Resistenzsituation bei tierpathogenen Bakterien

(02.03.2015) Der Bericht zur „Resistenzsituation bei klinisch wichtigen tierpathogenen Bakterien 2011/2012“, der am 2. März 2015 vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) veröffentlicht wurde, zeigt die Resistenzsituation verschiedener Erreger bei Nutz- und Heimtieren in Deutschland anhand valider Empfindlichkeitsdaten.

Während die meisten Erreger von Atemwegsinfektionen bei Tieren noch empfindlich auf die Behandlung mit Antibiotika reagieren, findet man bei Erregern von Durchfallerkrankungen und Hautinfektionen sehr viel höhere Resistenzraten.


Resistenzsituation bei klinisch wichtigen tierpathogenen Bakterien 2011/2012
Hohe Resistenzraten zeigen in erster Linie Bakterien wie Escherichia coli und Staphylococcus aureus. E. coli sind Erreger von Durchfallerkrankungen und werden häufig bei Kälbern und Ferkeln diagnostiziert. Bei vielen Antibiotika weisen diese Bakterien Resistenzraten von über 70 Prozent auf.

Die Häufigkeit, mit der Methicillin-resistente Staphylokokken (MRSA) gefunden werden, ist abhängig von der Tierart. Am häufigsten finden sich diese im Berichtszeitraum beim Hund (55 Prozent), am seltensten beim Nutzgeflügel (14 Prozent).

Die Resistenzsituation für Erreger von Atemwegsinfektionen, insbesondere Pasteurella multocida und Actinobacillus pleuropneumoniae, stellt sich dagegen günstig dar. Hier liegt das Resistenzniveau mit wenigen Ausnahmen unter 20 Prozent.

Auch bei Mastitis-Erregern bei Milchkühen kann das Resistenzniveau als bislang günstig angesehen werden. Auch hier zeigten sich bei den getesteten Wirkstoffen nur selten Resistenzraten bis zu 20 Prozent.

Allerdings treten sowohl bei der Spezies Klebsiella spp. als auch bei der Spezies Escherichia coli vereinzelt ESBL (extended spectrum beta-lactamases)-Bildner auf, die gegen die wichtige Wirkstoffklasse der neueren Cephalosporine resistent sein können.

Generell wird Tierärzten empfohlen, vor Beginn einer antibiotischen Therapie eine Probe zu entnehmen, diese mikrobiologisch untersuchen und nach Möglichkeit ein Antibiogramm erstellen zu lassen.

So kann die Behandlung mit einem Antibiotikum mit einem breiten Wirkspektrum begonnen werden und später gegebenenfalls eine Umstellung auf ein Antibiotikum mit einem schmaleren Wirkspektrum erfolgen.

Dieses Vorgehen mindert den Selektionsdruck, der für die weitere Verbreitung von antibiotikaresistenten Bakterien verantwortlich ist.

Im Berichtszeitraum 2011 / 2012 wurden im BVL insgesamt 2.483 Isolate untersucht. Bewertet wurden diese Ergebnisse anhand veterinärmedizinischer klinischer Grenzwerte, um Vorhersagen für die Wahrscheinlichkeit eines Therapieerfolges treffen zu können.

Standen diese Grenzwerte nicht zur Verfügung, wurden stattdessen die MHK90-Werte herangezogen, um diese Wahrscheinlichkeit einschätzen zu können.

Der MHK90-Wert gibt die Wirkstoffkonzentration an, bei der 90 Prozent der untersuchten Bakterienpopulation absterben bzw. in ihrem Wachstum gehemmt werden.

Das BVL erhebt im Rahmen von GERM-Vet seit dem Jahr 2001 Daten zur Resistenzsituation in Deutschland. Für jedes Studienjahr wird ein dezidierter Stichprobenplan erstellt, der sich an den Ergebnissen der vorangegangenen Studien orientiert und den aktuellen Fragestellungen angepasst wird.

Amtliche, private und universitäre Labore übermitteln im gesamten Zeitraum des Studienjahres Bakterienisolate an das BVL. Dort werden sie auf ihre Empfindlichkeit gegenüber 24 antibakteriellen Wirkstoffen untersucht. Die Empfindlichkeitsdaten werden getrennt nach Tierart und Indikation ausgewertet, um so möglichst detaillierte Hinweise zu erhalten.

Valide Daten zur Resistenzsituation sind notwendig, um nachhaltig wirksame Managementmaßnahmen ergreifen zu können, die den Eintrag von resistenten Bakterien, insbesondere durch Lebensmittel liefernde Tiere, in die menschliche Nahrungskette möglichst gering halten bzw. vermeiden.

So muss der behandelnde Tierarzt ein klares Bild von der Resistenzsituation vor Augen haben, um die zur Verfügung stehenden Wirkstoffe intelligent einsetzen zu können. Die Ergebnisse des Monitoringprogramms gehen auch in die Zulassungsverfahren von Tierarzneimitteln ein.

Bakterien und Einzeller können Eigenschaften entwickeln, die die Wirkung antibiotisch aktiver Substanzen abschwächen oder vollständig außer Kraft setzen. Dies wird als Antibiotika-Resistenz bezeichnet.

In der Human- wie der Veterinärmedizin hat die unkritische Verschreibung von Antibiotika zur verstärkten Bildung von Resistenzen geführt, so dass bei einem echten Krankheitsfall die Antibiotika nicht mehr wirken.

Antibiotika sollten deshalb nur eingesetzt werden, wenn ihre Verabreichung eindeutig angezeigt ist. Auch ein zu früher Abbruch der Antibiotikatherapie oder eine zu niedrige Dosierung können beim Menschen wie in der Tierhaltung die Entstehung von Antibiotikaresistenzen begünstigen. Die Therapie muss konsequent zu Ende geführt werden.

Der Bericht zur Resistenzmonitoringstudie 2011/2012 steht online zur Verfügung unter www.bvl.bund.de/resistenzmonitoring.




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