BVL veröffentlicht den dritten Bericht zum Zoonosen-Monitoring

(15.05.2013) Differenziertes Auftreten von Krankheitserregern in Nutztieren und Lebensmitteln

Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) Der Bericht zum bundesweit durchgeführten Zoonosen-Monitoring 2011, den das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) am 15.5.2013 veröffentlicht hat, zeichnet ein differenziertes Bild des Vorkommens von Zoonoseerregern bei Tieren und in Lebensmitteln.

So wird Geflügelfleisch offenbar häufiger mit Zoonoseerregern kontaminiert als beispielsweise Schweinefleisch. Die Resistenzlage der Erreger hat sich gegenüber den Ergebnissen der Vorjahre kaum verändert.

Die Ergebnisse zeigen, dass Nutztiere ein Reservoir für verschiedene Zoonoseerreger sind und es bei der Schlachtung zu einer Kontamination der Schlachttierkörper kommen kann. Diese wird bei Geflügel durch die Technik des Schlachtprozesses begünstigt.

Um den Eintrag von Krankheitserregern in die Lebensmittelkette zu verhindern und Kontaminationen zu reduzieren, müssen gute Hygienepraktiken auf allen Stufen der Lebensmittelkette von der Erzeugung über die Verarbeitung bis zur Abgabe an den Verbraucher konsequent angewendet werden.

Verbraucher können sich vor lebensmittelbedingten Infektionen schützen, indem sie Fleisch durchgaren und eine strenge Küchenhygiene einhalten. Verbrauchergruppen wie Kleinkinder, ältere und immungeschwächte Menschen und Schwangere sollten rohes Hackfleisch und rohe Fleisch- und Milchprodukte sowie bestimmte verzehrfertige Lebensmittel nicht verzehren.

In die Auswertung zum Zoonosen-Monitoring, das 2011 zum dritten Mal durchgeführt wurde, sind 9.127 Proben aus Erzeugerbetrieben, Schlachthöfen und dem Einzelhandel eingegangen, die von den Bundesländern auf das Vorkommen der wichtigsten Zoonoseerreger untersucht wurden.

Bei 1.324 Isolaten wurde am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) eine Typisierung durchgeführt, und 4.717 Isolate der verschiedenen Zoonoseerreger und kommensalen E. coli (Bestandteil der normalen Darmflora) wurden auf ihre Resistenz gegen antimikrobielle Substanzen getestet. Der Bericht zum Zoonosen-Monitoring umfasst auch die Bewertung der Ergebnisse durch das BfR.

Salmonellen

Die Nachweisrate von Salmonella spp. in frischem Hähnchenfleisch aus dem Einzelhandel lag bei 6,2 %. Frisches Schweinefleisch (0,4 % positive Proben) und Schweinehackfleisch (1,3 % positive Proben) waren im Vergleich seltener mit Salmonellen kontaminiert.

Dennoch stellen nach Schätzung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) Schweine bzw. Schweinefleisch nach Konsumeiern eine der wichtigsten Infektionsquellen für den Menschen mit Salmonellen dar.

Dies hängt möglicherweise damit zusammen, dass Schweinefleisch im Gegensatz zu Geflügelfleisch auch roh (z. B. als Mett) verzehrt wird.

Im Zoonosen-Monitoring 2011 wurden erstmalig auch Wildfleisch sowie nicht vom Tier stammende Lebensmittel untersucht. Frisches Wildschweinfleisch war zu 3,4 % mit Salmonellen kontaminiert und stellt somit eine potentielle Infektionsquelle dar. Trockenpilze waren zu 1,6 % Salmonella-positiv.

Die Zubereitung von Trockenpilzen (Einweichen in warmem Wasser) begünstigt allerdings die Vermehrung vorhandener Salmonellen, wodurch die Gefahr für den Menschen steigt, sich über den Verzehr dieser Pilze zu infizieren.

Campylobacter

Untersuchungen am Schlachthof zeigten, dass Campylobacter spp. bei Masthähnchen (25,1 % positive Proben von Blinddarminhalt) weit verbreitet sind und während des Schlachtprozesses offenbar in hohem Maße direkt oder indirekt aus dem Darminhalt auf die Schlachtkörperoberfläche (40,9 % positive Halshautproben) übertragen werden.

Frisches Hähnchenfleisch war infolgedessen häufig (31,6 % positive Proben) mit Campylobacter spp. kontaminiert und stellt eine wichtige Quelle für Campylobacter-Infektionen des Menschen dar. Im Vergleich zum Zoonosen-Monitoring 2009 waren im Jahr 2011 jedoch deutlich weniger Proben mit den Erregern belastet. Ob sich hieraus bereits ein Trend ableiten lässt, kann erst durch weitere Untersuchungen beurteilt werden.

Listeria monocytogenes

Listeria monocytogenes wurden in Räucherfisch, Rohmilchkäse und wärmebehandelten Fleischerzeugnissen in unterschiedlicher Häufigkeit nachgewiesen. In einigen Fällen wurde dieser Zoonoseerreger auch in Mengen nachgewiesen, die eine potentielle Gesundheitsgefahr für den Menschen darstellen.

Die höchsten Keimgehalte an Listeria monocytogenes wurden in einzelnen Proben von Räucherfisch sowie von Rohmilchkäse zum Ende der Haltbarkeit gemessen.

VTEC

Die Untersuchungen von Kotproben aus Mastrinderbeständen (18,5 % positive Proben) zeigten, dass Rinder häufig Ausscheider von verotoxinbildenden Escherichia coli (VTEC) sind. Auch in frischem Rindfleisch (1,8 % positive Proben) und Rinderhackfleisch (3,8 % positive Proben) konnten VTEC nachgewiesen werden.

Die Charakterisierung der eingesandten VTEC-Isolate zeigte, dass Mastrinder als mögliche Quelle auch für schwerwiegende VTEC-Infektionen beim Menschen von Bedeutung sind.

MRSA

Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) wurden wieder auf allen Stufen der Lebensmittelkette nachgewiesen. Masthähnchenschlachtkörper (48,3 % positive Proben) und frisches Hähnchenfleisch (27,7 % positive Proben) waren am häufigsten kontaminiert.

Nach dem gegenwärtigen Stand der Wissenschaft ist aber das Risiko einer Übertragung von MRSA über kontaminierte Lebensmittel auf den Menschen als gering anzusehen.

Verbraucher sollten dennoch im Umgang mit Lebensmitteln die auch im Hinblick auf andere Zoonoseerreger erforderliche Sorgfalt aufwenden.

Resistenzlage

Die Resistenzuntersuchungen ergaben im Vergleich zum Vorjahr in den meisten Bereichen keine wesentliche Veränderung der Resistenzlage. Auffällig war jedoch der Rückgang der Resistenzraten bei E. coli-Isolaten aus Masthähnchenbeständen.

Die eingesandten Campylobacter-Isolate zeigten einen Anstieg der Resistenzraten insbesondere gegenüber Ciprofloxacin, was aus Sicht des gesundheitlichen Verbraucherschutzes bedenklich ist.

Salmonella-Isolate aus frischem Hähnchenfleisch waren zu 58,3 % resistent gegenüber mindestens einer Wirkstoffklasse.

Die Salmonella-Isolate aus Schweinefleisch wiesen höhere Resistenzraten auf als Isolate aus Wildschweinfleisch, die überwiegend sensibel gegenüber den getesteten antimikrobiellen Substanzen waren.

Die Bewertung der bei den Resistenzuntersuchungen ermittelten minimalen Hemmkonzentrationen (MHK) erfolgte anhand der epidemiologischen Cut-Off-Werte.

Diese bestimmen den Anteil mikrobiologisch resistenter Isolate und geben frühzeitig Hinweise auf eine beginnende Resistenzentwicklung, erlauben aber keine unmittelbare Aussage über die Wahrscheinlichkeit eines Therapieerfolges bei einer bakteriellen Infektion.

Der Bericht zum Zoonosen-Monitoring 2011 ist online abzurufen unter www.bund.de/ZoonosenMonitoring




Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

BfR

4. Symposium „Zoonosen und Lebensmittelsicherheit“ am BfR

Das Vorkommen von Zoonoseerregern und bakteriellen Toxinbildnern in der Lebensmittelkette stehen im Mittelpunkt des Symposiums, das am 10. und 11. November 2016 im Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin stattfindet
Weiterlesen

Nationale Forschungsplattform für Zoonosen

Zoonosen: Aus uralten Erregern für die Zukunft lernen

Nationales Symposium für Zoonosenforschung 2016 am 13. und 14. Oktober in Berlin zeigt breites Themenspektrum von Archäogenetik bis Zikavirus
Weiterlesen

Zoonosen-Monitoring 2014

Ökologisch erzeugte Rohmilch enthält weniger antibiotikaresistente Keime als konventionell hergestellte

Die Ergebnisse der repräsentativen Untersuchungen zum Zoonosen-Monitoring 2014, die das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) veröffentlicht hat
Weiterlesen

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Stechmücken-Forschung zum Schutz vor gefährlichen Infektionskrankheiten

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft fördert die Stechmücken-Forschung mit 2,2 Millionen Euro
Weiterlesen

Zoonosenforschungsnetzwerk

Forschungsvereinbarung zu Zoonosen verlängert

Die gemeinsame Forschungsvereinbarung zu Zoonosen zwischen den Bundesministerien für Bildung und Forschung, für Ernährung und Landwirtschaft und für Gesundheit aus dem Jahr 2006 wurde am 29.1.2016 für weitere fünf Jahre verlängert
Weiterlesen

Rund ein Drittel der Patienten mit Fuchsbandwurmerkrankungen kann durch eine Operation geheilt werden; Bildquelle: Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie

Fuchsbandwurm: Ulmer Uniklinik bei der Behandlung führend

Rund 70 Prozent der Füchse in Ulm und Umgebung tragen den Erreger der Fuchsbandwurmerkrankung in sich. Und zunehmend sind auch Städter von der potentiell tödlichen Krankheit, die die Leber zerstört, betroffen
Weiterlesen

Zoonosensymposium

Zoonosensymposium 2015: One Health - Forschung und praktische Anwendung zusammenbringen

Das Nationale Symposium für Zoonosenforschung 2015, das am 15. und 16. Oktober in Berlin stattfindet, steht in diesem Jahr unter dem Motto „Research meets Public Health“
Weiterlesen

Nationale Forschungsplattform für Zoonosen

Zoonosenforschung in Deutschland wird gestärkt

Nationale Forschungsplattform für Zoonosen begrüßt Ankündigung der Bundesregierung zur Stärkung des One Health-Ansatzes
Weiterlesen

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

BfR veröffentlicht Bericht „Erreger von Zoonosen in Deutschland“

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erstellt jährlich einen Bericht über die epidemiologische Situation der Zoonosen in Deutschland. Ziel ist es, zur Prävention von Krankheiten, die über Lebensmittel übertragen werden, beizutragen
Weiterlesen

Magazin

Firmennews

Neuerscheinungen


[X]
Hinweis zur Nutzung von Cookies

Diese Website nutzt Cookies zur Bereitstellung von personalisierten Inhalten, Anzeigen, Inhalten von sozialen Medien und zur Analyse des Benutzerverhaltens. Die mit Hilfe von Cookies gewonnenen Daten werden von uns selbst sowie von uns beauftragten Partnern in den Bereichen soziale Medien, Online-Werbung und Website-Analyse genutzt. Durch den Besuch unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.

Mit der weiteren Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Mehr erfahren...