bpt: Antibiotikaresistenzen lassen sich nicht durch Panikmache vermeiden

(09.03.2015) „Vorsicht vor dem Hunde! – Auch im Freien und im Haus gehaltene Tiere können resistente Keime in sich tragen, wenn Sie oft zum Tierarzt gehen“.

So lauteten Titel und Bildunterschrift eines Artikels in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Anfang vergangener Woche über den vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) veröffentlichten Bericht zur Resistenzsituation verschiedener bakterieller Erreger bei Nutz- und Heimtieren in Deutschland.

„Einen überwiegend sachlichen Beitrag nahezu ohne Bezug zum Inhalt derart reißerisch und sinnentstellt zu betiteln, ist nicht nachvollziehbar“, kritisiert der Präsident des Bundesverbandes Praktizierender Tierärzte, Dr. Hans-Joachim Götz. Hundebesitzern wird damit suggeriert, ihr Tier infiziere sich in der Tierarztpraxis mit multiresistenten Staphylokokken (MRSA) und stelle damit eine Gefahr dar.

„Das kann dazu führen, dass Erkrankungen bei Hunden zu spät oder schlimmstenfalls gar nicht mehr behandelt werden können, weil sich die Besitzer scheuen, mit ihrem Tier rechtzeitig zum Tierarzt zu gehen“, so Götz.

Zu allem Überfluss wird die Fehlinformation von Titel und Bildunterschrift komplettiert durch die Angabe im Artikel, 55 Prozent der untersuchten rund 2.500 Stichproben enthielten MRSA von Hunden. Ein Trend nach oben sei zu beobachten.

Das alles bestätigt der Resistenzbericht jedoch nicht. Tatsächlich wurden im Rahmen der Gesamtuntersuchung lediglich 25 Stichproben aus Hautinfektionen von Hunden untersucht. Bei rund 14 davon fanden sich MRSA. Die im Artikel angegebenen 55 Prozent beziehen sich also lediglich auf 25 Proben.

Deshalb wird im Resistenzbericht explizit darauf hingewiesen, dass aufgrund der geringen Anzahl der untersuchten Proben kaum gesicherte Aussagen zu Veränderungen im Resistenzverhalten möglich waren.

„Fast hat es den Anschein, als beabsichtige man die Öffentlichkeit hinsichtlich ihrer Risikowahrnehmung jetzt in eine andere Richtung zu lenken“, mutmaßt Götz. Wurde doch gerade erst zu Anfang des Jahres durch die Studie des Bundesinstituts für Risikobewertung festgestellt, dass deutsche Verbraucher entgegen der Realität mehrheitlich die Nutztierhaltung als Ursache für Antibiotikaresistenzen ansehen und die Frage aufgeworfen, ob dies medial beeinflusst sei. Folgt jetzt ein Schwenk zum Hobbytier?

Tatsache ist, dass die Häufigkeit bakterieller Krankheitserreger mit einer Resistenz gegen Antibiotika in den letzten 20 Jahren weltweit deutlich zugenommen hat. Überall dort, wo Antibiotika angewendet werden, kann es zur Selektion bereits bestehender Resistenzen kommen und neue Resistenzmechanismen können begünstigt werden. Human- und Veterinärmedizin sind gleichermaßen betroffen und folglich alle Menschen und Tiere.

Das ist nichts Neues mehr. Auch die Untersuchung der Resistenzsituation bei Heimtieren ist nicht neu. Bereits seit dem Studienjahr 2006/2007 untersucht das BVL auch Proben von Hobbytieren. Bekannt durch andere Untersuchungen ist auch, dass MRSA zwischen Mensch und Hobbytier in beide Richtungen übertragen werden können.

„Statt vor dem Hund zu warnen, wäre es daher viel wichtiger und vor allem sinnvoller, die Öffentlichkeit darüber aufzuklären, wie jeder Einzelne durch geeignete Hygienemaßnahmen und sachgerechte Anwendung von verschriebenen Antibiotika gemäß Vorgaben seines Arztes oder Tierarztes bei sich selbst bzw. seinem Tier die Entstehung und Verbreitung resistenter Erreger vermeiden kann“, betont der bpt-Präsident.





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