Wildkatzeninventur: die Wildkatze wird auch in Bayern wieder heimisch

(24.10.2013) Die Wildkatze ist in Deutschland und in Bayern wieder auf dem Vormarsch. Das zeigen die ersten Ergebnisse der vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durchgeführten deutschlandweiten Wildkatzeninventur, die in verschiedenen großen Waldgebieten Bayerns Erstnachweise erbrachte.

So konnten die scheuen Tiere jetzt im Nürnberger Reichswald, dem Steigerwald, den Hassbergen und der Fränkischen Schweiz belegt werden. Im Spessart und der Rhön wurden Einzelfunde der letzten Jahre bestätigt.

In den genannten Regionen galt die bedrohte Art lange Zeit als nicht mehr vorkommend. „Die Analysen erlauben eine Schätzung von 100 bis 150 Tieren für Bayern.

Dieses Ergebnis lässt uns hoffen, dass die Wildkatze in einigen Jahren wieder ganz selbstverständlich in unseren Wäldern leben kann“, meint Prof. Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND.


Wildkatze

„Wir freuen uns darüber, dass die Wildkatze ihre alten Lebensräume allmählich wieder zurück erobert – das ist ein großer Erfolg, der nicht zuletzt auf aktive Naturschutzmaßnahmen zurück zu führen ist“, meint Prof. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN).

„Daher dürfen wir auch nicht nachlassen darin, störungsarme Wälder und unzerschnittene Räume zu erhalten und zu schaffen. Diese müssen die Wildkatzen über Korridore erreichen können“ so BfN-Präsidentin Jessel.

Das Projekt des BUND „Wildkatzensprung“ wird gefördert im Rahmen des Bundesprogramms für Biologische Vielfalt durch das BfN mit Mitteln des Bundesumweltministeriums.

In Bayern wurde die Erfassung zusätzlich vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten aus Mitteln der Jagdabgabe unterstützt.

Für die Inventur der Wildkatzen werden in bundesweit über 50 Waldparzellen mit dem Lockstoff Baldrian besprühte Holzpflöcke ausgebracht. Die Katzen reiben sich an den Stöcken und hinterlassen Haare, die im Anschluss genetisch analysiert werden können.

215 sichere Nachweise von Wildkatzen sind dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) im vergangenen Winter allein in Bayern gelungen. In ganz Deutschland wurden seit dem Winter 2011/2012 ungefähr 4400 Haarproben gesammelt, die zum Teil noch ausgewertet werden müssen.

Über 500 Ehrenamtliche unterstützen den BUND bei den Zählungen. Im ersten Jahr der Untersuchung wurden bereits für den Kottenforst bei Bonn und im Odenwald erstmals Wildkatzen nachgewiesen. Die Inventur ist Teil eines umfangreichen Wildkatzen-Schutzprogramms des BUND.

Wildkatzen auf länderübergreifender Wanderschaft

Besonders erfreulich bei den Ergebnissen aus Bayern: Auch an der Ländergrenze zu Baden-Württemberg sind Wildkatzen nachgewiesen worden, eine wichtige Verbindung in Richtung der dort bereits bekannten Vorkommen.

Zudem wurden in Bayern nicht nur die in den 90er Jahren ausgewilderten Wildkatzen und ihre Nachkommen nachgewiesen – auch Wildkatzen aus Thürin-gen und Hessen sind offenbar nach Bayern eingewandert.

Damit wird deutlich, dass die Wildkatze nur länderübergreifend gerettet werden kann. Neue ge-eignete Lebensräume sind dabei ein Schlüssel für die Stabilisierung und Wiederausbreitung der Art.

Aus diesem Grund engagiert sich der BUND für ein bundesweites Netzwerk von Waldverbindungen. Langfristig soll so ein Waldverbund von insgesamt 20.000 grünen Kilometer in ganz Deutschland entstehen.

Dafür werden Korridore zwischen isolierten Wäldern bepflanzt. „Die ersten Ergebnisse der Wildkatzennachweise bestärken uns in unserem Vorhaben.“, so Hubert Weiger. „Die Wildkatze, und mit ihr viele weitere Arten, nutzen offenbar die Waldverbindungen, um neue Lebensräume zu erobern.“

Wildkatzennachweise durch Haarproben

Die Wildkatze (Felis silvestris) ist keine verwilderte Hauskatze, sondern eine eigene Katzenart. Da sie im Wald kaum von wildfarbenen Hauskatzen unterschieden werden kann und überwiegend in der Abenddämmerung und der Nacht aktiv ist, hilft nur der genetische Nachweis.

Im vergangenen Winter wurden dazu über 1.300 sogenannte Lockstöcke überprüft. „Die Entwicklung der Lockstockmethode war der Durchbruch.

Endlich konnten wir nähere Informationen zur Verbreitung dieser scheuen Katze bekommen.“, so Hubert Weiger. „Möglich wird diese flächendeckende Untersuchung erst durch die Ehrenamtlichen, die jeweils in ihrer Region mithelfen, die Vorkommen und Wanderbewegungen der Wildkatze zu erforschen.“

Bundesweite Analyse der Wildkatzenvorkommen

In allen Ländern mit möglichen Vorkommen wird seit 2011 der Wildkatzenbestand im Rahmen des BUND-Projekts „Wildkatzensprung“ erforscht: Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen.

Parallel dazu werden in sechs Pilotprojekten geeignete Wildkatzenwälder durch gepflanzte Korridore miteinander verbunden. Das BUND-Projekt Wildkatzensprung wird gefördert im Rahmen des Bundesprogramms für Biologische Vielfalt. Die Erhebung wird im Winter 2013/2014 fortgesetzt.




Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Deutsche Wildtier Stiftung

Die Wildkatze wurde von der Deutschen Wildtier Stiftung zum „Tier des Jahres 2018“ ernannt

Wildkatzen sind keineswegs verwilderte Hauskatzen! Sie unterscheidet sich schon optisch: alle haben eine gelblich-graue Unterwolle, einen stumpf endenden Schwanz mit zwei bis drei schwarzen Ringen und eine fleischfarbene Nase
Weiterlesen

Eine Wildkatze ist mit einem Jungtier in die Fotofalle getapp; Bildquelle: Universität Göttingen

Wildkatzen-Population in Nordhessen erforscht

Göttinger Wissenschaftler und Naturschützer setzen Fotofallen zur Bestandserfassung ein
Weiterlesen

Senckenberg-Diensthund "Maple"; Bildquelle: Lisa Hanke

Suchhund Maple erweitert das Senckenberg Naturschutzgenetik-Team

Ein speziell trainierter Suchhund unterstützt seit kurzem die Senckenberg-Wissenschaftler bei Wildtiermonitoring und -forschung
Weiterlesen

Deutsche Wildtier Stiftung

Wildkatzen-Forschungsprojekt der Deutschen Wildtier Stiftung startet

Europäische Wildkatzen sind keineswegs verwilderte Hauskatzen! Sie unterscheiden sich schon optisch
Weiterlesen

Bundesamt für Naturschutz

Ergebnisse der bundesweiten Wildkatzeninventur

Die bedrohte europäische Wildkatze breitet sich in Deutschland weiter aus. Das zeigen erste Ergebnisse einer auf mehrere Jahre ausgelegten Studie des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und des Bundesamts für Naturschutz (BfN)
Weiterlesen

Wildkatze in Baden-Württemberg

Wildkatzen in Baden-Württemberg weiter auf dem Vormarsch

Vernetzung wertvoller Lebensräume von zentraler Bedeutung, Karte mit Verbreitungsgebiet der Wildkatze vorgestellt 
Weiterlesen

Deutschland: Wildkatzen im Nationalpark Hainich

Sie lebt zurückgezogen, versteckt, meist schläft sie tagsüber und jagt nachts. Kaum jemand bekommt sie zu Gesicht. Aber es gibt sie noch, und sie lebt im Nationalpark Hainich: die Wildkatze!
Weiterlesen

[X]
Hinweis zur Nutzung von Cookies

Diese Website nutzt Cookies zur Bereitstellung von personalisierten Inhalten, Anzeigen, Inhalten von sozialen Medien und zur Analyse des Benutzerverhaltens. Die mit Hilfe von Cookies gewonnenen Daten werden von uns selbst sowie von uns beauftragten Partnern in den Bereichen soziale Medien, Online-Werbung und Website-Analyse genutzt. Durch den Besuch unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.

Mit der weiteren Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Mehr erfahren...