Sturz über schlafenden Hund begründet Tierhalterhaftung

(05.06.2013) Ein Hund einer Verkäuferin, der sich eigenmächtig in den einzigen Eingangsbereich eines Ladengeschäfts begeben hat und dort so ruht, dass er den Zugang zum Geschäft versperrt, stellt ein gefährliches Hindernis dar.

Verletzt sich ein Kunde beim Verlassen des Geschäfts, weil er über den Hund stürzt, haftet die Hundebesitzerin als Tierhalterin. Das hat der 19. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Hamm mit Urteil vom 15.02.2013 entschieden und insoweit die erstinstanzliche Entscheidung des Landgerichts Hagen abgeändert.

Die 61jährige Klägerin aus Gummersbach kaufte am 28.08.2009 in einem Reitsportgeschäft in Meinerzhagen ein, in dem die Beklagte als Verkäuferin beschäftigt war.

Beim Verlassen des Geschäfts stürzte die Klägerin über die im Eingangsbereich liegende Schäferhündin der Beklagten. Als Hundehalterin nahm die Beklagte ihre Hündin mit Zustimmung des Geschäftsinhabers regelmäßig ins Ladengeschäft mit.

Am Unfalltag hatte sich die Hündin eigenmächtig in den ca. 1,5 m von der Kasse entfernten Eingangsbereich begeben und ruhte dort so, dass sie den Zugang zum Geschäft so gut wie versperrte.

Sie war von der Klägerin, hinter deren Rücken sie lag, übersehen worden, als sich die Klägerin nach dem Bezahlen an der Kasse zum Ausgang begeben hatte.

Durch den Sturz zog sich die Klägerin eine schwere Knieverletzung zu, für die sie von der Beklagten Schadensersatz verlangt, u.a. ein Schmerzensgeld in der Größenordnung von 15.000 €.

Die Beklagte hat gemeint, dass keine Tierhalterhaftung eingreife und die Klägerin den Sturz aufgrund ihrer Unaufmerksamkeit selbst verschuldet habe.

Der 19. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Hamm hat die Voraussetzungen einer Tierhalterhaftung gemäß § 833 BGB bejaht und die Beklagte dem Grunde nach zum umfassenden Schadensersatz verurteilt.

Mit dem Sturz der Klägerin habe sich eine einem Tier typischerweise anhaftende Gefahr verwirklicht, die auf der Unberechenbarkeit und Selbstständigkeit tierischen Verhaltens beruhe.

Die Schäferhündin sei ein gefährliches Hindernis gewesen, weil sie sich ohne Rücksicht auf das Publikum in den Geschäftszugang begeben und dort geruht habe.

Ein solch unbekümmertes Verhalten entspreche der tierischen Natur. Das begründe die Tierhalterhaftung. Insoweit sei nicht darauf abzustellen, dass die Hündin schlafend und damit regungslos auf dem Boden gelegen habe, als die Klägerin über sie gestürzt sei.

Ein Mitverschulden der Klägerin sei nicht zu berücksichtigen, weil die Hündin für die Klägerin schwer wahrnehmbar gewesen sei.

Demgegenüber habe die Beklagte den Unfall fahrlässig verschuldet, weil sie die Klägerin weder gewarnt noch den Hund aus dem Eingangsbereich weggeschafft habe, obwohl sie mit ihm dort an seinem Lieblingsplatz rechnete.

Rechtskräftiges Urteil des 19. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Hamm vom 15.02.2013 (19 U 96/12)

Christian Nubbemeyer, Pressedezernent




Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

MyVetlearn

MyVetlearn: Einsatz des Ultraschalls beim Heimtier

In Modul 9 der eLearning-Reihe von Vetion.de und ATF Bildgebende Verfahren geht der Heimtierspezialist PD Dr. Sven Reese von der LMU München auf den Einsatz des Ultraschalls beim Heimtier ein
Weiterlesen

Vorstand des Bundesverbandes der beamteten Tierärzte e. V. wiedergewählt

Vorstand des Bundesverbandes der beamteten Tierärzte e. V. wiedergewählt

Anlässlich der Sitzung des erweiterten Vorstandes des  Bundesverbandes der beamteten Tierärzte e. V. am 30. September 2018 in Bagnoles de l´Orne war die Wahl des Vorstandes für die nächste vierjährige Amtszeit ab 1. Januar 2019 durchzuführen
Weiterlesen

EAVH

Onkologie in der Homöopathie, praktische Erfahrung statt reiner Theorie

Die EAVH veranstaltet am 27. und 28. Oktober 2018 eine Fachfortbildung zum Thema „Onkologie in der Homöopathie, praktische Erfahrung statt reiner Theorie" in Schwechat-Mannswörth bei Wien
Weiterlesen

Forderte praxistaugliche Lösungsansätze in der Tiermedizin: DBU-Generalsekretär Alexander Bond; Bildquelle: Deutsche Bundesstiftung Umwelt

Alternativen für Antibiotika bei Nutztieren Vorzug geben

Mit der Initiative „Nachhaltige Pharmazie“ werden praxisnahe Lösungsansätze dieses globalen Problems von der DBU fachlich und finanziell gefördert
Weiterlesen

Bundestierärztekammer

Experte: Die betäubungslose Ferkelkastration ist verfassungswidrig

Beim Fachgespräch im Bundestag am 10.10.2018, das von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen organisiert wurde, gab es eine erhellende Erkenntnis
Weiterlesen

Dr. Tino Pleiner und Prof. Dr. Dirk Görlich; Bildquelle: Max-Planck-Gesellschaft

Tierschutzforschungspreis für Dirk Görlich und Tino Pleiner

Dirk Görlich und Tino Pleiner vom Max-Planck-Institut (MPI) für biophysikalische Chemie in Göttingen erhalten den Tierschutzforschungspreis des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)
Weiterlesen

Arbeitsgemeinschaft Welpenhandel

Arbeitsgemeinschaft Welpenhandel warnt vor illegalem Internethandel

Anlässlich des Welthundetags am 10. Oktober warnt die Arbeitsgemeinschaft Welpenhandel davor, Welpen über das Internet zu kaufen
Weiterlesen

Magazin

Firmennews

Neuerscheinungen