Vogelbestäuber im Südafrikahaus

(26.02.2024) Der Frühling kündigt sich an im Botanischen Garten der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. An vielen Stellen schaut schon der lilafarbene Dalmatiner Krokus (Crocus tommasinianus) aus der Erde und auch der sonnengelbe Huflattich (Tussilago farfara) ist zu finden.


Die außergewöhnlichen Blüten der Paradiesvogelblume (Strelitzia reginae) sind speziell für die Bestäubung durch Vögel aufgebaut: Setzt sich ein Vogel auf das blaue Blatt, öffnet sich dieses durch das Gewicht und gibt die Bestäubungsorgane (weiß) frei.

Gelb blüht ebenfalls die Japanische Zaubernuss (Hamamelis japonica). An verschiedenen Stellen im Außengelände blühen mehrere Arten der Nieswurz, zartlila die Orientalische Nieswurz (Helleborus orientalis), grünlich-weiß die Korsische Nieswurz (Helleborus argutifolius).

„Spannend ist jetzt der Blick ins Geäst der kahlen Laubbäume,“ sagt Dr. Sabine Etges, wissenschaftliche Leiterin des Botanischen Gartens, „denn jetzt erkennt man die Struktur des Geästs und des Stamms sehr gut. Dies fällt besonders bei der Süntelbuche (Fagus sylvatica ‚Tortuosa‘) auf.“ 

Der wissenschaftliche Beiname bezieht sich auf ihren windungsreichen Wuchs: vom lateinischen „tortuosus“, übersetzt „voller Windungen“. Der deutsche Name weist auf einen Höhenzug im Weserbergland hin, in dem es bis Mitte des 19. Jahrhunderts einen großen Wald mit diesen Buchen gab.

An vielen Bäumen findet sich ein Flechtenbewuchs, der einen zweiten Blick lohnt. Etges sagt: „Flechten sind Organismen aus Pilzen und Grünalgen oder photosynthesetreibenden Bakterien, die in Symbiose leben.“ 

Die gelbe Flechte Xanthoria parietina bildet kleine runde Scheiben. Dies sind die Fruchtkörper (Apothecien) des Pilzes, in denen er Sporen zur Verbreitung entwickelt. „Diese Flechtenart enthält Grünalgen, die die Fotosynthese leisten. Die gelbe Färbung beruht auf dem Pigment Parietin, das auch als Sonnenschutz dient“, so Etges beim Blick auf die Äste einer kleinen Magnolie.

Ein seltener Anblick bietet sich im Apothekergarten: Hier blüht gerade die Harry-Potter-Fans bekannte Echte Alraune (Mandragora officinarum), deren alkaloidhaltiger Wurzelextrakt früher als Schlafmittel und Aphrodisiakum genutzt wurde. Die jungen Pflanzen wachsen gerade aus dem Herbstlaub hervor. 

Etges: „Die pelzigen, grau-lila Blüten werden schon bald von den kräftigen Blättern umringt werden, bis diese Blätter dann den Schnecken zum Opfer fallen.“

Besonders empfehlenswert ist aktuell der Weg ins Südafrikahaus, wo viele Pflanzen in Blüte stehen. Auf eine Besonderheit der südafrikanischen Pflanzen weist Sabine Etges hin: „Im Gegensatz zu unseren Gefilden dienen in Südafrika sehr oft Vögel als Bestäuber, die Blüten sind entsprechend dafür gebaut.“

Eindrucksvoll sieht man dies an der Paradiesvogelblume (Strelitzia reginae): Deren markant geformte große Blüten besitzen ein spezielles blaues Blatt, das sich öffnet und die Bestäubungsorgane freigibt, sobald sich ein Vogel darauf niederlässt. Während er Nektar trinkt, setzen sich die Pollen im Gefieder fest und werden so zur nächsten Blüte getragen.
Weitere Vertreter der vogelbestäubten Pflanzen sind Greyia sutherlandii und die Aloe (Aloe plicatilis). 

Diese Aloe-Art mit ihren markanten Blütenständen stammt aus der Kapregion Südafrikas und wächst dort nur in einem sehr kleinen Gebiet, „sie ist eine botanische Rarität“, wie Etges betont.

Viele der Gewächse werden in ihren Herkunftsregionen mannigfaltig genutzt. Etges: „Die Myrtenblättrige Kreuzblume (Polygala myrtifolia) mit ihren weiß-lila Blüten ist bei uns eine beliebte Kübelpflanze, in Südafrika kennt man ihre antimikrobielle Wirkung. Die Rinde wurde zum Beispiel zur Reinigung von Toten vor der Beisetzung genutzt.“ 

Die Strelitzia ist ebenfalls als Heilpflanze bekannt und in der Gartengestaltung beliebt. Die Wurzeln von Greyia enthalten eine Substanz gegen Erbrechen, und aus der Echten Clivie (Clivia nobilis) kann Lycovin gewonnen werden, das antibakterielle und antivirale Effekte hat.

Eine weitere Besonderheit der Kapregion sind die Heidepflanzen (Erica). Während diese in Deutschland vor allem bodennah zwergstrauchig wachsen, bilden sie in Südafrika hohe Sträucher oder sind sogar baumartig. Im Botanischen Garten wächst üppig die strahlendweiß blühende Erica canaliculata ‚Mrs. D.F. Maxwell‘ als breite, über drei Meter hohe Hecke sowie Epacris versicolor mit ihren markanten Blüten. 

Etges: „Die Heidepflanzen sind gut an die trockenen, heißen Standorte angepasst. So lassen ihre reduzierten Blätter kaum Transpiration zu.“ Neben Insekten dienen auch bei den südafrikanischen Eriken Vögel als Bestäuber.

Die Königs-Protee (Protea cynaroides) schließlich ist wegen ihrer Schönheit die Wappenblume Südafrikas. Ihr Blütenkopf besteht aus einer Vielzahl von Einzelblüten, die von Nagetieren, Vögeln und Insekten bestäubt werden können. 

Proteen sind durch ihre hartlaubigen Blätter ebenfalls gut an Trockenheit angepasst. Darüber hinaus haben sie Schutzmechanismen entwickelt, um auch natürliche Feuer zu überstehen. Sie gehören damit zu den sogenannten Pyrophyten.

Ein Gang in den Botanischen Garten der HHU lohnt sich. Ein besonderes Highlight steht übrigens am Sonntag, dem 21. April auf dem Programm: Dann öffnet die Frühjahrspflanzenbörse ihre Tore.



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