Echinokokkose – viel Aufregung um eine seltene Zoonose

(14.08.2015) Das Risiko einer Echinokokkose ist in Deutschland vergleichsweise gering. Durchschnittlich werden im Jahr 70 menschliche Erkrankungsfälle von zystischer Echinokokkose beim Robert Koch-Institut (RKI) erfasst.

Etwa 25 Erkrankungen entfallen auf die alveoläre Echinokokkose. Bei rund 15 weiteren Betroffenen erfolgt keine differenzierte Diagnose. Damit gehört die Echinokokkose hierzulande zu den seltenen Infektionskrankheiten. Um das Risiko weiter zu minimieren, helfen in erster Linie einfache Hygiene-Maßnahmen.

Hundenase; Bildquelle: Merial

Statt Panikmache sollten ein vernünftiger Umgang mit dem Thema und eine risikoorientierte Beratung an die erste Stelle rücken.

Etwa zwei Drittel der gemeldeten Erkrankungen gehen auf das Konto des Kleinen Hundebandwurms (Echinococcus granulosus), der die zystische Echinokokkose auslöst. Dabei geht das RKI davon aus, dass zum großen Teil Migranten betroffen sind, die sich in ihren Herkunftsländern infiziert haben.

Denn E. granulosus kommt in Europa hauptsächlich in den Mittelmeerländern vor – insbesondere dort, wo Schafhaltung verbreitet ist. Menschen infizieren sich über die orale Aufnahme von Eiern durch direkten Kontakt mit kontaminierter Erde, dem Hundefell oder den Verzehr belasteter Nahrungsmittel.

Haltungsbedingungen und Ernährung entscheidend

Der Kleine Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) ist hingegen in Zentral- und Osteuropa endemisch. In Deutschland sind vor allem die ländlichen Regionen der südlichen Bundesländer betroffen. Hauptwirt ist der Rotfuchs, Zwischenwirte sind Nagetiere.

In einzelnen Fällen erkranken Hunde und Menschen, seltener auch Katzen, an der alveolären Echinokokkose. Dabei infizieren sich Hunde vor allem durch den Verzehr von Nagetieren, Menschen infolge von Kontakt mit kontaminierter Erde, Füchsen oder Hunden, an deren Fell die Eier haften können.

Da es in beiden Fällen zur oralen Aufnahme der Eier kommen muss, lässt sich eine Erkrankung durch die Einhaltung allgemeiner Hygiene-Maßnahmen – insbesondere Hände- und Nahrungsmittelhygiene – verhindern,  zum Beispiel durch gründliches Händewaschen nach der Gartenarbeit oder dem Spielen im Sandkasten.

Bei Hunden sind Haltungsbedingungen und Ernährung von entscheidender Bedeutung dafür, ob sich der Vierbeiner mit Bandwürmern infizieren kann.

Rohes Fleisch vor dem Füttern ausreichend lange einfrieren

Die Befallsrate bei Hunden mit E. granulosus liegt in Deutschland laut dem Expertengremium ESCCAP bei unter 0,3 Prozent und spielt damit eine untergeordnete Rolle gegenüber anderen Wurmerkrankungen.1

Eine Infektion erfolgt hauptsächlich über den Verzehr von Schlachtabfällen, wenn diese vorab nicht erhitzt oder ausreichend tiefgefroren worden sind (1 Woche bei -17 bis -20°C). Ein erhöhtes Infektionsrisiko tragen Jagdhunde sowie Hunde, die unbeaufsichtigt Auslauf haben und Innereien oder Beutetiere fressen.

Auf Hygiene achten: Hundekot sofort entsorgen

Um das Risiko eines Bandwurmbefalls der Umwelt weiter gering zu halten, sollten möglichst keine Hunde aus den südlichen Ländern nach Deutschland gebracht werden. Als zusätzlicher Schutzfaktor für Mensch und Hund gilt: Hundekot regelmäßig und schnell entfernen, um eine Kontamination der Umgebung zu verhindern.

Der Kot sollte beim Spaziergang wie auch im Garten sofort ohne direkten Kontakt aufgesammelt und in einer verschlossenen Tüte über den Hausmüll entsorgt werden. In vielen Parks sind dafür entsprechende Spender mit Kottüten aufgestellt.

Hundebesitzer, die diese Ratschläge berücksichtigen, tragen deutlich zur Reduktion des allgemein geringen Echinokokkose-Risikos bei.

Weitere Informationen finden Sie unter www.rki.de und www.esccap.de.


1 Deutsche Adaption der ESCCAP-Empfehlung Nr.1, Juli 2014: Bekämpfung von Würmern (Helminthen) bei Hunden und Katzen, S. 10




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