Ein zoonotischer Erreger verabschiedet sich – aber sein Nachfolger kommt bestimmt

(27.07.2011) Nationale Forschungsplattform für Zoonosen zieht Resümee des EHEC/HUS O104:H4 Ausbruchs: Grundlage der raschen Forschungserfolge ist die immer besser vernetzte Zusammenarbeit von Human- und Veterinärmedizin

Nationale Forschungsplattform für Zoonosen Mehrere Monate hielt die EHEC-Epidemie Deutschland in Atem, seit gestern betrachtet das Robert Koch-Institut den jüngsten EHEC-Ausbruch als beendet. Insgesamt 4.321 EHEC/HUS-Fälle mit 50 tödlichen Verläufen wurden seit Mitte Mai 2011 in Deutschland gemeldet.

EHEC wird klassischerweise – vergleichbar mit Influenza und SARS – den Zoonosen zugeordnet, also Infektionskrankheiten, die vom Tier auf den Menschen oder umgekehrt übertragen werden.

Rückblickend zeigt sich beim EHEC-Ausbruch, dass die vernetzte Forschung von Human- und Veterinärmedizin Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Bekämpfung von zoonotischen Infektionskrankheiten ist.

Denn die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die innerhalb kürzester Zeit ein spezifisches Nachweisverfahren etablieren konnten, arbeiten seit mehreren Jahren im Forschungsverbund „Food-borne Zoonotic Infections of Humans“ (FBI-Zoo) deutschlandweit zusammen.

Die Wissenschaftler dieses Verbundes sind gleichzeitig im Dachverbund „Nationale Forschungsplattform für Zoonosen“ organisiert.

Auch die in Rekordzeit veröffentlichten Ergebnisse der Genomanalyse des Stamms O104:H4 der münsterschen Arbeitsgruppe um PD Dr. Alexander Mellmann, Prof. Dr. Dag Harmsen und Prof. Dr. Dr. h. c. Helge Karch waren nur durch diese systematische Vernetzung von Human- und Veterinärmedizin im Verbund möglich, so die Nationale Forschungsplattform für Zoonosen.

Dabei decodierte die Arbeitsgruppe mithilfe innovativer Sequenzierungsmethoden (next generation sequencing) das Erbgut noch während des Ausbruchs und hatte damit die Nase im globalen Wettlauf vorn.

„Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit, unter Einbindung von universitären Forschungsgruppen und Ressortforschungseinrichtungen, konnten wir im Laufe der letzten Jahre im Verbund einen qualitativen und quantitativen Forschungssprung erzielen.

Während wir noch Ende des letzten Jahrhunderts nach dem Zufallsprinzip Proben gesammelt und analysiert haben, identifizieren wir in dem Verbund nun gezielt mögliche Erreger beziehungsweise Eintragsquellen und die zugrunde liegenden Infektionsketten“, so Prof. Dr. Lothar Wieler, Koordinator des Forschungsverbundes FBI-Zoo.

Der Vorteil der engen Zusammenarbeit von Human- und Veterinärmedizin besteht darin, nicht nur hochkomplexe Analyseverfahren und fachübergreifende Datensammlungen zu etablieren, sondern auch Kommunikationslücken zu identifizieren und zu überwinden.

Dieser interdisziplinäre, institutionsübergreifende Ansatz zieht sich wie ein roter Faden durch die Zoonosenforschung, die in Deutschland durch die Forschungsverbünde zu zoonotischen Infektionskrankheiten und die Nationale Forschungsplattform für Zoonosen repräsentiert wird.

„Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützten Verbundstrukturen haben maßgeblich zur effizienten Aufklärung des EHEC-Ausbruchs beigetragen“ zieht Prof. Dr. Reinhard Burger, Präsident des Robert Koch-Instituts, Resümee. „Isolierte Forschungsansätze allein reichen bei der Bekämpfung von zoonotischen Infektionskrankheiten nicht aus. Wir müssen die interdisziplinäre Zusammenarbeit weiter vertiefen.“

Denn in einem Punkt sind sich alle Expertinnen und Experten einig – nach dem Ausbruch ist vor dem Ausbruch. Es gibt keinen vollständigen Schutz vor zoonotischen Infektionskrankheiten.

Aber durch intensive Forschung lassen sich die Wahrscheinlichkeiten für zukünftige Epidemien reduzieren und im Falle eines Ausbruchs unmittelbar Bekämpfungsmaßnahmen anwenden. Somit dienen Investitionen in die Zoo




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