Weniger Tierversuche in Deutschland

(19.11.2012) Die am 16.11.2012 vom Bundeslandwirtschaftsministerium (BMELV) veröffentlichte Statistik zeigt: Im letzten Jahr wurden in Deutschland weniger Tiere in Tierversuchen eingesetzt als im Vorjahr.

Im Vergleich zur Nutzung von Tieren für die Ernährung ist die Zahl der in der Forschung in Deutschland verwendeten Tiere zudem verschwindend gering und rückläufig. Primaten stellen nur ein Tausendstel aller Versuchstiere in Deutschland.

Sie werden nur in Versuchen von großer wissenschaftlicher Bedeutung eingesetzt und wenn es weder eine Alternativmethode noch die Möglichkeit gibt, den Versuch mit einer geringer entwickelten Tierart durchzuführen.

Das Landwirtschaftsministerium erfasst mit seinen Zahlen des Einsatzes von Wirbeltieren für wissenschaftliche Zwecke sowohl Tierversuche wie den Tiereinsatz für Ersatzmethoden, wie beispielsweise die Gewinnung von Zellkulturen.

„Die Zahlen des Ministeriums müssen daher richtig interpretiert werden“, sagt Stefan Treue, Direktor des Deutschen Primatenzentrums, das Primaten unter anderem für Infektionsforschung und neurowissenschaftliche Forschung einsetzt.

Die Gesamtzahl gibt lediglich an, dass im Jahr 2011 2,9 Millionen (etwa 1,9 Prozent mehr als in 2010) wissenschaftliche Eingriffe an Wirbeltieren vorgenommen wurden. Diese Kombination von Alternativmethoden und Tierversuchen repräsentiert zudem nicht die Anzahl der eingeschläferten Tiere. So zählen Blutentnahmen und ähnliche Eingriffe für diese Statistik ebenso.

Eine Blutentnahme ist normalerweise ähnlich unkompliziert wie beim Menschen. Daher sagen die Zahlen des BMLEV auch nichts darüber aus, ob es mehr Leiden gegeben hat. Ein genauerer Blick auf die vorgelegten Zahlen zeigt, dass die Anzahl der Tiere in eigentlichen Tierversuchen (Tabelle 9, Spalten 23 und 24) wie schon im Vorjahr gefallen ist: auf nun 1,5 Millionen. 2010 sind es noch 10.581 Tiere mehr gewesen.

Versuchstiere wurden in der Grundlagenforschung eingesetzt, um schwere Krankheiten zu erforschen, für die medizinische Produktentwicklung oder um die Sicherheit von Medikamenten, Inhaltsstoffen oder medizinischen Produkten zu testen.

Gerade in diesem letzten Punkt verlangt das Gesetz in Deutschland den Einsatz von Primaten: So wurden von den 1796 in 2011 verwendeten Primaten 60 Prozent der Tiere für gesetzlich vorgeschriebene Giftigkeits- und Sicherheitsprüfungen zum Schutz von Patienten und Konsumenten eingesetzt. Insgesamt ist nur jedes Tausendste Versuchstier ein Primat.

Stellt man den 2,9 Millionen wissenschaftlichen Eingriffen an Wirbeltieren die jährliche Fleischproduktion in Deutschland gegenüber, so relativieren sich die Zahlen schnell. Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) wurden im vergangenen Jahr in Deutschland 59,7 Millionen Schweine, 3,3 Millionen Rinder und über 700 Millionen Geflügeltiere geschlachtet.

Die Fleischproduktion hat laut dem Bundesamt einen Rekordwert von insgesamt 8,16 Millionen Tonnen erreicht, eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um rund zwei Prozent. Im Laufe eines Lebens werden so für jeden Deutschen im Durchschnitt mehr als 700 Hühnchen geschlachtet, aber nur zwei Mäuse für biomedizinische Forschung verwendet.

Abgesehen von manchen landwirtschaftlichen Nutztieren und Fischen dürfen Tierversuche in Deutschland nur an Wirbeltieren durchgeführt werden, die für diesen Zweck gezüchtet wurden. Jeder Tierversuch muss beantragt werden und wird nur dann von der zuständigen Landesbehörde genehmigt, wenn der Wissenschaftler begründen kann, dass es keine alternative Methode gibt, mit der er den Forschungszweck erreichen kann.

Außerdem muss der Tierversuch ethisch vertretbar sein. Das heißt, eine unabhängige Kommission, der auch Tierschutzvertreter angehören, prüft, ob der Zweck des Tierversuchs den Einsatz der Tiere rechtfertigt.




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