Krankheitserreger in Lebensmitteln: neue Herausforderungen der Zoonosenbekämpfung

(27.11.2012) Vom 12. bis 14. November 2012 haben im Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) über 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler neue Erkenntnisse und Entwicklungen zum Thema diskutiert.

Handlungsbedarf sehen die Experten beispielsweise bei der konsequenten Einhaltung und Kontrolle von Hygienemaßnahmen, der Weiterentwicklung der diagnostischen Methoden, der Verbesserung der Instrumente zur Aufklärung von überregionalen Ausbrüchen und einer Ausweitung des Zoonosenmonitorings.

„Wir stellen zwar bei vielen lebensmittelbedingten Erkrankungen einen Rückgang der Infektionszahlen fest, aber wir müssen dennoch weiter an einer kontinuierlichen und effektiven Zoonosenbekämpfung arbeiten“, sagt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).

Infektionen über Lebensmittel werden in Deutschland vor allem durch die Bakteriengattungen Campylobacter und Salmonellen verursacht.

Erfolge bei der Zoonosenbekämfung zeigen sich besonders deutlich im Rückgang der Salmonelleninfektionen: Durch Bekämpfungsmaßnahmen in den landwirtschaftlichen Betrieben konnten die Infektionszahlen innerhalb von fünf Jahren von etwa 55.000 auf unter 25.000 Infektionen pro Jahr reduziert werden.

Infektionen mit Campylobacter sind hingegen weiterhin die häufigsten zoonotischen Infektionen des Menschen und ein Rückgang der Infektionszahlen zeichnet sich bislang nicht ab.

Neben den bakteriellen Erkrankungszahlen spielen auch die durch Noro- und Rotavirus ausgelösten Infektionen in Deutschland eine große Rolle. Dennoch fehlen nach wie vor wichtige Erkenntnisse zu deren Übertragungswegen, Tenazität und Inaktivierung.

Auch die Meldungen von Erkrankungen durch das bisher nur wenig untersuchte zoonotische Hepatitis E-Virus nehmen stetig zu. Darüber hinaus muss durch die Ausweitung des globalen Lebensmittelhandels auch mit Viren gerechnet werden, die in Deutschland bisher nur eine untergeordnete Rolle bei Lebensmittelkontamination spielen.

Die Referenten und Teilnehmer der Veranstaltung betonten die Bedeutung der Hygiene, insbesondere von Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen, für die Bekämpfung der unterschiedlichsten Zoonoseerreger.

Wichtig ist hier auch eine kritische Überprüfung der Wirksamkeit der Maßnahmen: Neben intensiven Kontrollmaßnahmen für bedeutsame Erreger wie Salmonellen oder Campylobacter auf allen Stufen der Lebensmittelkette müssen auch seltene Kombinationen aus Erregern und Lebensmitteln als Gefahrenquelle berücksichtigt werden.

So haben verschiedene Krankheitsausbrüche gezeigt, dass auch über pflanzliche Lebensmittel Infektionserreger verbreitet werden können.

Fortschritte sind derzeit bei der Entwicklung diagnostischer Methoden zum Nachweis von Erregern zu verzeichnen.

Damit sind neue Herausforderungen verbunden: So ist mittlerweile die Analyse des gesamten Genoms eines Erregers technisch sehr einfach geworden, was ein vertieftes Verständnis der Eigenschaften dieser Erreger und genetischer Veränderungen ermöglicht, aber auch Fragen zur Bedeutung der Daten aufwirft.

So sind beispielsweise Erreger in der Lage, ihre Eigenschaften zu verändern oder sich in anderen Lebensräumen wie Pflanzen zu etablieren. Die Methoden der Diagnostik und Epidemiologie müssen daher stetig weiter verbessert und problembezogen eingesetzt werden.

Erweiterte Möglichkeiten der Datenerfassung und des Datenmanagements sowie die Erarbeitung neuer Methoden zur Simulation erlauben eine verbesserte und schnellere Risikobewertung.

Die Zuordnung von Infektionen zur Quelle und die Einschätzung der von bestimmten Erregern ausgehenden Gefahren, werden durch die neuen epidemiologischen und diagnostischen Möglichkeiten kontinuierlich verbessert.

Eine wesentliche Grundlage dafür ist die aktuelle Übersicht über das Vorkommen und die Eigenschaften von Erregern in den verschiedenen Lebensmittelketten, wie sie im Rahmen des Zoonosen-Monitorings gewonnen wird. Daraus ergibt sich die Forderung, die Monitoringaktivitäten weiter zu verstärken.

Bei der Aufklärung großer Ausbrüche haben Analysen der Lieferströme der Lebensmittel einen zentralen Beitrag geleistet. Die Kombination von Diagnostik in hochspezialisierten Labors mit EDV-gestützten epidemiologischen Untersuchungen, wie sie im BfR zur Verfügung stehen, spielen bei der Ausbruchsaufklärung eine große Rolle.

Mit Blick auf die komplexen Vertriebswege im Handel wurde für die Ausbruchsaufklärung jedoch Bedarf für verbesserte Instrumente zur Rückverfolgung von Zutaten identifiziert.

Die Diskussionen während der Veranstaltung haben gezeigt, dass der Handlungsrahmen zur kontinuierlichen Zoonosenbekämpfung nach wie vor durch die Stichworte Verbraucheraufklärung, Hygiene und Überwachung der Lebensmittelkette abgesteckt wird. Entscheidend für eine Verbesserung der Zoonosenbekämpfung ist es, neue wissenschaftliche Erkenntnisse nutzbar zu machen und die Bekämpfungsmaßnahmen kontinuierlich den neuen Erkenntnissen anzupassen.




Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

BfR

4. Symposium „Zoonosen und Lebensmittelsicherheit“ am BfR

Das Vorkommen von Zoonoseerregern und bakteriellen Toxinbildnern in der Lebensmittelkette stehen im Mittelpunkt des Symposiums, das am 10. und 11. November 2016 im Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin stattfindet
Weiterlesen

Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

Symposium "Prävention durch Information" widmet sich dem präventiven Verbraucherschutz

Das Informationszeitalter stellt Verbraucher, Wirtschaft und Behörden gleichermaßen vor große Herausforderungen
Weiterlesen

BVL

Symposium zur Lebensmittelsicherheit: Prävention durch Information

BVL und JRC veranstalten am 27. und 28. Oktober 2016 eine Fachveranstaltung zur Früherkennung von Lebensmittelkrisen
Weiterlesen

BfR

Food Safety Commission of Japan (FSCJ) und Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) unterzeichnen Kooperationsvereinbarung

Deutschland und Japan wollen im Bereich der Risikobewertung von Lebensmitteln künftig verstärkt zusammenarbeiten
Weiterlesen

BfR

Projekt Ess-B.A.R

Milzbrand, Hasenpest und Brucellose: Wie kann der Schutz der Bevölkerung vor hochpathogenen Erregern in Lebensmitteln verbessert werden? 
Weiterlesen

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

BfR schließt Kooperationsvertrag mit niederländischer Behörde RIVM

Für mehr Tierschutz und Sicherheit von Lebensmitteln - gemeinsam mit den Niederlanden
Weiterlesen

Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)

Matjes: Lebensmittelüberwachung kontrolliert regelmäßig Heringe auf Rückstände und Parasiten

Mai, Juni und Juli sind Matjeszeit. Nur Heringe, die im Frühjahr gefangen und vorher noch nicht gelaicht haben, erreichen einen Fettgehalt von mindestens 12 Prozent im essbaren Teil und können so zu Matjes verarbeitet werden
Weiterlesen

Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

G@ ZIELT arbeitet dauerhaft weiter

Neue Vereinbarung zwischen Bund und Ländern zur gemeinsamen Zentralstelle zur Kontrolle des Internethandels von Lebensmitteln, Futtermitteln und Bedarfsgegenständen
Weiterlesen

BfR

BfR aktualisiert Merkblatt zum Schutz vor lebensmittelbedingten Infektionen mit Campylobacter-Bakterien

Fleisch-Fondue oder Pfännchen-Essen mit gleichzeitiger Zubereitung von rohem Fleisch, frischem Gemüse und verschiedenen Saucen sind in der kalten Jahreszeit beliebt
Weiterlesen

Magazin

Firmennews

Neuerscheinungen


[X]
Hinweis zur Nutzung von Cookies

Diese Website nutzt Cookies zur Bereitstellung von personalisierten Inhalten, Anzeigen, Inhalten von sozialen Medien und zur Analyse des Benutzerverhaltens. Die mit Hilfe von Cookies gewonnenen Daten werden von uns selbst sowie von uns beauftragten Partnern in den Bereichen soziale Medien, Online-Werbung und Website-Analyse genutzt. Durch den Besuch unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.

Mit der weiteren Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Mehr erfahren...