MRSA-Bakterien in Fleisch aus dem Supermarkt

(14.06.2011) Reporter des NDR-Politmagazins "Panorama Nord" sind bei einem Test von Fleisch aus dem Supermarkt auf gefährliche MRSA-Keime gestoßen.

Bei Laboruntersuchungen im Auftrag des Magazins wurde der Keim im Auftauwasser von tiefgefrorenem Hähnchenfleisch zweifelsfrei nachgewiesen. Experten gehen davon aus, dass eine größere Menge an Fleisch belastet sein könnte.

Im vergangenen Jahr hatten Wissenschaftler des Robert-Koch-Instituts bei Untersuchungen von Mastgeflügel in fast jeder dritten Probe MRSA-Bakterien im Auftauwasser gefunden.

Zwar hatte die Landwirtschaftskammer Niedersachsen in der Vergangenheit den Verzehr von Fleisch von MRSA-positiven Tieren für unbedenklich erklärt.

Auch das Robert-Koch-Institut hält Fleisch, das erhitzt wurde, für ungefährlich. Dennoch sind die Keime im Auftauwasser des rohen Fleisches für den Verbraucher potentiell gesundheitsschädigend.

So können die Bakterien bei der Zubereitung - etwa über eine kleine Wunde an der Hand - in den menschlichen Körper gelangen und dort laut Robert-Koch-Institut im schlimmsten Fall tiefgehende Entzündungen auslösen: "Wenn ich ein solches Masthähnchen zubereite, dann fasse ich es ja an und dann habe ich auch die Hände damit kontaminiert.

Und wenn ich Wunden an den Händen habe - kleine Schnittwunden, kleine Eintrittspforten - können daraus natürlich tiefgehende Hautweichgewebeinfektionen resultieren", sagte der Mikrobiologe Wolfgang Witte vom Robert-Koch-Institut gegenüber "Panorama Nord". Zum Schutz rät das Robert-Koch-Institut bei der Fleischzubereitung Einweg-Handschuhe zu benutzen.

MRSA-Bakterien sind multiresistente Keime, die gegen eine Vielzahl von Antibiotika resistent sind, sich also sehr schlecht behandeln lassen. Bisher ist vor allem die Gefahr von multiresistenten, so genannten "Krankenhauskeimen", bekannt, die vor allem in Kliniken auftreten. Nach Schätzungen des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung verläuft für 15 000 Patienten eine Infektion mit diesen Keimen jedes Jahr tödlich.

Darüber hinaus geht auch von so genannten Tier-MRSA-Bakterien, die von Nutztieren auf den Menschen übertragen werden können, mittlerweile eine große Gefahr aus. Experten sehen einen Zusammenhang zwischen dem massiven Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung und dem vermehrten Auftreten von MRSA-Keimen bei Tieren.

"Mit Antibiotika im Stall züchten wir ungewollt Resistenzen, Antibiotika sind das Schwert im Kampf gegen Infektionskrankheiten. Dieses Schwert wird durch täglichen Gebrauch stumpfer", so der Chirurg Burkhard Kursch im Interview mit "Panorama Nord".

Experten befürchten für die Zukunft eine Einschleppung des Tier-MRSA in Krankenhäuser und damit eine weitere Ausbreitung von MRSA-Keimen und die Entstehung neuer Antibiotika-Resistenzen. Thomas Fein, Facharzt für Allgemeinmedizin, warnte gegenüber "Panorama Nord": "Wenn wir irgendwann nicht mehr in der Lage sind, bakterielle Infektionen vernünftig mit Antibiotika zu behandeln, dann kann so etwas wie eine mikrobiologische Apokalypse ins Haus stehen."

"Panorama Nord" wird am Dienstag, 14. Juni, um 21.15 Uhr im NDR Fernsehen ausgestrahlt.




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