Veterinärmedizin kreuzt Humanmedizin: Regenerative Therapien unter der Lupe

(29.09.2015) Der Einsatz von Therapien der Regenerativen Medizin, insbesondere der Zell- und Stammzelltherapie, gewinnt in Human- und Veterinärmedizin zunehmend an Bedeutung und wird umfangreich diskutiert.

In der Anwendung regenerativer Therapien nimmt die Veterinärmedizin eine führende Position ein und zeigt Entwicklungen auf, die maßgeblich auch die Humanmedizin beeinflussen.

8. Leipziger Tierärztekongress Als Pionierpatient in der Regenerativen Medizin kann das Pferd angesehen werden, da mit dieser Spezies bereits Anfang der 2000er Jahre erste erfolgreiche Verfahren durchgeführt werden konnten.

Der 8. Leipziger Tierärztekongress (14. bis 16. Januar 2016) beschäftigt sich daher im Forensischen Symposium „Rechtliche Aspekte zur Zell- und Stammzelltherapie in der Veterinärmedizin“ am 14. Januar 2016 unter anderem mit der Problematik der Anwendung von Blut- und Zellprodukten sowie der regenerativen Therapie beim Pferd und der rechtlichen Situation bei deren Anwendung.

„Die Tierärzte sind bemüht, ihren Patienten stets die bestmögliche Therapie zukommen zu lassen. Durch die wissenschaftliche Entwicklung im Bereich der Regenerativen Medizin mit Berichten über günstige Wirkungen dieser neuartigen Behandlungsmethoden wird die Veterinärmedizin vor Herausforderungen gestellt.

Denn die Nachfrage seitens der Tiereigentümer ist groß, diese Methoden bei ihren Tieren anzuwenden. Einerseits besteht der Anspruch mit der Wissenschaft Schritt zu halten und Therapien anzuwenden, die häufig noch nicht im Sinne des Arzneimittelrechtes zugelassen sind, andererseits ist der Veterinärmediziner aber den Gesetzen verpflichtet“, erklärt Prof. Dr. Walter Brehm, Fachtierarzt für Pferde und Pferdechirurgie an der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig.

Prof. Dr. Brehm gibt in seinem Vortrag „Regenerative Therapie beim Pferd“ einen Überblick über die verschiedenen Konzepte der Regenerativen Medizin, insbesondere derjenigen, die in der Veterinärmedizin Anwendung finden.

Dabei geht es jedoch nicht nur um (Stamm-)Zelltherapieformen, sondern auch um die Therapie mit Blutprodukten wie Platelet Rich Plasma (PRP) oder Autologous Conditioned Serum (ACS). Mit diesem Überblick eröffnet er einen Diskussionsrahmen zur rechtlichen Situation der regenerativen Therapie, die durch den Diplomjuristen Timo Faltus beleuchtet wird.

Pionierpatient Pferd

Mittlerweile haben Verfahren der regenerativen Medizin einen festen Platz in der Pferdemedizin. Die vergangenen 15 Jahre waren geprägt von ersten Einsätzen der Transplantation autologen Knochenmarks und der Einführung der MSC-Therapie von Sehnenerkrankungen des Pferdes.

Darüber hinaus stieg das Interesse an der Regenerativen Medizin und ihren Möglichkeiten sowie die Anzahl an wissenschaftlichen Arbeiten und klinischen Studien.

Prof. Dr. Brehm ist davon überzeugt, dass die Regenerative Medizin auch zukünftig einen wichtigen Stellenwert in der veterinärmedizinischen Entwicklung behält und durch die weiter führenden wissenschaftlichen Bemühungen verbessert wird.

Neben der Anwendung regenerativer Therapieverfahren in der Pferdemedizin werden zunehmend auch Kleintiere behandelt. Schmerzen bei Gelenk- oder Sehnenbeschwerden können beispielweise durch Stammzelltherapie gelindert werden.

Anhand eines Beispiels erläutern Prof. Dr. Leo Brunnberg und Maike van Staa von der Veterinärmedizinischen Fakultät der Freien Universität Berlin die Möglichkeiten der „Regenerativen Therapie beim Kleintier“.

Regenerative Medizin als integrativer Ansatz

Umwelteinflüsse, die neuzeitliche Lebensmittelproduktion und der enge Kontakt zwischen Mensch und Tier beeinflussen das Gesundheitsmanagement maßgeblich. Zukunftsfähige Lösungen zur Eindämmung auftretender Krankheiten verlangen eine enge Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Disziplinen sowie einen integrativen Ansatz.

Unter dem Stichwort One Health werden sowohl die Humanmedizin als auch die Veterinärmedizin mit der Umwelt, der Lebensmittel- und Ernährungssicherheit sowie der Landwirtschaft vereint.

Einen Baustein dieses Integrationsgedanken stellen die verschiedenen regenerativen Therapien dar. Der 8. Leipziger Tierärztekongress beleuchtet dahingehend „Indikationen und regulatorische Aspekte von zellulären Therapien beim Menschen“, referiert von Prof. Dr. Dr. Dietger Niederwieser von der Abteilung für Hämatologie und Internistische Onkologie der Universität Leipzig.

„Die Entwicklung der Regenerativen Medizin ist eng mit Tier und Veterinärmediziner verbunden. Regenerativmedizinische Verfahren werden häufig an Tieren entwickelt und können hier oft schneller als am Menschen eingesetzt werden“, so Brehm.

„Als eines der dynamischsten Gebiete der medizinischen Entwicklung wird die Regenerative Medizin die Veterinär- mit der Humanmedizin künftig immer enger verbinden und dabei helfen, den One-Health-Gedanken weiter zu entwickeln.“

Leipziger Tierärztekongress und vetexpo

Der Leipziger Tierärztekongress und die Messe vetexpo werden von der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig, den sechs Tierärztekammern der Bundesländer Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie der Leipziger Messe GmbH veranstaltet.

4.400 Tierärzte, Tiermedizinische Fachangestellte und Studenten der Veterinärmedizin sowie 400 Referenten kamen zur vergangenen Veranstaltung vom 16. bis 18. Januar 2014 nach Leipzig.

Auf der größten veterinärmedizinischen Industrieausstellung Deutschlands, vetexpo präsentierten sich am 17. und 18. Januar insgesamt 190 Unternehmen mit Produkten und Dienstleistungen in den Bereichen Arzneimittel, Medizintechnik, Diagnostika, Instrumente sowie Tierernährung/Diätetik, moderner Praxiseinrichtung, EDV oder Fachliteratur.

Öffnungszeiten und Tickets

Der Leipziger Tierärztekongress findet vom 14. bis 16. Januar 2016 von 8.00 bis 18.00 Uhr statt. Die Industrieausstellung vetexpo hat am Freitag, 15. Januar und Samstag, 16. Januar 2016 ebenfalls von 8.00 bis 18.00 Uhr geöffnet.

Für den Kongress sind sowohl Dauer- als auch Tageskarten buchbar. Ermäßigungen sind unter anderem für Studenten, Rentner, Erwerbslose, Tiermedizinische Fachangestellte sowie Tierärzte in Elternzeit erhältlich. Buchungen sind ab September 2015 über den Online-Ticketshop möglich.

Schnell sein lohnt sich, denn bis zum 15. Dezember 2015 sind die Dauerkarten mit einem Frühbucherrabatt erhältlich. Die Kongresskarten enthalten neben der Teilnahme am Kongressprogramm den Besuch der vetexpo, die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs am Gültigkeitstag für die An- und Abreise zum / vom Leipziger Messegelände in den Tarifzonen 110, 151, 156, 162, 163, 168, 210, 225 sowie den freien Eintritt zur Messe PARTNER PFERD.

Interessierte, die nicht die Kongressvorträge, sondern ausschließlich die vetexpo besuchen möchten, können ein Tagesticket für 15,00 Euro erwerben. Auch im Messeticket ist die Nutzung des ÖPNV am Gültigkeitstag für die An- und Abreise zum / vom Leipziger Messegelände in den Tarifzonen 110, 151, 156, 162, 163, 168, 210, 225, die Teilnahme an Ausstellersymposien und der Besuch der PARTNER PFERD inklusive.




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