Digitale Technologien: Schnittstellen zwischen Veterinärmedizin und Landwirtschaft

(11.11.2019) PhD-Programmstart „Digitale Technologien in der Landwirtschaft“ - einer Kooperation der BOKU, Vetmeduni und TU Wien.

Digitale Technologien in der Landwirtschaft erleichtern nicht nur die Arbeit des Einzelnen. Mechanisierung, Elektronik und Automatisierung werden zukünftig großen Einfluss auf die wirtschaftliche und ökologische Entwicklung in unserer Region, aber auch weltweit auf die Ernährung und den Klimaschutz haben.

Mit diesem vorausschauenden Blick haben sich die drei Universitäten BOKU, TU Wien und die Veterinärmedizinische Universität Wien erstmals zusammengeschlossen, um gemeinsam den wissenschaftlichen Nachwuchs in dem neuen PhD-Großprogramm „DiLaAg - Digitale Technologien in der Landwirtschaft“ auszubilden und eine Plattform für Forschung und Beratung zu gründen.


v.l.n.r.: Prof. Franz Josef Radermacher, Rektor Hasenauer (BOKU), Vizerektor Fröhlich (TU Wien), Prof. Gronauer (BOKU), Prof. Drillich (VetMedUni)

Gefördert wird das Projekt durch die Forum Morgen Privatstiftung sowie das Land Niederösterreich.

Ressourcen effizienter nutzen

„Als Universität der Nachhaltigkeit sehen wir die Digitalisierung als eine Technologie, die uns hilft, die knapper werdenden Ressourcen effizienter zu nutzen, um unser Wirtschafts- und Produktionssystem nachhaltiger zu gestalten.

Kurz: Digitalisierung leistet einen Beitrag zum Klimaschutz“, betont Hubert Hasenauer, Rektor der Unversität für Bodenkultur Wien (BOKU) anlässlich des Programmstarts am 31. Oktober im Universitäts- und Forschungszentrum der BOKU in Tulln.  

Die Digitalisierung ist ein Thema, das innerhalb der Veterinärmedizinische Universität Wien mit unterschiedlichem Fokus bearbeitet wird: von der Wildtierforschung bis hin zur Prävention von Erkrankungen der Nutztiere.

„Als Partner im Programm DiLaAg können wir unsere Erfahrung sowohl in der Anwendung digitaler, Sensor-basierter Technologien zum Monitoring landwirtschaftlicher Nutztiere als auch unser Know-How an der Schnittstelle zwischen Veterinärmedizin und Landwirtschaft einbringen.

Gleichzeitig wollen wir auch von den Erfahrungen der beteiligten Partner profitieren“, so Marc Drillich, Leiter der Bestandsbetreuung beim Wiederkäuer der Klinik für Wiederkäuer an der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

Zentrale Rolle der Landwirtschaft bei Welternährung und Klimaschutz

Franz-Josef Radermacher ist langjähriges Mitglied des Club of Rome und einer der gefragtesten Keynote-Speaker, wenn es um die Themen Nachhaltigkeit und Globalisierung geht: „Im Jahr 2050 wird es auf der Erde 10 Milliarden Menschen geben. Der Agrarsektor ist von zentraler Bedeutung, wenn es um die Ernährung der weiter rasch wachsenden Weltbevölkerung geht.

Die Landwirtschaft ist aber auch die Lösung des Weltklimaproblems, denn Böden und Wälder sind keine Kohlenstoffquellen, sondern Kohlenstoffsenken. Deshalb erachte ich das DiLaAg-Programm für so wichtig."

KI, Big-Data-Analysen und Co. werden Landwirtschaft revolutionieren

Die interdisziplinäre Forschung auf dem Gebiet der Präzisionslandwirtschaft und Frühwarnsystemen wird eine erhöhte Stabilität der Produktion in der Landwirtschaft gewährleisten. Neue und aufkommende Technologien, einschließlich Künstlicher Intelligenz und Big-Data-Analysen werden höchst signifikante Auswirkungen auf die Pflanzen- und Tierhaltung der Zukunft haben.

„Die angewandte Forschung auf dem Gebiet Big Data, Internet der Dinge, Fernerkundung, Drohnen und künstliche Intelligenz werden die Präzisionslandwirtschaft revolutionieren und eine signifikante Verringerung der agrochemischen Beigaben ermöglichen“, betont A Min Tjoa, Institutsleiter für Software und Technology an der TU Wien

Große Erwartungen an universitätsübergreifende Zusammenarbeit

Es liegt in der Verantwortung der Wissenschaft, die Chancen und Risiken neuer Technologien im Dienst der Gesellschaft fundiert, neutral und verlässlich zu erforschen.

Das gilt auch für das Themenfeld Digitalisierung in der Landwirtschaft. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir die großen Herausforderungen und Erwartungen durch die universitätsübergreifende interdisziplinäre Zusammenarbeit meistern werden“, so DiLaAg-Projektleiter Andreas Gronauer, Institutsvorstand für Landtechnik am Department für nachhaltige Agrarsysteme.

„Ein Anfang ist getan. Ich wünsche allen, dass die Projekte zügig Fahrt aufnehmen, die DissertantInnen von vielen Seiten Interesse erfahren - und dass DiLaAg zukünftig weitere Unterstützung erfährt.“

Themen Dissertationsprojekte

  • Datenbasierte, vernetzte Prozessführung in der Agrartechnik
  • Online Erfassung von Bestandsparametern für die Präzisionslandwirtschaft
  • Aufarbeitung und Bereitstellung von Daten von Feldversuchen
  • Zusammenführung heterogener IT-Systeme und Datenbestände in der Landwirtschaft
  • Deep Learning in der Landwirtschaft
  • Einsatz von digitalen Sensoren zur Darstellung des Nutzens und der Nachverfolgbarkeit des Weidegangs von Milchkühen

Standorte

Neben dem Hauptstandort am Universitäts- und Forschungszentrum der BOKU in Tulln und den landwirtschaftlichen Fläche auf der Versuchswirtschaft Groß Enzersdorf wird auch in den Laboren und Versuchsställen am Versuchsgut Kremesberg und in den Laboren am ISIS (Institute of Software Technology and Interactive Systems) geforscht.



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