Fachdiskurs bestätigt tierärztliches Dispensierrecht

(07.12.2014) Auf Einladung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat am 4. Dezember 2014 in Berlin ein Fachdiskurs zur Überprüfung des tierärztlichen Dispensierrechts stattgefunden.

Auf Grundlage eines vom BMEL an die renommierte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG in Auftrag gegebenen unabhängigen Gutachtens bestand für alle an dem Thema Interessierten Gelegenheit, über die Vor- und Nachteile des Dispensierrechts zu diskutieren.

Am Ende der rund sechsstündigen, sehr ernsthaft und sachlich geführten Diskussion mit rund 100 Vertretern aus Bundestag, Länderministerien, Überwachungsbehörden, Tierärzteschaft, Landwirtschaft, pharmazeutischer Industrie, Apotheken, Wissenschaft, Tier-, Umwelt- und Verbraucherschutzverbänden stand ein mehr als eindeutiges Ergebnis: Das Dispensierrecht in seiner jetzigen Form hat sich bewährt und soll erhalten bleiben.

Die Diskussion habe deutlich werden lassen, so die Parlamentarische Staatssekretärin im BMEL, Dr. Maria Flachsbarth, dass das Dispensierrecht nicht die richtige Stellschraube sei, um antimikrobielle Resistenzen zu bekämpfen.

Vielmehr könne eine Reduktion des Antibiotikaeinsatzes nur durch die Verbesserung der Tiergesundheit erreicht werden. Im Mittelpunkt müsse die tierärztliche Bestandsbetreuung stehen, die mit der 16. AMG-Novelle weiter gestärkt werde. Gleichwohl müsse eine nachhaltige Antibiotikareduktion, vor allem im Bereich der Reserveantibiotika, erreicht werden.

Dazu wie auch zur Umsetzung des staatlichen Minimierungskonzepts und zu einer Verbesserung des Verschreibungsverhaltens hatten sich die sieben bpt-Vertreter, eine der größten Delegationen, klar und deutlich bekannt.

Neben der bpt-Delegation sprachen sich vor allem auch die Vertreter der Überwachungsbehörden und der Wissenschaft sehr deutlich für das Dispensierrecht aus. Lediglich das Bundesland Nordrhein-Westfalen votierte für eine Abschaffung.

Staatssekretärin Flachsbarth machte zum Ende der Veranstaltung deutlich, dass das eindeutige Ergebnis des Fachdiskurses Niederschlag in der BMEL-Strategie finden und mit Sicherheit auch einen ganz wesentlichen Einfluss auf die Entscheidungen in Bundestag und Bundesrat haben werde.

Im Anschluss an die Tagung betonte bpt-Präsident Dr. Hans-Joachim Götz, nicht nur das Gutachten, sondern auch der Fachdiskurs habe ganz eindeutig gezeigt, dass das tierärztliche Dispensierrecht unverzichtbar sei.

„Eine Abschaffung wäre reine Symbolpolitik, ohne erkennbaren Nutzen für die Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen“, verdeutlichte Götz. Die seit Jahren andauernde Diskussion müsse nun ein Ende haben. Er hoffe, dass die Bundesregierung mit diesem eindeutigen Votum im Rücken nun auch bei den Verhandlungen im Europäischen Rat zum EU-Tierarzneimittelrecht klare Kante zeige.
 



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