zeckenstich mit Bakterien, Viren oder Parasiten ansteckten, stieg in den vergangenen Jahrzehnten an.

Um Menschen und Tiere in dieser Region besser vor Zecken und den von ihnen übertragenen Krankheitserregern zu schützen, startet im September 2019 das Kooperationsprojekt NorthTick.


Ixodes ricinus Weibchen
Ziel des Projektes ist es, die Zusammenarbeit und den Informationsfluss zwischen akademischen Einrichtungen, nationalen und regionalen Gesundheitsbehörden, Nichtregierungsorganisationen, Patientenorganisationen, Industrie und politischen Entscheidern zu verbessern.

Mithilfe dieses Netzwerkes möchten die NorthTick-Partner Werkzeuge entwickeln, um die Bevölkerung zu informieren und das Gesundheitssystem bei den Herausforderungen durch von Zecken übertragene Krankheiten zu unterstützen. Das Vorhaben läuft dreieinhalb Jahre und wird mit einem Budget von 5,7 Millionen Euro vom Interreg Nordseeprogramm, einem EU-Programm für transnationale Zusammenarbeit, gefördert.

Aus Deutschland ist die Arbeitsgruppe von Professorin Dr. Christina Strube, Leiterin des Instituts für Parasitologie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo), beteiligt. Mit ihrem Team möchte sie unter anderem das Risiko einer Gesundheitsgefährdung durch Zecken und die von ihnen übertragenen Erkrankungen in Niedersachsen ermitteln und darüber informieren.

Dabei hat sie stets Mensch und Tier im Blick: „Für uns Tierärzte bilden das Tier, dessen Besitzer und die öffentliche Gesundheit eine natürliche Einheit“, sagt Strube.

Obwohl Forscherinnen und Forscher bereits zahlreiche Erkenntnisse über Zecken und die Krankheiten, die sie übertragen, gesammelt haben, ist ein Großteil der Bevölkerung bislang nicht ausreichend oder nur ungenau über diese Themen informiert.

„Das führt dazu, dass die Bürgerinnen und Bürger oft nicht genau wissen, in welchen Regionen welche von Zecken übertragenen Krankheiten vorkommen können oder wie häufig sie auftreten“, sagt Strube. „Folglich schützen sie sich und ihre Haustiere nicht immer optimal vor den kleinen Blutsaugern.“

Ihre Arbeitsgruppe untersucht daher bereits seit 2005 regelmäßig Zecken an verschiedenen Standorten im Stadtgebiet Hannover auf Krankheitserreger. Neben dieser Langzeitüberwachung bestimmen sie die Häufigkeit von Zecken in Hannover und anderen Regionen Norddeutschlands.

Dabei konnten sie beispielsweise zeigen, dass im Stadtgebiet Hannover die Infektionsrate von Zecken mit Borrelien und Anaplasmen über die Jahre bislang weitgehend gleichgeblieben ist, während sich Infektionen mit Rickettsien signifikant erhöht haben.

„Die Ergebnisse unserer verschiedenen Untersuchungen möchten wir übersichtlich aufbereiten und sie für die Information der Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung stellen“, so Strube.

Auch im Gesundheitssystem gibt es mitunter Wissenslücken oder andere Schwachstellen, sodass von Zecken übertragene Krankheiten ungenügend vorgebeugt wird oder diese nicht schnell genug erkannt oder falsch behandelt werden. „Wir benötigen eine effiziente Risikoeinschätzung und effektive Prophylaxemaßnahmen sowie optimale Tests, um Krankheitserreger, die durch Zecken übertragen werden können, noch schneller oder präziser nachzuweisen.

Und wir brauchen ein optimales Management für durch Zecken übertragene Erkrankungen. Dies wollen wir in diesem translationalen Kompetenznetzwerk gemeinsam erreichen“, sagt Strube. „Indem wir Daten und Informationen aus den verschiedenen Disziplinen austauschen und bündeln, können wir im Sinne des One-Health-Konzeptes bestmöglich zum Schutz der Gesundheit von Mensch und Tier beitragen.

Da wir die einzigen tiermedizinischen Partner dieses Netzwerkes sind, werden wir federführend Informationen zur Tiergesundheit und sinnvollen Vorsorgemaßnahmen aufbereiten.“



Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Die tropische Hyalomma-Zecke: Erstmals ist in Deutschland vermutlich ein Mensch nach ihrem Biss an Fleckfieber erkrankt.; Bildquelle: Universität Hohenheim / Marco Drehmann

Fleckfieber-Erreger in Hyalomma-Zecke

Uni Hohenheim und Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr weisen Fleckfieber-Erreger in Hyalomma-Zecke nach, deren Stich erstmals in Deutschland vermutlich eine Erkrankung verursacht hat
Weiterlesen

Uni Hohenheim

Braune Hundezecke gesucht: Uni Hohenheim forscht an eingewanderter Zeckenart

Warmes Klima und Wohnungen ideal für die Braune Hundezecke / Zecken-Expertin bittet um Zusendung auffälliger Zeckenfunde
Weiterlesen

Die Hyalomma-Zecke ist wieder da: Erstmalig konnte sie in Deutschland überwintern.; Bildquelle: Universität Hohenheim / Marco Drehmann

Tropische Hyalomma-Zecke überwintert erstmals in Deutschland

Team der Uni Hohenheim und des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr meldet sechs neue Funde erstmals in diesem Jahr in Deutschlan
Weiterlesen

Dermacentor Männchen und Weibchen

Die TiHo bittet um Mithilfe: Hyalomma- oder Auwald-Zecken bitte zusenden

Bunt- oder Auwaldzecke erstmals in Hannover nachgewiesen; Forschungsprojekt der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover möchte erfassen, wie verbreitet neu in der Region Hannover auftretende Zeckenarten sind
Weiterlesen

Hochschule Coburg

Diagnostik von durch Zecken übertragbare Krankheiten

Eine genaue Diagnose von zeckenübertragbaren Krankheiten wie Borreliose oder FSME gestaltet sich als schwierig. Labore können Zecken zwar auf die Erreger untersuchen und diese nachweisen. Problematisch ist das aber dann, wenn die Oberfläche der Tiere durch Fremdstoffe verunreinigt ist
Weiterlesen

Der neue kombinierte Parasitenschutz für Katzen; Bildquelle: MSD

Der neue kombinierte Parasitenschutz für Katzen

12 Wochen Schutz gegen Zecken und Flöhe und Wurmwirksamkeit
Weiterlesen

Bis zu dreimal so groß wie ihr europäischen Verwandter, der gemeine Holzbock (links) - die tropische Zecke Hyalomma (rechts); Bildquelle: Uni Hohenheim/Marco Drehmann

Tropen-Zecken in Deutschland: Uni Hohenheim bittet um Zusendung auffälliger Zeckenfunde

Eingewanderte Hyalomma-Zecke: Bevölkerung kann Forschung zu neuer Zeckenart unterstützen
Weiterlesen

Ameisennest; Bildquelle: Berner Fachhochschule

Weniger Zecken dank Ameisen

In einer neuen Studie konnten Forschende der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL der Berner Fachhochschule nachweisen, dass Waldameisen das lokale Zeckenvorkommen deutlich reduzieren können
Weiterlesen