FLI stellt erstmals West-Nil-Virus-Infektion bei einem Vogel in Deutschland fest

(03.09.2018) Seit vier Wochen werden deutschlandweit vermehrt Wildvögel tot aufgefunden, die zumeist an Usutu-Virus-Infektionen (USUV) verendet sind.

Das West-Nil-Virus (WNV), das ebenfalls Wildvögel infiziert, ist eng verwandt mit diesem Erreger.

Daher werden sämtliche Wildvogel-Proben, die an das Nationale Referenzlabor für West-Nil-Virus-Infektionen am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) gesandt werden, stets auf beide Viren untersucht.

Nun wurde erstmals in Deutschland bei einem 3,5 Jahre alten männlichen Bartkauz, der Mitte August in Halle (Saale) in seiner Voliere tot aufgefunden worden war, eine WNV-Infektion festgestellt.

Friedrich-Loeffler-Institut

Blutsaugende Stechmücken übertragen das Virus. Die wichtigsten Wirte sind Vögel. In selteneren Fällen kann auch eine Übertragung auf Pferde und den Menschen stattfinden. Daher beobachtet das FLI seit Jahren die Verbreitung von WNV in Europa.

Über den Eintragsweg des WNV nach Halle lässt sich bisher nur mutmaßen. Weitere genetische Untersuchungen des Virus und epidemiologische Nachforschungen sollen besseren Aufschluss darüber geben. Darüber hinaus laufen derzeit Untersuchungen zum Vorkommen von WNV-Infektionen bei blutsaugenden Stechmücken in der Umgebung des Falles an. Der Bartkauz war zunächst vom zuständigen Landesamt für Verbraucherschutz in Stendal (Sachsen-Anhalt) untersucht worden.

WNV wird von blutsaugenden Stechmücken übertragen und zirkuliert in der Natur in einem Vogel-Stechmücken-Vogel-Kreislauf. Bei Vögeln bleibt eine Infektion mit WNV in den meisten Fällen symptomlos. Eine Reihe von Vogelarten ist jedoch sehr empfänglich für WNV, so dass es zu massiven Epidemien mit Todesfällen bei Vögeln kommen kann.

WNV kann über Mückenstiche auch auf Menschen und Pferde übertragen werden und zählt somit zu den zoonotischen Erregern. WNV-bedingte Erkrankungen bei Menschen und Tieren treten seit Jahren in Süd- und Südosteuropa, z.B. in Italien, Griechenland, Ungarn, Rumänien, Frankreich, Kroatien und Serbien auf. In letzter Zeit gab es zudem Berichte über WNV-Nachweise und Erkrankungen in Österreich und Tschechien.

Die WNV-Infektion beim Menschen verläuft in der überwiegenden Zahl der Fälle (ca. 80 Prozent) symptomlos. Bei den meisten übrigen Fällen treten zumeist nur leichte Krankheitssymptome wie Fieber und grippeähnliche Erscheinungen auf. Dieser klassische Verlauf der Krankheit wird deshalb auch als „West-Nil-Fieber“ bezeichnet.

In weniger als einem Prozent der Infektionen kommt es allerdings zu einem schweren, hoch fieberhaften Krankheitsverlauf mit Meningitis oder Enzephalitis, der zu bleibenden neurologischen Schädigungen führen kann und in seltenen Fällen tödlich endet.

Bei Pferden verläuft eine WNV-Infektion ebenfalls überwiegend symptomlos. Bei einem Viertel der Tiere treten fiebrige Allgemeinerkrankungen auf, die in wenigen Fällen zu deutlichen zentralnervösen Ausfallerscheinungen, bisweilen auch mit Todesfolge, führen können. Pferde mit klinischen Anzeichen können die Infektion zwar überleben, behalten aber oft lebenslang neurologische Schäden zurück.

In Deutschland wurden bisher weder bei Menschen noch bei Pferden hier erfolgte Infektionen mit dem WNV festgestellt. Der Mensch und das Pferd gelten als sogenannte Fehlwirte, d.h. von ihnen geht keine Infektionsgefahr für Mücken als Überträger aus. Die WNV-Infektion bei einem Vogel oder Pferd ist seit Ende 2009 eine anzeigepflichtige Tierseuche.

Das FLI beobachtet den möglichen Eintrag und die Verbreitung von WNV und USUV bereits seit Jahren im Rahmen von Wildvogel- und Stechmücken-Monitoring-Programmen, auch in Zusammenarbeit mit weiteren Forschungsinstituten, welche durch Mittel der Bundesministerien für Ernährung und Landwirtschaft (CuliMo, CuliFo) sowie für Bildung und Forschung (DZIF) gefördert werden.

Informationen zur West-Nil-Infektionen bei Menschen und Pferden in Europa stellt das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) auf seiner Internetseite zur Verfügung.


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