300.000 Menschen verdienen in Deutschland mit „Pferdeberufen“ ihren Lebensunterhalt

(24.01.2014) Nicht nur Glück, sondern auch das Gehalt können auf dem Rücken der Pferde liegen. Nach Angaben der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, dem Dachverband für Pferdesport und -zucht in Deutschland, verdienen jährlich mehr als 300 000 Menschen ihren Lebensunterhalt direkt oder indirekt durch die Vierbeiner.

Jährlich werden hier rund fünf Milliarden Euro erwirtschaftet. Damit ist das Pferd ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor. Die vielen Facetten und Möglichkeiten rund um Pferdesport, -Zucht, und -Haltung zeigt die Messe Pferd Bodensee vom 14. bis 16. Februar 2014 in Friedrichshafen.

Osteopathin und Physiotherapeutin Esther Weber-Voigt; Bildquelle: Dr.Michael Zanger

Irgendwann kommt bei vielen Reitern der Wunsch auf, nicht nur die Freizeit mit den Vierbeinern zu verbringen, sondern beruflich oder nebenberuflich etwas mit Pferden zu machen. Die Motivation, mit einem Pferdeberuf zumindest ein Zubrot zu verdienen, hat Andreas Mühle von der europäischen Fortbildungsreinrichtung Penzelakademie in den letzten Jahren zunehmend beobachtet.

Berufe auf dem Pferdesektor sind vielfältig, wenn auch nicht alle Ausbildungen dazu staatlich anerkannt sind. Neben den Klassikern wie Pferdewirt, Reitlehrer, Hufschmied, Sattler oder Tierarzt gibt es in Deutschland eine breite Palette an Aus- und Fortbildungswegen, um das Hobby zum Beruf zu machen. In jüngster Zeit sind auch Studiengänge geschaffen worden, die sich wie an der Fachhochschule in Nürtingen-Geislingen speziell mit der Pferdewirtschaft befassen.

Viele Berufsbilder und Studiengänge sind auch auf der Pferd Bodensee zu sehen.

Anja Kempter ist Reitsport-Sattlerin bei EquiNomic Deutschland GmbH mit einer Werkstatt in Konstanz. Ein Praktikum brachte die 28-jährige Reiterin auf die Spur ihres heutigen Berufes. „Es ist interessant zu sehen, wie aus rohen unabhängigen Materialen etwas Ganzes, Einheitliches entsteht“, beschreibt sie ihre Begeisterung für den Handwerksberuf.

Maßsättel könnten viel individueller die Bedürfnisse von Pferd und Reiter erfüllen als ein industriell gefertigtes Produkt. Freilich könne man mit einem solchen Handwerker-Gehalt keine großen Sprünge machen. „Aber ich kann mir nichts anderes vorstellen. Der Beruf macht mir sehr viel Spaß.“

Um das Wohlergehen und die Wiederherstellung der Mobilität von Pferden kümmert sich Esther Weber-Voigt. Die 48-Jährige ist Osteopathin, Physiotherapeutin und Heilpraktikerin für Pferde. Ein Studium und einige Jahre Arbeit als Diplom-Übersetzerin für Medizin haben ihr eine gute Basis für ihre zweite Ausbildung verschafft.

Sowohl in ihrer eigenen Fachpraxis als auch im von ihr gegründeten ‚Lehrzentrum für Osteopathie, Physiotherapie und ganzheitliche Therapie fürs Pferd‘ arbeitet sie eng mit Ausbildern, Tierärzten, Sattlern und Schmieden zusammen.

„Man muss das Pferd ganzheitlich betrachten“, ist sie überzeugt. Deshalb sieht sie ihre Verantwortung in optimal ausgebildeten Schülern. Zusammen mit ihren Kooperationspartnern dokumentiert sie die Fälle und arbeitet mit der Fachhochschule Nürtingen-Geislingen im Bachelor-Studiengang Pferdewirtschaft zusammen.

Alexandra Wolff ist ausgebildete Pferdewirtin und das mit gleich zwei Ausbildungsschwerpunkten. Anstelle der normalerweise dreijährigen staatlich anerkannten Ausbildung mit einem Schwerpunkt investierte die 25-Jährige vier Jahre und ist Pferdewirtin in „Zucht und Haltung“ und in „Klassischer Reitweise“.

Durch die kleine Pferdezucht von Großvater und Mutter sei sie in dieses Berufsfeld quasi hinein gewachsen. Mit ihrer Ausbildung im Haupt- und Landgestüt Marbach steht der 25-Jährigen die Weiterbildung zum Pferdewirtschaftsmeister offen, die sie auch noch in Angriff nehmen will.

Die erste und bislang einzige Frau im Fahrstall vom ältesten staatlichen Gestüt Deutschlands liebt die vielseitige Arbeit. Doch macht sie Mädchenträume von ein bisschen Schmusen, Putzen und Reiten gleich zunichte. „Es ist ein körperlich sehr anstrengender Job.

Es reicht nicht aus, nur einfach Pferde zu lieben. Man muss das Drumherum auch leben wollen“, sagt sie und präzisiert: Neben der Pferdeausbildung gehört für sie das Misten, Füttern, die Heuernte sowie Gebäudepflege rund um die 22 Pferde im Fahrstall des Gestüts ebenso zur täglichen Arbeit. Dennoch kommt für sie kein anderer Beruf in Frage.

Die Pferd Bodensee 2014 ist am Freitag, 14. und Samstag, 15. Februar von 10 bis 18 Uhr geöffnet und am Sonntag, 16. Februar von 10 bis 17 Uhr. Die Tageskarte kostet 10, ermäßigt sieben Euro. Weitere Informationen zur internationalen Fachmesse im Internet unter: www.pferdbodensee.de.




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