Erneut Wolf in der Lausitz überfahren

(17.01.2011) Am 16.1.2011 wurde ein Wolfsrüde in der Nähe von Senftenberg in der Oberlausitz bei einem Verkehrsunfall getötet.

Es handelt sich um den Vater des sogenannten Milkeler Rudels, „Rolf“ genannt. Damit ist das Rudel faktisch aufgelöst. Menschen kamen bei dem Unfall nicht zu schaden.

Besonders schwer wiegt, dass erneut ein Elterntier zu Tode gekommen ist. Wölfe leben im monogamen Familienverband. Sollte kein neues Männchen die Vaterrolle übernehmen, wird dieses Rudel zerfallen. Eine ähnliche Situation besteht derzeit im ehemaligen Welzower Rudel, nachdem im vergangenen November auch hier der Vater überfahren wurde.

In beiden Rudeln besteht akuter Bedarf an wölfischen Junggesellen. Für das Weibchen des Milkeler Rudels kann die Suche nach einem neuen Männchen knapp werden. In wenigen Wochen, vielleicht schon Tagen, beginnt die Paarungszeit, in der sie eigentlich mit „Rolf“ neue Welpen gezeugt hätte. Es ist sehr fraglich, ob sich so rasch ein neues Männchen für das Rudel einfinden kann.

Seit der Rückkehr des Wolfes nach Deutschland wurden in sechs Jahren zwölf Tiere durch Verkehrsunfälle getötet. Damit ist in diesem Winter die Anzahl der deutschen Wolfsrudel von sieben auf fünf gefallen. Auch wenn eine Chance besteht, dass die Lücken durch noch ungebundene Männchen ersetzt werden, gibt es dafür keine Garantie. „Dieser hohe Blutzoll zeigt deutlich, wie weit der vom Aussterben bedrohte Wolf von einem gesicherten Bestand entfernt ist“, sagte NABU-Wolfsexperte Markus Bathen.

Die Rückkehr des einst ausgerotteten Wolfes nach Deutschland gehört zu einer der großen Erfolgsgeschichten im Naturschutz. Die immer noch fünf Rudel belegen, dass Wölfe nicht zwingend an ein Leben in der Wildnis gebunden sind, sondern auch die vom Menschen modern genutzte Kulturlandschaft Mitteleuropas ein geeigneter Lebensraum ist.

„Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen wurde nun schmerzlich bewusst, dass Wölfe auch einen hohen Preis für das Leben in der Kulturlandschaft zahlen müssen. Ihre gut ausgeprägten Sinne schützen sie nicht vollständig vor den Gefahren des Straßenverkehrs. Der fordert unter Wölfen wie unter allen Wildtieren seine Opfer“, so Bathen.

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